Latein Wörterbuch - Forum
Die Ballade vom braven Altphilologen — 844 Aufrufe
Euphrosyne am 16.4.09 um 11:59 Uhr (Zitieren)
Wohl dem, der [i]bona fide[/u] handelt
Und immer brav [i]per pedes[/u] wandelt,
von Flöhen ([i]pedibus[/u]) verschont,
vom [i]caelum[/u] mit [i]salus[/u] belohnt!
Er steht in der [i]palus[/u] als [i]palus[/u]
Und mitten in dem Schiff als [i]malus[/u],
er ist von [i]dolus malus[/u] frei,
und weiß noch nicht, wer [i]Amor[/u] sei.
Mit [i]mala[/u] (Äpfeln), [i]malae[/u] (Wangen)
Weiß er nichts Rechtes anzufangen.

Anselmus, der Studenten bester,
[i]vixit[/u] voll [i]virtus[/u] manch Semester,
gab keine [i]mille basia[/u]
und pfiff auf das [i]et cetera[/u];
lebt’ als [i]beatus ille homo,
qui semer manet in sua domo.[/u]
Daß Geld nicht [i]manet[/u] oder fließe,
und er ein [i]nebulo[/u] nicht hieße,
ging er zur [i]mensa[/u] auf den [i]locus[/u] ,
las dort nicht Playboy, sondern Focus,
den Antibarbarus von Krebs,
verehrt den „Menge“, nicht die [i]plebs[/u],
im [i]recte vivere[/u] sich übend,
durch [i]bibere[/u] kein Wasser trübend,
[i]siccus et sobrius[/u] im Leben,
dem [i]ordo firmus[/u] treu ergeben,
er ahmte nach [i]farmica’s[/u] Fleiß
und hofft’ auf seines [i]labor[/u] Preis.
„Ich gleite“ ([i]labor[/u]) sagt’ er nicht,
sein Boden ([i]solum[/u]) war die Plflicht,
das war sein [i]sol[/u], sein [i]solidum[/u],
sein [i]solum[/u] necessarium.
Sich nährend an der Weisheit Euter
War er ein [i]nullus[/u] und ein [i]neuter[/u].

Frau [i]Venus[/u] wollte diesen Knaben
gern unter ihren Dienern haben.
„[i]O du infelix ignorans!“[/u]
Sprach sie, „aus dir wird ein [i]amans[/u],
[i]Regis (du lenkst) die [i]cohors regis[/u],
[i]legis[/u] (du liest) den [i]liber legis[/u]:
Ich mach dich [i]liber[/u] (frei, nicht ledig!),
dann seien [i]lex[/u] und [i]rex[/u] dir gnädig!
Willst du auf meine [i]vox[/u] nur hören,
den [i]censor[/u] wirst du bald empören!“

Am Rosenmontag nachts um zehn
War’s statim dann um ihn geschehn,
als er die [i]Rosa candida[/u]
maskiert, doch ohne [i]toga[/u] sah.
Er: [i]sic[/u]; sie: [i]non[/u]. So fing es an.
[i]Amo, amas[/u]; gesagt, getan.

[i]Grex, gregis[/u] (der Verehrer Schar)
Schrie: [i]ducis[/u] (du führst fort sie gar!),
willst du als [i]dux, ducis[/u] sie besitzen
und vor dem [i]populus[/u] beschützen
(die [i]populus[/u], der Pappelbaum,
hilft dir in diesem Falle kaum).

Er wähnt, er liebe sie allein;
da trifft der Schreckens-[i]nutius[/u] ein:
[i]puella amat alium.[/u]
Er bringt sich [i]stante pede [/u]um
hängt an der [i]populus[/u] sich auf;
da ruft der [i]populus[/u] zuhauf:
[i]Vae! Temere[/u] und unbedacht
[i]heu![/u] Hat er mit sich Schluß gemacht!
’s gab keinen [i]alium[/u] (Rivalen),
nur Knoblauch ([i]alium[/u]) brachte Qualen.
Und die Moral von der Geschicht:
Verachtet Quantitäten nicht!
Denn wenn wir diese [i]intus[/u] hätten,
könnten wir manches Leben retten.
Re: Die Ballade vom braven Altphilologen
Euphrosyne am 16.4.09 um 12:00 Uhr (Zitieren)
ohje! Ich versuch’s glaich nochmal...
Re: Die Ballade vom braven Altphilologen
Euphrosyne am 16.4.09 um 12:08 Uhr (Zitieren)
Wohl dem, der bona fide handelt
Und immer brav per pedes wandelt,
von Flöhen (pedibus) verschont,
vom caelum mit salus belohnt!
Er steht in der palus als palus
Und mitten in dem Schiff als malus,
er ist von dolus malus frei,
und weiß noch nicht, wer Amor sei.
Mit mala (Äpfeln), malae (Wangen)
Weiß er nichts Rechtes anzufangen.

Anselmus, der Studenten bester,
vixit voll virtus manch Semester,
gab keine mille basia
und pfiff auf das et cetera;
lebt’ als beatus ille homo,
qui semer manet in sua domo.

Daß Geld nicht manet oder fließe,
und er ein nebulo nicht hieße,
ging er zur mensa auf den locus ,
las dort nicht Playboy, sondern Focus,
den Antibarbarus von Krebs,
verehrt den „Menge“, nicht die plebs,
im recte vivere sich übend,
durch bibere kein Wasser trübend,
siccus et sobrius im Leben,
dem ordo firmus treu ergeben,
er ahmte nach farmica’s Fleiß
und hofft’ auf seines labor Preis.
„Ich gleite“ (labor) sagt’ er nicht,
sein Boden (solum) war die Plflicht,
das war sein sol, sein solidum,
sein solum necessarium.
Sich nährend an der Weisheit Euter
War er ein nullus und ein neuter.

Frau Venus wollte diesen Knaben
gern unter ihren Dienern haben.
O du infelix ignorans!“
Sprach sie, „aus dir wird ein amans,
Regis (du lenkst) die cohors regis,
legis (du liest) den liber legis:
Ich mach dich liber (frei, nicht ledig!),
dann seien lex und rex dir gnädig!
Willst du auf meine vox nur hören,
den censor wirst du bald empören!“

Am Rosenmontag nachts um zehn
War’s statim dann um ihn geschehn,
als er die Rosa candida
maskiert, doch ohne toga sah.
Er: sic[/u]; sie: [i]non. So fing es an.
Amo, amas; gesagt, getan.

Grex, gregis (der Verehrer Schar)
Schrie: ducis (du führst fort sie gar!),
willst du als dux, ducis sie besitzen
und vor dem populus beschützen
(die populus, der Pappelbaum,
hilft dir in diesem Falle kaum).

Er wähnt, er liebe sie allein;
da trifft der Schreckens-nutius ein:
puella amat alium.
Er bringt sich stante pede um
hängt an der populus sich auf;
da ruft der populus zuhauf:
Vae! Temere und unbedacht
heu! Hat er mit sich Schluß gemacht!
’s gab keinen alium (Rivalen),
nur Knoblauch (alium) brachte Qualen.
Und die Moral von der Geschicht:
Verachtet Quantitäten nicht!
Denn wenn wir diese intus hätten,
könnten wir manches Leben retten.
Re: Die Ballade vom braven Altphilologen
Euphrosyne am 16.4.09 um 12:10 Uhr (Zitieren)
naja, fast... ach diese Codes!
Re: Die Ballade vom braven Altphilologen
Graeculus am 16.4.09 um 12:46 Uhr (Zitieren)
Das ist schön!
Schade, daß ich nicht Latein unterrichte; sonst könnte ich’s im Unterricht verwenden.
Sag' mal, diese Ballade ist gar nicht so alt, oder? ... da sie Playboy und Focus kennt.
Re: Die Ballade vom braven Altphilologen
Lateinhelfer am 16.4.09 um 12:56 Uhr (Zitieren)
schöne Sache!
Re: Die Ballade vom braven Altphilologen
Euphrosyne am 16.4.09 um 15:20 Uhr (Zitieren)
Hm. Ich weiß nicht, wie alt das ist, über den Verfasser kann ich auch nichts sagen...
stimmt aber, der Focus erschien erstmals 1993.
 
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