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GRAMMATICA VESTRA

QVINTA PARS

LXXXI. Casus; Genetiv

Die meisten Genetive stehen wie im Deutschen auf die Frage wessen? und geben den Besitzer oder den Handelnden an. Dieser Genetiv heißt Genetivus possessivus oder subiectivus.
Beispiel: Ars poetae magna non est, itaque populus carminibus eius aures non praebet.
Was für eine Syntaxfunktion ist das? Das sind Genetivattribute

Handelt es sich bei den im folgenden bezeichneten Genetiven auch zweimal um diese Art der Erweiterung oder um welche sonst (Übung X!)?

Equus Quinti Fabii consulis eum ad cornu exercitus portavit. Der zweite Genetiv ist auch ein Genetivattribut, aber der erste ist eine Apposition zu „Quinti Fabii“

Eine andere, dem Deutschen fremde Art, Genetive einzusetzen, ist der Genetivus obiectivus. Dieser Genetiv zeigt bekanntlich an, für wen oder was etwas geschieht:

gladius victoriae ein Schwert für den Sieg

(„Das Schwert des Sieges“ wäre doch etwas merkwürdig!)

donum amicae ein Geschenk für die Freundin oder ein Geschenk der Freundin, je nachdem, wer wem was schenkt.

vinum Romanorum ex Graecia Wein für die Römer aus Griechenland („Römischer Wein“ ja sicher nicht!)

deos appellant pro auxilio amici navigantis in tempestate Sie riefen die Götter um Hilfe an für den im Unwetter seefahrenden Freund

Vielleicht kann man deutsche Wendungen wie „Ein Pfand der Treue will ich dir weihen“ als Gen.Obj. auffassen.

Erinnert werden sollte daran, daß wie im Deutschen bei begierig, kundig, eingedenk, voll der Genetiv fällig ist, obwohl das im Deutschen langsam in Vergessenheit gerät. (Das korrekte „voll des süßen Weines“ klingt schon fast komisch.)

cupidus amoris liebesbegierig

LXXXII. Casus; Dativ

Die klassische Anwendung des Dativs ist die des mittelbaren oder indirekten Objekts: wem?

Hierzu ist noch wichtig, dass Verben wie z.B. invidere und praestare (und auch bevorzugen, heiraten, schonen, veranlassen, betreiben) im Latein intransitiv sind:

invideo hominibus ich beneide die Menschen

praesto amicis ich übertreffe die Freunde

Eine andere dem Deutschen fremde Verwendung des Dativs ist der Dativus finalis. Dieser Dativ zeigt an, weswegen oder zu welchem Zweck oder mit welcher Wirkung etwas geschieht. Im Deutschen steht meist eine Konstruktion mit zu, wie „zur Beantwortung übersenden, zu Hilfe kommen“ oder die nette Übersetzung von esse mit Dat.final. „zur Ehre (zum Schaden, Nutzen usw.) gereichen“.

auxilio veni ich kam zu Hilfe

dono dare als Geschenk geben

usui esse zum Nutzen gereichen

vitio dare als Fehler anrechnen

tibi est honori studere Dir gereicht es zur Ehre dich zu bemühen

Schließlich ist auch der Dativus possessivus schon aufgetaucht, das ist die Verbindung eines Dativs mit esse dort, wo Anfänger/innen eher „habere“ vermuten würden:

filio est equus der Sohn hat ein Pferd

(Filius equum habet bedeutet dagegen eher „Der Sohn hält das Pferd fest“!)

LXXXIII. Casus; Akkusativ

Klassisch für den Akkusativ ist die Verwendung im direkten oder unmittelbaren Objekt auf die Frage wen oder was?

equum video ich sehe ein Pferd

Die Verben, die ein solches Objekt bei sich haben können, heißen bekanntlich transitive Verben.

Im Latein gehören zu dieser Gruppe wieder eine Reihe von Verben, die deutsch kein Akkusativobjekt bei sich haben, das sind also Sprachabweichungen gerade umgekehrt wie oben beim Dativobjekt:

imperator aequat deum der Kaiser gleicht einem Gotte

adiuva amicum! Hilf dem Freunde!

(aber: adiuva auxilio! Warum? „Unterstütze mit Beistand“ mit Dativus finalis oder Ablativus instrumenti; dem „auxilium“ soll ja jedenfalls nicht geholfen werden…)

dominus servos tacere iubet der Herr befiehlt den Dienern zu schweigen

consul vetat milites certare Der Konsul verbietet den Soldaten zu kämpfen.

amicas iuvat cantare Den Freundinnen gefällt es zu singen.

non decet pueros ridere Es ziemt den Knaben nicht zu lachen.

Zu diesen Verben gehören vor allem auch diejenigen, die eine Gemütsbewegung ausdrücken (bewundern, fürchten, schätzen).
Wichtig ist, daß diese Verben im Gegensatz zum deutschen Gebrauch daher ein „echtes“ Passiv kennen:

pater adiuvatur „Der Vater wird geholfen“ Dem Vater wird geholfen.

Verwandt damit ist die Verwendung von putare und anderen Verben mit doppeltem Akkusativ, so etwa wie „den Schüler einen Dummkopf schimpfen“ oder sprichwörtlich „den lieben Gott einen guten Mann sein lassen“

puto eum sapientem Ich halte ihn für weise.

filium artem docet Er lehrt den Sohn die Kunst.

eum appello amicum Ihn nenne ich Freund.

dominus servum Ursum nominat Der Herr nennt den Sklaven „Ursus“.

Claudia Helenam Graeculam stultam vocat Claudia schimpft die Helena eine dämliche Griechin.

miles se fortem praestat Der Soldat erweist sich als tapfer.

senatus Mausolum regem amicum populi Romani fecit Der Senat macht den König Mausolus zum Freund des römischen Volkes.

Eine weitere Verwendung des Akkusativs ist schon im Kapitel für den Lokativ erwähnt worden: Bei denjenigen Namen usw., bei denen auf die Frage wo? der Lokativ oder präpositionslose Ablativ steht, steht auf die Frage wohin? der einfache Akkusativ:

Romam nach Rom

domum nach Hause

Delum nach Delos

In den übrigen Fällen steht der Akkusativ mit einer Präposition:

in Galliam nach Gallien

Das ist der Grund für den Casusgebrauch etwa bei in: Bekanntlich steht in auf die Frage wo? mit Ablativ (eigentlich Lokativ), auf die Frage wohin? mit Akkusativ.

Die letzte spezielle Anwendung des Akkusative schließlich, die auch schon vorkam, ist der Einsatz auf die Frage nach der räumlichen oder zeitlichen Ausdehnung, wie lange?, wie lang?, wie hoch?

multos annos viele Jahre lang

multa pedes latus viele Schritte breit

Hercules septem dies natus serpentes (Schlangen) duo necaverat. Hercules hatte im Alter von sieben Tagen zwei Schlangen getötet. („sieben Tage geboren = sieben Tage alt“)

LXXXIV. Casus; Ablativ

Da der Ablativ im Deutschen nicht vorkommt, sind alle Anwendungen in veränderte deutsche Konstruktionen zu übertragen. Das ist einfach beim Fall „Präposition + Ablativ“, der meist problemlos in „deutsche Präposition + Dativ“ übergeht:

ex urbe aus der Stadt

Zu beachten und mit den Anwendungen des Akkusativs zu vergleichen ist hierbei die typische Anwendung des Ablativs auf Orte und Zeitpunkte, während ja der Akkusativ für Richtung und Ausdehnung zuständig ist (in mit den beiden Fällen sei nochmals erwähnt).

Der hierhergehörende Einsatz des Ablativs als Lokativ ist bereits abgehandelt worden. Er tritt auch zeitlich auf:

die am Tage

secundo bello Punico während des zweiten Punischen Krieges

aber: in pace im Frieden
(kein Zeitpunkt, sondern ein Umstand)

Erwähnenswert ist, daß die lateinische Auffassung, ob Ort oder Richtung vorliegt, von der deutschen abweichen kann:

Romam nuntiatur de certamine es wurde in Rom von der Schlacht berichtet (wörtlich übersetzt aber: „nach Rom“ )

imperator in foro monumentum collocavit der Kaiser hat auf das Forum ein Denkmal gestellt (wörtlich? „auf dem Forum“)

Häufiger und vermutlich die erste und grundsätzliche Anwendung des Ablativs ohne Präposition ist die des Ablativus instrumenti oder des Instrumentalis auf die Frage womit?, auf welche Weise?, wodurch?

gladio necare mit dem Schwert töten

manu tenere mit der Hand berühren

victor erat certamine acri Sieger war er durch harten Kampf.

Beachte

nave navigare mit einem Schiff fahren

cum amico navigare mit dem Freund fahren

Wann steht für „mit“ also im Lateinischen cum? wenn die Begleitung, nicht das Werkzeug gemeint ist, insbesondere bei Personen

Eine Nebenanwendung des „Ablativs des Mittels“ ist der Ablativus limitationis auf die Frage in welcher Hinsicht?, um welchen Betrag? Klassisches Beispiel ist der Ablativ bei praestare.

maior aetate „größer hinsichtlich des Alters“ = älter

alios superare virtute andere an Tüchtigkeit übertreffen

aliis praestare virtute andere an Tüchtigkeit übertreffen (anderen an Tüchtigkeit voranstehen)

aequas me sapientia du gleichst mir an Vernunft

Die dritte Anwendungsgruppe des Ablativs nach der des Ortes oder Zeitpunkts und der des Mittels oder Werkzeugs ist der der Trennung. Der Ablativus separativus steht grundsätzlich, wenn im Lateinischen etwas von etwas getrennt wird. Er hat auch lokativische Bedeutung: Roma = aus Rom (also: von Rom weg, von Rom getrennt).

ira vacare von Zorn frei sein

a regibus liberare von Königen befreien

fuga prohibere an der Flucht hindern

victoria arcere (vom Sieg fernhalten) den Sieg verhindern

loco movere von der Stelle bewegen

veni Athenis ich kam aus Athen

tuti estis ab hominibus sicher seid ihr vor den Menschen

templum spoliatur auro argentoque a militibus Der Tempel wurde von den Soldaten an Gold und Silber geplündert

aqua careo (Wasser entbehre ich) ich habe kein Wasser

victor liber est culpa Ein sieger ist frei von Schuld

In welchen Fällen steht also der „reine“ Ablativus separativus, wann aber mit Präposition? Welcher der Ablative in den Sätzen eben ist kein Ablativus separativus? „a militibus“ ist kein Separativus. Abgesehen davon steht eine Präposition bei Personen („a regibus“, „ab hominibus“). Übrigens geht der Separativus auffallend oft in deutschen Genetiv über „des Goldes berauben, des Wassers entbehren“ - wenn der nur nicht seinerseits am Aussterben wäre…)

LXXXV. Zusammenfassung Fragen

In summa, was für Satzteile, typische Casus usw. erwartet man also im Lateinischen auf die Frage

Frage Konstruktion Frage Konstruktion
wem? mittelbares Objekt im Dativ wie? adverbielle Bestimmung; Ablativ (A. modi)
wer? Subjekt im Nominativ wo? adverbielle Bestimmung; Ablativ (Lokativ)
was? direktes Objekt im Akkusativ wann? adverbielle Bestimmung; Ablativ (Temporalis)
wie lange? adverbielle Bestimmung; eventuell Akkusativ womit? adverbielle Bestimmung; Ablativ (Instrumentalis)
wessen? Attribut im Genetiv frei wovon? adverbielle Bestimmung; Ablativ (Separativus)
woher? adverbielle Bestimmung; Ablativ (Separativus) wie groß? adverbielle Bestimmung; Akkusativ
weswegen? adverbielle Bestimmung; Ablativ (A. causae) oder causa mit Genetiv wohin? adverbielle Bestimmung; Akkusativ
wofür? adverbielle Bestimmung; Dativ (D. commodi oder finalis) trotz was? Ablativus absolutus mit tamen o.ä.

LXXXVI. Tempora

Bleibt noch die Verwendung der Zeitstufen des Verbs zu betrachten.

Die drei Zeithauptstufen Praesens, Imperfekt und Futur mit ihren Nebenstufen Perfekt, Plusquamperfekt und Futur II (exactum)
werden prinzipiell wie im Deutschen verwendet, das heißt, bereits das Tempus kann Auskunft geben auf die Umstände der Handlung:

- absolute Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft)

- relative Zeit (vor einer anderen Handlung, mit oder nach einer anderen Handlung)

- Vollzug (Handlung abgeschlossen, andauernd; Handlung dauernd/oft wiederholt oder einmalig, punktuell))

Hierzu in Kürze einige Anmerkungen auf Besonderheiten, soweit sie vermutlich schon vorkamen:

a) Hauptsätze

Gegenwart: Präsens wie im Deutschen.

Zukunft: Im Lateinischen wird das Futur wesentlich exakter angewandt als im Deutschen.

cras nuntiabo rem morgen melde ich die Sache (aber wörtlich: „werde ich melden“)

Ereignisse in naher Zukunft (z.B. in der Gegenwart wurzelnde) werden oft auch mit Partizip Futur und esse konstruiert:

nuntiaturus sum

Die wörtliche Übersetzung wirkt im Deutschen meist sehr unschön, weil hier ein solches Partizip an sich nicht vorkommt:

Exercitus oppidum obsessurus Ein die Stadt belagern werdendes Heer !?

Die klassische Übersetzung ist ein Nebensatz, aus dem hervorgeht, daß mit einer Tätigkeit gerade angefangen werden soll:
Ein Heer, das im Begriff ist, die Stadt zu belagern
Ein Heer, das die Absicht hat, die Stadt zu belagern
Ein Heer, das die Stadt belagern will

Es muss beachtet werden, daß die durch das Partizip Futur Aktiv ausgedrückte Tätigkeit zeitlich später abläuft als die Tätigkeit eines übergeordneten Satzes. Das gilt auch, wenn beide Tätigkeiten in der Vergangenheit liegen! Übersetze

Caesar Marti statuam voturus oppidum expugnabat. Caesar eroberte die Stadt, bevor er dem Mars ein Standbild weihte.

Caesar Marti statuam vovens oppidum expugnabat. Caesar eroberte die Stadt, während er dem Mars ein Standbild weihte.

Servus intrat servans. Der Diener tritt schützend ein.

Servus intrat servaturus. Der Diener tritt ein, um zu schützen.

Vergangenheit:

In Hauptsätzen wird für Vergangenes Perfekt oder Imperfekt eingesetzt. Das Plusquamperfekt ist ebenso wie das Futur II in Hauptsätzen sehr selten, weil die Hauptaufgabe dieser beiden Tempora das Ausdrücken der relativen Vorzeitigkeit im Nebensatz ist.

Das Perfekt ist der Normalfall, das Erzähltempus der Vergangenheit (was war?). Im Deutschen steht dafür meist Imperfekt! Das Perfekt beschreibt abgeschlossene Handlungen oder einmalige Handlungen in der Vergangenheit. (Deutsch meist auch Perfekt)

Das Imperfekt beschreibt dagegen Handlungen der Vergangenheit, die andauern (was pflegte zu sein?), oft wiederholt wurden (was war Brauch? was war normal?) oder sonst fortdauernde Wirkung haben (Im-perfekt, also nicht abgeschlossen sind) (was wurde versucht?). Hierfür steht im Deutschen meist Imperfekt.

b) Nebensätze

Bei abhängigen Sätzen ist die relative Zeitstufe zum Hauptsatz wichtig. Das ist die hohe Stunde der Consecutio temporum, der Zeitenfolge:

Hauptsatz im Nebensatzhandlung
gleichzeitig vorzeitig
(„als …“) („nachdem …“)
Präsens Präsens Perfekt
eine Vergangenheit wie Hauptsatz (Konjunktiv: Imperfekt) Plusquamperfekt
Futur I Futur I (Konjunktiv: Präsens) Futur II (Konjunktiv: Perfekt)

Anzumerken ist noch, daß bei postquam bei einmaliger Begebenheit im Lateinischen folgerichtig Perfekt steht, im Deutschen aber Plusquamperfekt!

LXXXVII. Modi

Und last not least die Modi.

Der Gebrauch des Imperativs dürfte klar sein.

Der Indikativ als Modus der Wirklichkeit wird ebenfalls weitgehend wie im Deutschen verwendet. (Bei können, müssen, sollen, fast passiert sein steht allerdings oft deutscher Konjunktiv lateinischem Indikativ gegenüber). Das ist der Realis (Satzverneinung non).

Die meisten Schwierigkeiten bereitet meist der Konjunktiv (obwohl erfahrungsgemäß ein Großteil der Schwierigkeiten darin begründet liegt, dass die ja erst später eingeführten Grammatikformen nicht so gut sitzen).

Der Konjunktiv beschreibt

  • die Möglichkeit (Potentialis)
  • den Wunsch (Optativus), Satzverneinung ne
  • die Nichtwirklichkeit (Irrealis)

Wann genau im Hauptsatz oder Nebensatz Indikativ oder Konjunktiv steht, wird sicher noch genauer ausgeführt werden. Wichtig ist gegenwärtig nur, dass eine Reihe von Konjunktionen wie ut, cum, si, ne entweder nur mit Indikativ oder nur mit Konjunktiv vorkommen oder aber je nachdem andere Bedeutungen haben. (Vergleiche mit XLVI C.!)

Stelle zusammen, welche Anwendungen für diese Konjunktionen bisher vorkamen! vermutlich die in XLVI C. erwähnten. Besonders vielseitig sind ut und cum


Und noch einige weitere Themen:

LXXXVIII. Übung der Verbstammformen

Von den folgenden Verben ist unbedingt nötig, dass die Perfektstämme richtig gebildet werden können. Einige davon bilden kein Partizip Perfekt Passiv, aber ein Partizip Futur Aktiv, das ja ähnlich gebildet wird und üblicherweise stattdessen gelernt wird, andere kennen überhaupt kein Partizip vom Perfektstamm.

(Wieso sind die Verben ohne PPP bei den intransitiven Verben häufiger als bei den transitiven?) Intransitive Verben bilden generell kein Passiv (abgesehen von einigen unpersönlichen Ausdrücken und ähnlichem)

Die Komposita haben meist die gleiche Grammatik wie ihr Simplex (adiuvare wird genauso gebeugt wie iuvare). Es gibt aber Ausnahmen, deswegen stehen Simplices und Komposita in folgender Liste!

Vervollständige die Liste nach dem Muster der ersten Zeile!

amare lieben amo amavi amatus
iubere befehlen iubeo iussi iussus
exercere üben exerceo exercui exercitum *)
abstinere abhalten von abstineo abstinui -
horrere schaudern horreo horrui -
latere verborgen sein lateo latui -
merere verdienen mereo merui meritus
persuadere überreden persuadeo persuasi persuasum
urgere drängen urgeo ursi -
haerere hängenbleiben haereo haesi haesum
favere begünstigen faveo favi fautum
movere bewegen moveo movi motus
commovere stark bewegen commoveo commovi commotus
permovere stark bewegen permoveo permovi permotus
removere entfernen removeo removi remotus
sedere sitzen sedeo sedi sessum
obsidere belagern obsideo obsedi obsessus
spondere geloben spondeo spopondi sponsus
respondere antworten respondeo respondi responsus
vovere geloben voveo vovi votus
implere anfüllen impleo implevi impletus
flere weinen fleo flevi fletum
habere halten habeo habui habitus
manere bleiben maneo mansi mansum
videre sehen video vidi visus
egere entbehren egeo egui -
stare stehen sto steti statum
praestare siehe LXXXIX praesto praestiti praestitum (praestaturus)
obstare entgegenstehen obsto obstiti -
instare bedrängen insto institi -
constare bestehen aus consto constiti -
secare schneiden seco secui sectus
vetare verbieten veto vetui vetitus
domare zähmen domo domui domitus
praedicare ausrufen praedico praedicavi praedicatus
probare prüfen probo probavi probatus
crepare schelten crepo crepui crepitus
adiuvare helfen adiuvo adiuvi adiutus
dare geben do dedi datus

*) Ein PPP nur im Neutrum ist Zeichen des unpersönlichen Passivs der intransitiven Verben

LXXXIX. praestare

praestare hat fünf Felder der Verwendung, die sich auch überschneiden können:

1. praestat als unpersönlicher Ausdruck

2. mit Reflexivpronomen: se praestare = sich zeigen als.
Als was man sich zeigt, steht im Akkusativ. (Das ist ein Beispiel für Doppelten Akkusativ!)

3. ohne Reflexivpronomen, aber u.U. auch mit Akkusativ: praestare = leisten, sicherstellen. Was man leistet, steht im Akkusativ (einfaches Akkusativobjekt).

4. ohne Reflexivpronomen, aber mitunter mit Ablativ: praestare = sich auszeichnen, übertreffen um etwas. Um was man übertrifft, steht im Ablativus limitationis.

5. ohne Reflexivpronomen, aber mit Dativ: praestare = jemanden übertreffen. Wen man übertrifft, steht im Dativ.
Natürlich können 4. und 5. gemeinsam vorkommen: ich übertreffe ihn um etwas. Im Deutschen steht zweimal der Akkusativ!!

Übersetze! Füge, wenn nötig, die richtigen Endungen ein!

Exercitus bello paratus pacem praestat. Ein kriegsbereites Heer stellt den Frieden sicher.

Vocabula commemorare praestitisset. Es wäre besser gewesen die Vokabeln zu lernen.

Claudius Lucio praestabat pugna gladiis. Claudius übertrifft Lucius hinsichtlich des Kampfes mit Schwertern.

praesta te sapientiam amicam diligentiae! Erweise dich als kluge Freunden der Sorgfalt!

XC. Umgangslatein

Bei den Verbformen des Perfektstamms, die ein -ve- oder -vi- und danach noch eine Silbe enthalten, fällt dieses mitunter aus, weil bei nachlässigem Sprechen diese Perfektzeichen verschliffen werden. Insbesondere, wenn wörtliche Rede wiedergegeben wird, findet man daher

amasti statt amavisti, amaram statt amaveram, amasse statt amavisse. (Bedeutung? du hast geliebt, ich hatte geliebt, geliebt haben)

uebungen5l.txt · Zuletzt geändert: 2015/08/15 19:11 (Externe Bearbeitung)