Γραικύλος schrieb am 20.01.2026 um 15:01 Uhr (Zitieren)
Von Parusieverzögerung spreche ich, wenn ich mit der Deutschen Bahn fahre, aber doch nicht, wenn ein noch für die Lebenszeit von Zuhörern angekündigtes Ereignis, die Ankunft des Messias, selbst nach 2000 Jahren nicht eingetreten ist. Dann spreche ich von einem Irrtum.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 20.01.2026 um 15:47 Uhr (Zitieren)
Bezug:
- Lk 9, 27
- Mt 16, 28
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 20.01.2026 um 16:13 Uhr (Zitieren)
Ich denke, dass das von Anfang an völlig falsch verstanden und
missbraucht bzw. benutzt wurde und nicht auf Jesus zuückgeht,
ja seiner "Sendung" (=Absichten) widerspricht.
Warum sollte die Welt bald untergehen, wenn Gott Mensch wurde
um die Menschheit zu retten?
Die nächste Frage ist dann: Worin besteht die Rettung?
Zudem müsste vorab klären, woher dieses Konzept stammt und
wie es genau entstanden ist.
Darüber nachzudenken könnte sich lohnen, auch
wenn die einzige?? mögliche Antwort in einer Utopie endet
und den Naivitätsvorwurf provoziert.
Man könnte überlegen, was folgender, Jesus in den
Mund gelegte Satz, konkret bedeuten könnte:
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben."
Eine mögliche Deutung dürfte Philosophen nicht
überzeugen, sondern sie zu vielen Nachfragen veranlassen,
die zu für sie unbefriedigenden Antworten führen würden und schnell der
Leerformelvorwurf gemacht würde.
PS:
Ich verweise auf ein Teil-Zitat, das hier schon angeführt wurde:
Matthäusevangelium
Entstehungszeit: ca. 80 bis 90 n. Chr.
Begründung: Der Verfasser setzt die Zerstörung des Jerusalemer Tempels (70 n. Chr.) bereits als vergangenes Ereignis voraus (z. B. in Mt 22,7). Da Matthäus das Markusevangelium (geschrieben um 70 n. Chr.) als Quelle nutzt, muss er zeitlich danach liegen.
Ort: Vermutlich Syrien (Antiochia), da dort eine große Gemeinde mit jüdischen und heidnischen Wurzeln bestand.
2. Lukasevangelium
Entstehungszeit: ca. 80 bis 95 n. Chr.
Begründung: Lukas schreibt im Rückblick auf die "vielen", die vor ihm Berichte verfasst haben (Lk 1,1). Auch er nutzt das Markusevangelium und setzt die Tempelzerstörung voraus (Lk 21,20-24). Zudem zeigt die Sprache eine fortgeschrittene theologische Reflexion (Thema: Parusieverzögerung).
Ort: Diskutiert werden Orte wie Rom, Achaia (Griechenland) oder Kleinasien.
Das ist 50 bis 65 Jahre nach dem Tod Jesus
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 20.01.2026 um 16:54 Uhr (Zitieren)
oje, in welcher Pampa ohne Wiederkehr bist du gestrandet, im thüringer Becken?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 20.01.2026 um 17:06 Uhr (Zitieren)
Das ist eine spätere, nachösterliche Deutung (Paulus), samt Auferstehung.
Der historische Jesus hat als Jude in jüdischer Tradition das Kommen des Messias, des Reiches Gottes verkündet, und zwar - dies als seine Spezialität - als sehr bald bevorstehend. Darauf gelte es sich vorzubereiten.
Diese Botschaft war mit Jesu Hinrichtung und dem Ausbleiben des Messias gescheitert. Damit wollten sich einige seiner Anhänger nicht abfinden, und damit wurde "aus dem Verkünder der Verkündete gemacht" (Bultmann).
Jetzt wurde aus dem Juden Jesus der Gottessohn - für einen Juden eine Blasphemie. Daher eine neue Religion: das Christentum.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 20.01.2026 um 17:09 Uhr (Zitieren)
Die Unpünktlichkeit der Fernzüge hat im letzten Jahr einen neuen Rekord aufgestellt. Da könnte man doch von Parusieverzögerung sprechen.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 20.01.2026 um 17:14 Uhr (Zitieren)
Daß der historische Jesus aus den erheblich später entstandenen Evangelien zu rekonstruieren ist - geschenkt. Damit ist die Leben-Jesu-Forschung seit dem 19. Jhdt. beschäftigt. Deren Resultate sollte man zur Kenntnis nehmen.
Die Methode dabei ist ja nicht wesentlich anders als bei der Frage nach dem historischen, nur aus tendenziösen Quellen zu erschließenden Nero.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 20.01.2026 um 17:32 Uhr (Zitieren)
βροχή schrieb am 20.01.2026 um 17:37 Uhr (Zitieren)
... aber ja! es ist nur eine kleine Umleitung von der immerwaehrenden Pausierverzögerung zum endgültigen versacken.
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 20.01.2026 um 19:30 Uhr (Zitieren)
Worin bestand für ihn das Reich Gottes?
Zeichen des Anbruchs Das Reich Gottes manifestiert sich für Jesus nicht in abstrakten Theorien, sondern in konkreten Veränderungen der Lebensrealität:
Heilungen und Exorzismen als Sieg über das Chaos und das Leid.
Die Zuwendung zu den Ausgegrenzten (Zöllner, Sünder, Arme).
Die Aufhebung von religiösen und sozialen Barrieren.
Die Tischgemeinschaft Eines der stärksten Symbole für das Reich Gottes war für Jesus das gemeinsame Essen. Indem er mit Menschen aller sozialen Schichten speiste, nahm er das „festliche Mahl“ im Reich Gottes vorweg. Es war ein Zeichen der Versöhnung und der bedingungslosen Annahme durch Gott.
Die meisten Heiungen betrachtet man heute als Lösung psychischer Blockaden,
Naturwunder sind Metaphern.
Jesus hat wohl kaum geglaubt, dass Gott ein Paradies auf Erden schaffen werde,
dafür aber vereinzelte Mini-Paradiese dort, wo menschliches
Miteinander gelingt in einer liebevollen Atmosphäre des Wohlwollen und der bedingunslosen gegenseitigen Akzeptation.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 20.01.2026 um 22:29 Uhr (Zitieren)
Dieses Reich Gottes war aber mit einer Vorstellung von möglicher, drohender Strafe verbunden. Davon spricht er ja oft. In der Bergpredigt verschärft er sogar noch die traditionellen Gebote, deren Bruch in die Hölle führt.
Dafür sehe ich überhaupt keinen Ansatzpunkt. Er war Jude und hat niemanden außer Juden angesprochen. Nicht nur, daß er keinerlei Einwände gegen die Sklaverei geäußert hat, er hat sogar in Gleichnissen das Verhältnis Gottes zu den Menschen mit dem eines Herrn zu seinen Sklaven verglichen - was man sicher nicht tun kann, wenn man die Sklaverei verurteilt.
Was die Liebe Gottes angeht, so steht im Vaterunser die Bitte: "Und führe uns nicht in Versuchung!" Das steht da sicher nicht zufällig.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 05:56 Uhr (Zitieren)
Wie man damit umgeht, ist doch ab einem Punkt des Erwachsenwerdens jedem freigestellt. Man lässt sich dadurch einschüchtern, schüchtert gar andere ein, oder man stellt es Gott allein anheim, wann und wen er straft oder begnadigt. Das nennt man dann Gottesfurcht und Gottvertrauen.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 06:22 Uhr (Zitieren)
Was ich nicht verstehe, was treibt Atheisten an, die Oberhoheit über die Glaubensinhalte von Nichtatheisten zu gewinnen. Wie ein Nichtatheist seine Glaubensinhalte interpretiert, kann nur er selber für sich entscheiden, das kann kein anderer, sei es Nichtatheist oder Atheist für ihn tun. Das ist auch eine Facette der Freiheit.
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 21.01.2026 um 09:04 Uhr (Zitieren)
Auf G‘tt bezogen kann man unter Parusieverzögerung auch Prokrastination verstehen.
Dazu ausführlich: https://de.wikipedia.org/wiki/Prokrastination?wprov=sfti1
Falls ER Englisch beherrscht, gilt: Procrastination is the thief of time.
P.S. Warum bei Parusie ausdrücklich angemahnt wird, nicht vom Dach herabzusteigen, bleibt mir rätselhaft. Dachdecker? Massenweise?
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 09:34 Uhr (Zitieren)
aus der Rubrik Nomen est Omen..
Parusie pausiert
lieber, als vor lauter Hektik vom Dach zu fallen.
Re: Parusieverzögerung
Agnostiker schrieb am 21.01.2026 um 11:32 Uhr (Zitieren)
Atheisten setzen sich meist gründlicher und kritischer
mit Glaubensinhalten auseinander als Nichtatheisten
v.a. in Form naiver, verdummter, eingeschüchteter Gläubiger
(Franz Buggle, Denn sie wissen nicht, was sie glauben).
Man muss dazu nur den Katholizismus in seinen
Ausprägungen ansehen. Da gibt es Formen, die
man heute nicht mehr für möglich halten würde.
Mit Weihrauch lässt sich gut einnebeln, mit Prachtgewändern gut blenden,
mit Verbalgeschwurbele gut einlullen.
Viele nennen kath. u.a. Verbalergüsse in Predigten gerne Verbaldiarhö.
Γραικύλος schrieb am 21.01.2026 um 11:53 Uhr (Zitieren)
Warum sollte ein Atheist (der ja aus bestimmten Gründen dazu geworden ist) sich nicht mit historischen Texten religiöser Art befassen?
Hier geht es um die historische Person Jesu, deren Existenz von großer Bedeutung für die Geschichte geworden ist, und wie es dazu gekommen ist.
Ich hielte es sogar für gefährlich, diese Geschichte den Theologen zu überlassen. Man sieht, was daraus geworden ist.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 12:05 Uhr (Zitieren)
Eine Tautologie, wissen ist eben nicht glauben.
die historische Person Jesu
"Jesus hat keine Schriften hinterlassen. Fast das gesamte historische Wissen über ihn stammt von seinen Anhängern, die ihre Erinnerungen an ihn nach seinem Tod weitererzählten, sammelten und aufschrieben."
Wenn der historische Jesus keinerlei Schriften hinterließ, kann man so eine Aussage über ihn nicht treffen.
Solches wurde nicht überliefert, das ist alles, was man sagen kann.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 21.01.2026 um 12:58 Uhr (Zitieren)
An βοχή:
Du hast bei Deinem Zitat vergessen, daß der Satz noch weitergeht:
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 13:13 Uhr (Zitieren)
... es ist doch etwas überliefert:
Menschen sollen ihresgleichen nicht als Sklaven behandeln.
In seiner Welt war die Sklaverei eine selbstverständliche Gegebenheit, er kannte keine andere Gesellschaftsform. Er konnte nicht wissen, ob eine Gesellschaft ohne Sklaven überhaupt funktioniert. Trotzdem hat er die Sklaverei mind. angekratzt, als menschlicher Status, der von Gott nicht akzepiert wird. Er wusste, dass eine Abschaffung der Sklaverei in seiner Epoche nicht umsetzbar war, daher riet er zum Gehorsam.
Die Idee der Gleichheit und Freiheit hatte er trotzdem, er legte diese Idee als Keim in eine andere Ebene, die himmlische. So wurde der Gedanke und seine Träger, am ehesten geschützt bis in zukünftige Tage ... und wir blicken zurück, der Keim ging auf die Sklaverei wurde abgeschafft.
[freie Interpretation]
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 21.01.2026 um 15:21 Uhr (Zitieren)
Ich wollte mich nur über Äußerungen und Standpunkt Jesu äußern, nicht über Paulus.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 15:38 Uhr (Zitieren)
Ja,, Äusserungen und Standpunkte Jesu sind nun mal nur indirekt überliefert. Wenn du Paulus nicht gelten lässt, warum lässt du andere gelten? Wieso meinst du Paulus gibt nicht Jesus Stanndpunkt wieder?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 21.01.2026 um 15:55 Uhr (Zitieren)
Daß Paulus Jesus sehr eigenwillig interpretiert hat, gilt - soweit ich sehe - als Konsens in der Exegese. Schon seit dem 19. Jhdt.
Paulus ist an dem historischen Jesus erkennbar desinteressiert und äußert sich nicht zu ihm; er steht am Beginn der christlichen Theologie.
Und selbst Paulus hat einen entlaufenen Sklaven zu seinem Herrn zurückgeschickt. Paulus ist kein Sozialreformator.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 16:31 Uhr (Zitieren)
Solches habe ich doch gar nicht behauptet.
Dass man Galater 3,25-28 ignorieren und dem historischen Jesus absprechen soll, ist aber auch eine eigenwillige Interpretation.
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 21.01.2026 um 16:37 Uhr (Zitieren)
Aber einer, der humanisieren wollte.
Was muss wann mit ihm passiert sein, dass er Christ wurde?
Dazu finde ich diese Efklärungsversuche:
Klingt für mich plausibel und kompatibel mit dem Galaterbrief:
Die Erscheinung ist wohl als Bewusstwerdungsorozess zu verstehen.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 16:54 Uhr (Zitieren)
Stimmt, sh. u.
Er möchte aber nicht, dass dieser ein Sklave bleibt. Er hat den entlaufenen Sklaven als Sohn adoptiert und bittet seinen früheren Besitzer, diesen als Bruder und nicht als Sklave bei sich wieder aufzunehmen.
Das ist doch keine Befürwortung der Sklaverei. Es möchte die Befreiung des ehemaligen Sklaven vom Zwang und die gleichzeitige Verpflichtung des ehemaligen Herren zur Fürsorge, beide sollen fortan Brüder, d.h. gleichwertig verbunden sein.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 21.01.2026 um 17:01 Uhr (Zitieren)
Nein, das hat Andreas behauptet bzw. nahegelegt, und auf ihn habe ich mich ja ursprünglich bezogen.
Das ist Konsens in der Exegese. Am historischen Jesus ist Paulus nicht interessiert; er liefert keinerlei Informationen dazu.
Dies ist ein schönes Beispiel dafür, denn dem historischen Jesus, einem Menschen, der durch und durch als Jude dachte, entspricht eher Mt 10, 5-7:
Die Idee des Paulus ist es, das Scheitern Jesu (Hinrichtung, Ausbleiben der Parusie) in einen Erfolg umzudeuten (Auferstehung, Jesus selbst als der Messias, Gottessohnschaft) und daraus eine neue, eine Weltreligion zu machen (Heidenmission).
Die Beschäftigung mit der Leben-Jesu-Forschung kann ich nur empfehlen.
Überhaupt ist es nicht schlecht, das Neue Testament mit den kritischen Augen eines Historikers zu lesen, so wie er gewohnt ist, Thukydides und Tacitus zu lesen.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 21.01.2026 um 17:09 Uhr (Zitieren)
Was Paulus dem Sklavenhalter empfiehlt, ist eine spirituelle Beziehung; den ganz simplen juristischen Akt der Freilassung empfiehlt er nicht, erwähnt er nichtmal - ebensowenig plädiert er für die Abschaffung der Sklaverei.
Schlicht gesagt: Behandle deinen Sklaven anständig.
Das gibt es auch bei Seneca.
Es erinnert mich an einen Spruch von Hape Kerkeling in seinem neuen Film "Extrawurst": "Der [Türke] wird hier ganz normal behandelt, als wäre er wie du und ich!"
Aber es sollte hier - Thema! - um den historischen Jesus gehen.
Nun gut, Gespräche entwickeln sich manchmal frei.
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 21.01.2026 um 17:32 Uhr (Zitieren)
Ich gehe bei Paulus von einem Psychodrama und
Psychotrauma aus:
Er erlebt gute, liebevolle Menschen, der er verfolgt hatte und
erkennt bei ihnen die befreiende Kraft der christl.Botschaft.
vgl.
"Zur Freiheit hat uns Christus (nicht Jesus) gefreit." Er muss einen
großen seelischen Konflikt in sich getragen und gespürt haben,
dass die reine Gesetzesfrömmigkeit nicht glücklich macht,sondern dem Glück
sogar schaden kann, den Menschen überfordert und letztlich unglücklich macht,
weil Zwänge bis hin zu Zwangsneurosen entstehen können.
vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Anneliese_Michel
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 21.01.2026 um 18:01 Uhr (Zitieren)
An Andreas:
Hat das etwas damit zu tun, wie Paulus mit der Botschaft des historischen Jesus "kreativ" umgegangen ist?
Hätte er nicht redlicherweise sagen müssen, daß er hier eine Umdeutung vornimmt? Letztlich: daraus eine neue Religion macht?
Das "Christus (nicht Jesus)" ist ja ein Zusatz von Dir.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 18:31 Uhr (Zitieren)
Woher sollte er wissen, dass daraus eine neue Religion werden wird?
Wieso Umdeutung? Wo ist das "umgedeutete" Original?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 21.01.2026 um 18:46 Uhr (Zitieren)
Das umgedeutete Original ist der historische Jesus, der das unmittelbar bevorstehende Kommen des Messias, des Reiches Gottes, verkündet hatte und damit gescheitert war: Hinrichtung, "Parusieverzögerung".
Die neue Religion ergibt sich klar durch den Verzicht auf die Beschneidung bei der Mission --> "Heidenmission", denn dadurch wurde die Einheit mit der jüdischen Religion zerbrochen. Ein (männlicher) Jude muß beschnitten werden.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 19:31 Uhr (Zitieren)
... so sieht es im Nachhinein aus, wenn man weiss wie es sich entwickelte. Es konnte auch bei einer
Sektenbildung bleiben, oder auf das Judentum übergreifen, oder versanden.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 21.01.2026 um 19:47 Uhr (Zitieren)
Daß daraus eine Weltreligion werden sollte, ergibt sich ja aus dem universellen Missionsauftrag.
Ob das ge- oder mißlingen würde, konnte Paulus nicht wissen. Aber er hat einen neuen Weg beschritten, weg vom Judentum. Das lag niemals in der Absicht Jesu: „Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet nicht eine Stadt der Samariter, geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel!"
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 20:33 Uhr (Zitieren)
Das ist matthäus, es entstand nach Markus, also könnte man da genauso gut von Umdeutung sprechen. Paulus war da schon tot.
Er konnte nicht etwas umdeuten, was es noch gar nicht gab.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 21.01.2026 um 20:48 Uhr (Zitieren)
Das was vom historischen Jesus rekonstruierbar ist, ist nur ein Bruchteil des geistigen Jesus. Dieser ist grösser, u. auch widersprüchlich. Wahrscheinlich war sogar schon der historische Jesus widersprüchlich.
Re: Parusieverzögerung
Aurora schrieb am 22.01.2026 um 08:29 Uhr (Zitieren)
Was meinst du damit?
Beispiele?
Wie kann man das von einer Person sagen,
von der fast nichts bekannt ist?
Wer hat sich wann, wo und wie ihrer bemächtigt und mit welchen Absichten?
Wie sind die nachösterlichen Ereignisse und v.a.
das Pfingstereignis zu interpretieren?
Es wird wohl kaum so wie in der Apostelgeschichte
dargestellt stattgefunden haben.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 22.01.2026 um 09:37 Uhr (Zitieren)
... damit meine ich, Jesus hat sich als transzendentes Wesen ab und zu bemerkbar gemacht, z.b. bei Paulus.
Die Widersprüchlichkeit des "historischen" Jesus findet man in den Quellen
Für deine weiteren Fragen wende dich besser an einen Experten, es gibt viele Interpretationsmöglichkeiten.
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 22.01.2026 um 14:02 Uhr (Zitieren)
(aus deinem Link)
Warum sollte ein extrem biophiler Mensch Asket sein,
wenn er auch "ganz Mensch" war, für den galt: Nihil humani a me alienum est ?
"Wenn schon, denn schon", könnte Gott vor seiner
Ensarkosis gedacht haben.
Erst für Spätere wurde das zum Problem und führte u.a. zur Leibfeindlichkeit.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 22.01.2026 um 14:29 Uhr (Zitieren)
Es wird ja gesagt kein Asket. Ich denke das wird betont, weil Asketen heutzutage schief beäugt werden.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 22.01.2026 um 18:37 Uhr (Zitieren)
Hat Jesus sich selbst als "transzendentes Wesen" verstanden? Welche soliden Anhaltspunkte gäbe es dafür? In sein Judentum paßt das ja nicht.
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 22.01.2026 um 19:21 Uhr (Zitieren)
Er passt in die Reihe der Propheten des AT,
die als Systemkritiker und Sozialreformer auftraten
und die Herrschenden und Priestetkaste ins Gebet nahmen.
Er war überzeugt im Willen Gottes zu handeln,
der Liebe und soziale Gerechtigkeit statt Brandopfer fordert.
Priester war er nicht. Er war ihr schärfster Kritiker.
Es gibt den Satz: Der Priester ist der Feind des Propheten.
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 22.01.2026 um 19:21 Uhr (Zitieren)
Er passt in die Reihe der Propheten des AT,
die als Systemkritiker und Sozialreformer auftraten
und die Herrschenden und Priestetkaste ins Gebet nahmen.
Er war überzeugt im Willen Gottes zu handeln,
der Liebe und soziale Gerechtigkeit statt Brandopfer fordert.
Priester war er nicht. Er war ihr scharfer Kritiker.
Es gibt den Satz: Der Priester ist der Feind des Propheten.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 22.01.2026 um 20:11 Uhr (Zitieren)
Ja, sh.
Mt 18,20
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 22.01.2026 um 21:24 Uhr (Zitieren)
Wenn Ihr nach meinem Tode dieses Forum weiterbetreibt, dann bin ich im Geiste mitten unter Euch.
So, jetzt bin ich ein transzendentes Wesen.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 22.01.2026 um 21:43 Uhr (Zitieren)
Hahaha, du lebst ja noch. Du hattest noch gar keine Gelegenheit, als transzendentes Wesen aufzutauchen. Zwar hast du jetzt diesen Plan gestartet, damit können dann zukünftige für den Fall, dass dir das Auftauchen als transzendentes Wesen nach dem Verlassen der Erde gelingt, sagen, dass du dich selbst als transzendentes Wesen verstanden hast.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 22.01.2026 um 23:32 Uhr (Zitieren)
Als Jesus das (möglicherweise) gesagt hat, hat auch er noch gelebt.
Bei den Treffen, die nach seinem Tod (unter meiner bescheidenen Beteiligung als Meßdiender) in seinem Namen abgehalten wurden, hatte ich nicht das Gefühl, daß er anwesend war, sondern daß der Pastor am Abend vorher dermaßen viel gesoffen hatte, daß ein Kaplan für ihn in der Frühmesse einspringen mußte.
Aber vielleicht firmiert auch das unter christlicher Nächstenliebe.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 23.01.2026 um 00:48 Uhr (Zitieren)
In der historisch-kritischen Exegese wird die Stelle eindeutig
als nachösterliche Bildung (oder nachösterliche Gemeindebildung) eingestuft.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 23.01.2026 um 06:21 Uhr (Zitieren)
@Graeculus
Du hast unangenehme Erfahrungen angedeutet. Hättest du damals ähnlich unangenehmes in einrm Fussballverein erlebt, wuerdest du heute den hinstorischen Anfängen dieser unnützen Sportart jnachspüren, wie es soweit kommen komnte, dass Leute in massen völlig aus dem Häusschen sind, wenn andere einer Lederkugel nachrennen?
Re: Parusieverzögerung
Aurora schrieb am 23.01.2026 um 07:03 Uhr (Zitieren)
Zu Mt 18,12 sagt die KI Gemini:
Das klingt doch gut und überzeugend, oder?
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 23.01.2026 um 07:27 Uhr (Zitieren)
Welche faktischen Beweise gibt es dafür?
Der Großteil der Quellen (Bibel) der Jesusforschung ist nachösterlich. Darin jetzt aufzudröseln, was der hstorische Jesus sagte und was nicht, naja das kann man versuchen. Aber als letztgültige Wahrheit verkaufen?
Re: Parusieverzögerung
Aurora schrieb am 23.01.2026 um 09:02 Uhr (Zitieren)
Lit.:
Gerd Theißen, Annette Merz
Der historische Jesus, Ein Lehrbuch
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 23.01.2026 um 11:05 Uhr (Zitieren)
Hier fehlt noch eine Angabe über die Adressaten: An wen wendet der historische Jesus sich?
M.E.: ausschließlich an Juden.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 23.01.2026 um 11:29 Uhr (Zitieren)
... "M.E." das ist nur eine Meinung, es kann so sein, muss es aber nicht.
[Markus 16, 15-16] ist zeitlich vor [Matthäus 10, 5-7] daher zeitlich näher dran am historischen Jesus. Warum nicht inhaltlich?
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 23.01.2026 um 11:49 Uhr (Zitieren)
KI(GEMINI):
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 23.01.2026 um 12:22 Uhr (Zitieren)
So einfach steht die Sache leider nicht, weil die Evangelisten verschiedenes Material verwendet und zusammengestellt haben.
Als extrem unhistorisch gilt das Johannes-Evangelium.
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 23.01.2026 um 13:47 Uhr (Zitieren)
βροχή schrieb am 24.01.2026 um 07:29 Uhr (Zitieren)
Aus dem gelobten Land wurden sie vertrieben,
der Messias kam nicht zurück,
der physische Körper lässt sich nicht unsterblich machen (Dao),
... und nun zu euch, liebe Atheisten,
da war doch was unmittelbar bevorstehendes, wofür ihr abermillionen eurer Glaubensgenossen um euch geschart und andersgläubige brutal verfolgt habt, schon vergessen?
Ihr schuldet und das Paradies auf Erden!
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 24.01.2026 um 07:39 Uhr (Zitieren)
und uns
Re: Parusieverzögerung
Aurora schrieb am 24.01.2026 um 08:05 Uhr (Zitieren)
Und was ist mit den Opfern christlicher Grausamkeit?
Gemini:
Stalin war Zögling in einem Priesterseminar.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 24.01.2026 um 08:31 Uhr (Zitieren)
Die "kritische Infragestellung" ihrer Kompetenz in Glaubensfragen dürfen sich Atheisten auch mal gefallen lassen, nur mal kurz zur Abwechslung. Ist ja nicht so, dass die den Völkern kein parusisches Opium verabreicht hätten. Immer nur auf Jesus drauf zu hauen, wird auf Dauer langweilig.
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 24.01.2026 um 10:52 Uhr (Zitieren)
Das tut doch niemand.
Wir wollen nur so nah wie möglich an ihn ran,
den Bischof Stefan Oster (Passau) als den "liebevollsten Menschen
bezeichnete, der je über die Erde wandelte".
Oster ist einer der Hardliner, die den liberalen Bätzing in Rom
angeschwärzt haben sollen,sodass er nicht wieder antritt.
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben."
Wie entstand wohl diese Aussage und auf welche Grunderfahrung
im Umgang mit ihm geht sie zurück?
Hier kann Drewermann weiterhelfen. ("Jesus von Nazareth")
Religion ohne Psychologie ist heute m.E. nicht mehr möglich und kann nur unbefriedigend bleiben.
Auch Bultmann geht in die existenzielle Richtung.
βροχή schrieb am 24.01.2026 um 10:57 Uhr (Zitieren)
hahaha, als ob der Atheist wäre, ist er gar nicht.
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 24.01.2026 um 11:24 Uhr (Zitieren)
Theologische Haarspalterei wird unter anderem dem bekannten Theologen (Franziskaner) Duns Scotus (ca 1265 bis 1308) zuerkannt. In der Bedeutung „studentischer Dummkopf“, dann generell „Schwachkopf“, ist der Mann aus Südschottland im Englischen als „dunce“ noch heute zugegen. Duns Scotus verstarb übrigens in Köln.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 24.01.2026 um 11:41 Uhr (Zitieren)
danke Patroklos für das Stichwort,
theologische Haarspalterei.
von Theologen betrieben ist sie schon seltsam genug, von Atheisten betrieben...
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 24.01.2026 um 12:18 Uhr (Zitieren)
Habe ich das behauptet?
Ich wollte nur sagen, das man mit Drewermann gut beraten ist,
die Bibel tiefenpsychologisch zu erklären.
Michael Köhlmeier geht ähnlich an Märchen heran.
Es geht darum, an menschliche Grunderfahrungen
heranzukommen und dabei auch Abgründe der menschlichen Seele auszuloten.
Es ist erstaunlich, was da ans Tageslicht gefördert werden kann.
meine Meinung schrieb am 24.01.2026 um 12:21 Uhr (Zitieren)
Habe ich das behauptet?
Ich wollte nur sagen, das man mit Drewermann gut beraten ist,
die Bibel tiefenpsychologisch zu erklären.
Michael Köhlmeier geht ähnlich an Märchen heran.
Es geht darum, an menschliche Grunderfahrungen
heranzukommen und dabei auch Abgründe der menschlichen Seele auszuloten.
Es ist erstaunlich, was da ans Tageslicht gefördert werden kann.
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 12:46 Uhr (Zitieren)
Daß hier häufiger von Jesus die Rede ist als von Karl Marx oder Josef Stalin, erkläre ich mir dadurch, daß wir es mit einem Antikenforum zu tun haben.
Keineswegs entspricht diese Häufigkeitsverteilung meinen Privatinteressen. Aber ich stelle hier kein Thema vor, das nicht zumindest in einem weiteren Sinne mit dem Altertum zu tun hat.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 13:07 Uhr (Zitieren)
Ich möchte einmal den Stand zusammenfassen:
Das Projekt, das Jesus im Sinn hatte, bewegte sich im Rahmen der jüdischen Religion und hatte im Zentrum die Naherwartung des Kommens des Messias (samt Gericht) sowie die seelisch-moralische Vorbereitung auf dieses Ereignis.
Dieses Projekt war mit dem Ausbleiben des Messias und der Hinrichtung Jesu gescheitert: "Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Aus dieser Situation haben einige seiner Anhänger unter maßgeblicher Beteiligung des Paulus etwas gemacht, was nicht der Intention Jesu entsprach: die christliche Religion - abseits des Judentums, mit Jesus als Auferstandenem und als Gott.
So wurde aus dem Scheitern, das ja auch das seiner Anhänger war, ein Triumph.
Die Botschaft Jesu jenseits solcher Umdichtungen und abgesehen von der Parusieerwartung auf interessante Elemente hin zu untersuchen (wie Zuwendung zu den Armen, Nächsten- und Feindesliebe usw.), ist naheliegend. Vielleicht war er ein in Teilen vorbildlicher Mensch. Zumal zum Menschsein auch die Möglichkeit des Scheiterns gehört.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 13:26 Uhr (Zitieren)
Da die große Mehrzahl der Juden diesen Schritt, Jesus selbst zum Messias zu erklären, nicht mitmachen wollte und obendrein die neue Bewegung sich für Nichtjuden geöffnet hat, ist das vielleicht skurrilste Phänomen dieser ganzen Geschichte entstanden: eine schon in den Evangelien deutlich zu erkennende Judenfeindschaft dieser Anhänger des Juden Jesus.
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 24.01.2026 um 13:51 Uhr (Zitieren)
Jesus ist ja auch gescheitert -zunächst.
Doch dann kam die sicher schwer verständliche
Auferstehung bzw. Auferweckung (durch Gott) ins Spiel.
Was muss da passiert sein?
Ich denke, es war wie bei Paulus auch ein Bewusstwerdungsprozess über sein Wirken und
seine Wirkung auf Menschen.
Er muss irgendwie "ins Schwarze getroffen haben"
mit seinem Gottesbild, das sich deutlich und v.a. spürbar von dem seiner Zeit abhob.
Sein Gott entsprach wohl der Sehnsucht vieler.
Sein Gott war "menschlich", liebevoll und nachsichtig.
Das kann natürlich wishful thinking sein und stringent beweisen kann man das nicht.
Dennoch gibt es Erfahrungen im menschlichen
Miteinander, die erahnen lassen, was Liebe bewirken kann und bewirkt.
Solche Erfahrungen hat es zu allen Zeiten gegeben und kann man täglich machen.
Nur so kann auch Jesus zu seinem Gottesbild gelangt sind.
Wenn Dorothee Sölle recht hat ("Wir werden geboren um liebesfähig zu werden"), dann könnte man die Sendung Jesu genau darín bestehen, nämlich zu zeigen, wie "Liebe geht", so wie sie sein
Gott will.
Auch der nicht zu Unrecht kritisierte Paulus hebt auf sie ab (1 Kor 13 :
„Bleibt niemandem etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer.“)
„Die Liebe ist der ungeheuerste Widerspruch, den der Verstand nicht lösen kann, da es nichts Unversöhnteres gibt als diese Punktualität des Selbstbewußtseins, das negiert wird und das ich doch als affirmativ haben soll.“ (Hegel)
Für Hegel ist die Liebe die höchste Form der subjektiven Synthese.
"Jesus fühlte rein und dachte Nur den Einen Gott im Stillen; Wer ihn selbst zum Gotte machte kränkte seinen heil'gen Willen." (Goethe)
Die Frage ist: Von welcher Gottesvorstellung geht Goethe aus?
Vlt. ist sie lückenhaft an einer entscheidenden Stelle: Wie menschlich darf man Gott denken?
Wie weit geht er in seiner Menschlichkeit?
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 24.01.2026 um 14:29 Uhr (Zitieren)
Γραικύλος,
Völlige Zustimmung, solange sich die foristischen Expektorationen auf Jesus begrenzen bzw dessen Leben als antiker Mensch.
Bei der Parusieverzögerung sollte Vorsicht walten, damit nicht der Spannungsbogen etwa bis zum 25. Januar anni currentis reicht.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 15:12 Uhr (Zitieren)
Daß Jesus etwas verkündet hatte, das in seinen Anhängern den Wunsch weckte, es möge nicht zugleich mit ihm gescheitert sein, nehme ich wohl an.
Und es könnte in der Tat die Betonung von Barmherzigkeit gewesen sein.
Dabei fällt mir auf - etwa beim Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht -, daß hier etwa folgende Botschaft verkündet wird: Sei barmherzig! Denn wenn du es nicht bist, wird auch Gott mit dir nicht barmherzig sein.
Ich kann mir gut vorstellen, daß dies populär geworden ist und man auch nach dem Tode Jesu davon nicht ablassen wollte.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 15:13 Uhr (Zitieren)
An Patroklos:
Ja, ich bemühe mich, das Thema in diesem - antiken - Rahmen zu halten.
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 24.01.2026 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Weltuntergangstermine:
992 – 1000: Erwartung der Wiederkunft Christi zum ersten Jahrtausend nach seiner Geburt (Mittelalter).
Februar 1524: Vorhersage einer globalen Sintflut aufgrund einer Planetenkonstellation (Johannes Stöffler).
1666: Deutung der Jahreszahl (666) in Verbindung mit der Pest und dem Großen Brand von London.
22. Okt. 1844: Die „Große Enttäuschung“ der Milleriten; Jesus erschien nicht wie berechnet.
1910: Öffentliche Panik wegen des Halleyschen Kometen (Angst vor Cyanidgas).
1914: Ursprünglich von den Zeugen Jehovas als Zeitpunkt für Harmagedon berechnet.
1925: Vorhersage der Zeugen Jehovas über die Auferstehung biblischer Patriarchen.
1975: Erwartung des Endes durch die Zeugen Jehovas nach 6.000 Jahren Menschheitsgeschichte.
März 1997: Glaube der Heaven’s Gate Gruppe an ein UFO im Schweif des Kometen Hale-Bopp.
1. Jan. 2000: Ängste vor dem Computer-Kollaps (Y2K) und religiöse Endzeitvorstellungen.
21. Mai 2011: Der von Harold Camping angekündigte „Tag des Jüngsten Gerichts“.
21. Dez. 2012: Missinterpretation des Maya-Kalenders als Weltuntergang.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 24.01.2026 um 16:08 Uhr (Zitieren)
quote] solange sich die foristischen Expektorationen auf Jesus begrenzen bzw dessen Leben als antiker Mensch. [/quote]
"Jesus Leben als antiker Mensch" als Auslegung von Bibelstellen.
... und Christen wird bescheinigt, dass sie unreflektierte Deppen, "die an Märchen glauben".
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 24.01.2026 um 16:18 Uhr (Zitieren)
PS:
Zukünftige Termine:
13. April 2029: Der Asteroid Apophis fliegt extrem nah an der Erde vorbei. Wissenschaftler schließen einen Einschlag aus, doch in Endzeit-Szenarien wird er oft als „Wermut“ oder Zerstörer gedeutet.
2029 – 2045: Die technologische „Singularität“. Erwarteter Zeitpunkt, an dem Künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz übertrifft, was von Kritikern als Ende der menschlichen Vorherrschaft gesehen wird.
2030: Ein häufig genanntes Datum im Zusammenhang mit dem „Great Reset“ oder drastischen Klimakipppunkten, die das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen, einläuten könnten.
2033: 2000. Jahrestag der Kreuzigung Jesu. In einigen christlichen Strömungen gibt es Spekulationen über die Wiederkunft Christi zu diesem runden Jubiläum
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 24.01.2026 um 16:26 Uhr (Zitieren)
PPS:
Umwelt-und Klimaszenarien:
Kipppunkte im Erdsystem: Erfahre mehr über die "Dominosteine" unseres Planeten, wie das Schmelzen des Permafrosts oder das Sterben der Regenwälder. Wenn diese Punkte überschritten werden, verändern sie das Klima unwiderruflich und eigendynamisch.
Technologische Lösungen (Climate Tech): Untersuche, wie Innovationen wie Carbon Capture (CO2-Speicherung) grüne Wasserstoffwirtschaft oder die großflächige Renaturierung uns helfen könnten, die schlimmsten Szenarien abzuwenden.
Anpassung und Resilienz: Wie verändern sich unsere Städte und die Landwirtschaft, um mit extremeren Wetterereignissen und veränderten Lebensräumen umzugehen? Hier geht es um das Überleben und Gedeihen in einer veränderten Welt.
Die Plastikkrise & Mikroplastik: Wie Plastikmüll in die Ozeane gelangt, dort zu winzigen Partikeln zerfällt und schließlich über die Nahrungskette wieder bei uns Menschen landet.
Chemische Belastung & Pestizide: Der Einfluss von industriellen Abfällen und Landwirtschaft auf unser Grundwasser und das Insektensterben, was wiederum unsere gesamte Lebensmittelversorgung bedroht.
Luftverschmutzung & Feinstaub: Wie Abgase aus Industrie und Verkehr nicht nur das Klima erwärmen, sondern direkt unsere Gesundheit angreifen und ganze Ökosysteme (z.B. durch sauren Regen) schädigen.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 17:03 Uhr (Zitieren)
βροχή, Du kannst Dich ja einmal selber befragen, welche Kenntisse von den Ergebnissen der Leben-Jesu-Forschung Du vor dieser Diskussion hier gehabt und wieviel davon Du in den kirchlichen Predigten zu hören bekommen hast.
Ich bin da skeptisch.
(Am Rande: Gläubige Christen sind keine Deppen, das habe ich nie behauptet, aber sie sind behaftet mit der verbreiteten menschlichen Schwäche, das für wahr zu halten, was man sich wünscht. In diesem Falle: einen liebevollen, fürsorglichen Gott, der sich um alle Menschen, zumindest alle, die an ihn glauben, kümmert und ihnen möglichst die Angst vor dem Tod durch Verheißung eines ewigen Lebens nimmt.)
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 24.01.2026 um 17:13 Uhr (Zitieren)
Kleiner Trost:
Die Materie löst sich frühestens in 1032
Jahren auf (Protonenzerfall) und das letzte Schwarze Loch
verdampft in 10100Jahren,
das ist ca.1090-mal die Zeit, die seit
dem Urknall vergangen ist.
Danach wird nur noch langwellig gestrahlt
- zu energieschwach für wohlige Temperaturen in den Weiten
der Reste der einst baryonischen Materie.
Vorher werden alle Atome der Erde noch einen letzten
Vorgeschmack auf ihren Endzustand
erleben im Endstadium der Sonne als
Weißer Zwerg ,der dann noch final zum Schwarzen Zwerg wird.
(Der Schwarze Zwerg : Nach Billionen von Jahren ist die Sonne
so weit abgekühlt, dass sie gar kein sichtbares Licht oder Wärme mehr abgibt.
Sie wird zu einer kalten, dunklen Kugel aus extrem dichtem Kohlenstoff
und Sauerstoff – ein Schwarzer Zwerg)
Jesus kann sich also noch sehr viel Zeit lassen.
Wo wohl seine Atome aus seiner Zeit als Mensch gerade
herumschwirren oder die von Papst Benedikt, dessen Jesusbuch
von der Fachkritik heftig angegriffen wurde?
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 24.01.2026 um 17:26 Uhr (Zitieren)
Tut er auch, aber nur gemäß dieser Aussage:
"Gott hat NUR unsere Hände." (Theresia von Avila)
Und man kann hinzufügen:
Und Gott hat uns Verstand und Vernunft gegeben
und die Fähigkeit zu Empathie, Mitgefühl,
Menschenliebe und Liebe zur Schöpfung/Natur u.a.
Wer liebt tötet und zerstört nicht.
Im Buddhismus gibt es das Ahimsa-Prinzip. https://de.wikipedia.org/wiki/Ahimsa
Vgl. Albert Schweitzer:
„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“.
Mit der Devise "Leben und leben lassen" kommt man sehr weit
im Leben - unter halbwegs seelisch gesunden Menschen zumindest.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 17:43 Uhr (Zitieren)
(Shakespeare, Heinrich IV. 2, IV, 5)
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 17:52 Uhr (Zitieren)
Es gibt zwei Arten von Hoffnung und Glauben: Einerseits kann ich hoffen und glauben, daß der nächste Film von Scarlett Johansson gut wird, andererseits kann ich hoffen und glauben, daß Scarlett Johansson meine Liebe erwidert. Erstere Hoffnung ist ja in Ordnung und schadet nicht, aber die zweite spricht doch eher für eine psychisch bedenkliche Selbstüberschätzung. Und nun ist die Hoffnung, daß der Schöpfer eines Universums von 100 Milliarden Galaxien mit je 200 Milliarden Sternen meine Liebe erwidert, die eines kleinen Menschen auf dem kleinen Planeten eines einzelnen, ganz durchschnittlichen Sternes, doch deutlich von der zweiten Art.
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 24.01.2026 um 18:14 Uhr (Zitieren)
Aktuell (Stand 2026) geht die Wissenschaft davon aus,
dass es im beobachtbaren Universum etwa 2 Billionen Galaxien gibt.
(Das Produkt von einst 1032Grad beim Urknall, von denen sich ein Minibruchteil
in Materie verwandelte.
PS:
Was fasziniet dich an der Johannson?
Gäbe es auch noch andere?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 19:35 Uhr (Zitieren)
Scarlett Johansson war nur ein Beispiel für jemanden, der närrisch genug ist zu glauben, er werde von einem Star geliebt. Aber erst vom Schöpfer dieses riesigen Universums!
Die in Frage stehenden Religionen sind ja entstanden zur Zeit eines geozentrischen Weltbildes, als die Annahme, der Schöpfer habe irgendein spezielles Interesse an uns Menschen, noch nicht ganz so unplausibel gewesen sein mag.
Man lese einmal die Schöpfungsgeschichte der Bibel mit dem Menschen als krönendem Abschluß im Lichte der modernen Kosmologie! Das ist doch menschliche Selbstüberschätzung pur.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 19:38 Uhr (Zitieren)
So wenig all das für sich haben mag - das eigene Ego flüstert dem Menschen allzu verführerisch ins Ohr: Du bist wichtig! Gott liebt dich!
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 24.01.2026 um 20:01 Uhr (Zitieren)
Solcherart Einstufung christl. Glaubens als Schwaeche stufe ich als Anmaßung ein.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 21:27 Uhr (Zitieren)
Es entspricht meiner ausführlich begründeten Meinung.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 21:33 Uhr (Zitieren)
Wenn Du nicht vorhast, auf meine Argumente einzugehen, können wir das Gespräch hier beenden.
Ich lege aber Wert darauf, Argumente vorgetragen zu haben.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 25.01.2026 um 07:02 Uhr (Zitieren)
"sie sind mit einer weitverbreiteten menschlichen Schwäche behaftet"
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Ein Pauschalurteil, für das es nur eine Erklärung gibt. Der Urteilende beansprucht im Besitz höherer Gewissheit zu sein.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 25.01.2026 um 07:02 Uhr (Zitieren)
"sie sind mit einer weitverbreiteten menschlichen Schwäche behaftet"
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Ein Pauschalurteil, für das es nur eine Erklärung gibt. Der Urteilende beansprucht im Besitz höherer Gewissheit zu sein.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 25.01.2026 um 07:14 Uhr (Zitieren)
Stichwort "wissenschaftliche Weltanschauung",
immunisiert mit Argumenten, ganze Bibliotheken voller Argumente. Trotzdem hat es nicht funktioniert.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 25.01.2026 um 07:33 Uhr (Zitieren)
Argument, warum es sich beim "historischen Jesus" allenfalls um einen momentanen Wissstand handelt: es besteht jederzeit die Möglichkeit, dass ein Artefakt gefunden wird, welches Lücken der Überlieferung anders schließt als momentan angenommen wird.
Kein vernünftiger Mensch wird diese Möglichkeit ausschließen.
Re: Parusieverzögerung
Aurora schrieb am 25.01.2026 um 07:45 Uhr (Zitieren)
Das halte ich für Wunschdenken.
Möglich ist alles, auch eine Neuerfindung eines
ganz anderen Rades.
Wenn man Jesus verstehen will, muss man fragen,
was ihn für die Leute von damals so attraktiv gemacht hat.
Und das ist für mich ein klarer Fall für die Religionspsychologie.
Auf Drewermann wurde schon verwiesen.
βροχή schrieb am 25.01.2026 um 07:51 Uhr (Zitieren)
Das ist kein Argument, sondern eine untergeschobene Motivation.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 25.01.2026 um 07:53 Uhr (Zitieren)
Küchenpsychologie.
Re: Parusieverzögerung
Aurora schrieb am 25.01.2026 um 08:17 Uhr (Zitieren)
Wem gilt das?
Was meinst du damit genau?
Deine theologische Vorbildung?
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 25.01.2026 um 09:15 Uhr (Zitieren)
Das bezieht sich auf das Zitat im vorhergehenen Beitrag.
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 25.01.2026 um 09:42 Uhr (Zitieren)
Du müsstest erklären, wie sich Gott konkret kümmert,
am besten mit Beispiel oder eigenes Erlebnis.
Der Kosmos hat einen Durchmesser von 93 Mrd.
Lichtjahren.
Wie hat Gott die Temperatur beim Urknall
gemanaget?
Wie hat er nach dem Urknall eingegriffen?
Hat er THEIA gesteuert?
Wie stellst du dir das ewige Leben, die Gottesschau, vor?
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 25.01.2026 um 10:30 Uhr (Zitieren)
Das Zitat stammt nicht von mir.
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 25.01.2026 um 10:38 Uhr (Zitieren)
Doch du hast dich darüber beschwert ohne Gegenargumente anzuführen.
Daher habe ich bei dir nachgefragt.
Willst du darauf nicht antworten oder hast du
keine plausiblen Argumente bzw. Beispiele?
Deine Apologetik steht bisher auf wackeligen Beinen.
Mit Schiller frage ich dich: Welcher Religion folgst du?
Oder einfach: An welchen Gott glaubst du?
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 25.01.2026 um 11:01 Uhr (Zitieren)
Manch eine(r) mag Zuflucht, Erleichterung, wenn nicht gar Erlösung finden im Begriff und in der Erkenntnis von
PROJEKTION.
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 25.01.2026 um 11:36 Uhr (Zitieren)
Ja, es geht um das gute Gefühl oder ein besseres.
Beim Messbesuch wird es wieder aufgefrischt.
Halbwertswirkungszeit personenabhängig.
Worin besteht die Erlösung konkret?
Was meint "mein Joch ist leicht"?
GEMINI sagt dazu:
.
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 25.01.2026 um 11:42 Uhr (Zitieren)
Ich bezog „Erlösung“ auf Erlösung von Religion.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 25.01.2026 um 12:07 Uhr (Zitieren)
sonst was?
Wer den Fehler macht, sich als Christ zu outen, wird nicht als jmd. mit anderer Weltanschauung wahrgenommen, sondern als jmd. mit Schwäche behafteter, der sich im dunkeln fürchtet.
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 25.01.2026 um 12:21 Uhr (Zitieren)
Dazu sagte Nietzsche:
„Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 25.01.2026 um 12:27 Uhr (Zitieren)
PS:
Was heißt für dich Christsein abseits der dort
anzutreffenden Leerformeln?
Was ist für dich z.B. der Heilige Geist?
Gewöhnlich scheuen sich Christen nicht ihren Glauben
öffentlich zu bekennen und dazu zu stehen.
1. Petrus 3,15:
„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen,
der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“
Worin besteht deine Hoffnung?
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 25.01.2026 um 12:51 Uhr (Zitieren)
Eine freigeisterische Sicht auf den Heiligen Geist führt womöglich den Goldregen des Zeus vor Augen, in ähnlicher Absicht.
Hugo Rahner, Griechische Mythen in christlicher Deutung, mag diese Verweisung naturgemäß nicht erwähnen.
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 25.01.2026 um 13:12 Uhr (Zitieren)
Das ist der Bruder von Karl Rahner.
GEMINI:
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 25.01.2026 um 13:16 Uhr (Zitieren)
Es steht doch außer Frage, daß Menschen an Gott bzw. Götter glauben, weil sie schwach sind: krankheitsbehaftet, zum Sterben verurteilt usw.
Einige Menschen allerdings haben alle diese Schwächen, gestatten sich jedoch nicht das Wunschdenken, es gebe irgendeinen kosmischen big daddy, der ihnen beisteht. Der allmächtige Schöpfer und Herr des Universums liebt jeden von uns? Das ist buchstäblich zu schön, um wahr zu sein.
Für die anderen, die Gläubigen, muß dieser Einwand tief beunruhigend und verstörend sein. Halten sie doch ihren Gott für den festen Boden und die feste Burg ihrer Existenz.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 25.01.2026 um 13:18 Uhr (Zitieren)
Und dabei geht keine rote Warnleuchte an?
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 25.01.2026 um 13:33 Uhr (Zitieren)
Gewöhnlich reicht es aus, sich von Menschen geliebt zu wissen.
Auch hier hat er, falls existent, nur unsere Hände.
Wie sollte Gott sonst trösten, streicheln etc. ?
Wahr kann alles sein, es fragt sich nur wo, wann und wie?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 25.01.2026 um 15:39 Uhr (Zitieren)
Wahr kann vieles sein. Es fragt sich allerdings, auf was man bei Abwägung von Wahrscheinlichkeit und Unwahrscheinlichkeit setzt.
Und da sind manche Dinge dann doch zu schön, um ernsthaft als wahr in Betracht zu kommen. Beispielsweise der Anruf eines Unbekannten, ich hätte 10000 Euro in einem Glücksspiel gewonnen, an dem ich gar nicht aktiv teilgenommen habe.
Oder der Aufkleber auf einem Auto: "Jesus liebt dich!"
Im Grunde ist es die gleiche Verlockung mit einem Glücksversprechen. Ein ganz alter Trick.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 25.01.2026 um 15:43 Uhr (Zitieren)
M.E. kann man es damit mal gut sein lassen. Wir kennen die unterschiedlichen Standpunkte. Und als Ergebnis der lebhaften Diskussion mag man mitnehmen, daß es sich lohnt, sich mal mit der Leben-Jesu-Forschung zu befassen.
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 25.01.2026 um 17:13 Uhr (Zitieren)
Und der Religionspsychologie und Tiefenpsychologie a la Drewermann und Sigmund Freud.
Auch Jesus hatte ein Seelenleben und erlebte ein
Bewusstseinsentwicklung,wofür er 30 Jahre Zeit hatte.
Auch er hat letztlich aus Erfahrungen gelernt. Von nichts kommt nichts,
auch kein Sendungs- und Gottesbewusstsein.
Oft hilft die mens sana weiter als in Dogmen gepresste Glaubensinhalte, die nie ohne Leerformeln auskommen zu können scheinen.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 25.01.2026 um 18:32 Uhr (Zitieren)
Zum Ergebnis dieser Diskussion rechne ich noch, daß Jesus das nahe Reich Gottes verkündet hat, was jedoch nicht eingetreten ist.
Re: Parusieverzögerung
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 26.01.2026 um 02:54 Uhr (Zitieren)
Ach über diese Pfennigfuchser (die mit Ihm rechten zu können glauben) ...
Bekanntermaßen enthält das Gebet des Herrn die Bitte : "Dein Reich komme" - von einem Termin, wann es denn soweit sei, ist soviel ich sehe nirgends die Rede. Denn das Wort, das Himmelreich sei nahe (herangekommen), erfüllt sich in dem Moment, wo Jesu Wort ins Leben gesetzt wird, wo Friedfertigkeit, Barmherzigkeit, Streben nach Gerechtigkeit geübt und wirksam werden. Wer den "großen Knall", den Theaterdonner: auftritt das Reich Gottes, erwartet, wird enttäuscht, denn der HErr kommt im leisen, sanften Säuseln.
Re: Parusieverzögerung
Aurora schrieb am 26.01.2026 um 06:25 Uhr (Zitieren)
Genauso sehe ich es auch.
Jesus hat Maßstäbe gesetzt, an denen man sich orientieren kann und soll.
In ihm hat sich Gott zum Raum der Möglichkeit von
der Liebe gemacht, die im Sinne des Gottes Jesu Christi ist,
wie es dir hier schon öfter zitierte Karl Rahner es ausdrückt:
Etwas abstrakt formuliert, doch damit kann ich etwas anfangen.
Man soll offen und ohne Vorurteile auf andere zugehen, mit ihnen liebevoll
umgehen und ihnen helfen, wo man kann.
Mehr ist auf dieser Welt ohnehin nicht drin und viel genug und es sollte von Herzen kommen.
Dann kann es sogar Freude und Spaß machen.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 06:29 Uhr (Zitieren)
Für wen steht das denn ausser Frage?
Fuer keingott-glaeubige, die ihren Glauben an das bequeme nichts benutzen, um gefühlte geistige Überlegenheit zu demonstrieren.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 07:29 Uhr (Zitieren)
Das Wort wahr hat im Sinne der Logik eine bisschen andere Bedeutung als im Sinne des Glaubens. Es ist mehrdeutig. Diese Eigenschaft teilt es mit anderen Worten, zb. Energie. Im Sinne der Physik ist Energie etwas anderes als im Sinne der Psychologie.
Sämtliche Glaubensgewissheiten, auch atheistische, sind subjektiv.
Dessen bewusst, macht es keinen Sinn, eigene Gewissheiten als allgültig zu überschätzen.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 07:46 Uhr (Zitieren)
Der heutige historische Jesus ist interessant als Momentaufnahme des Forschungsstands.
Er ist weder mit dem damals lebenden noch mit dem mythischen Jesus identisch.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 08:28 Uhr (Zitieren)
Es macht auch keinen Sinn, den heutigen historischen Jesus gegen den mythischen Jesus ins Feld zu führen.
Der mythische Jesus ist Ausdruchsform einer größeren Enthität, von manchen Gott genannt, deren Existenz oder Nichtexistenz mit heutigen Mitteln der Erkenntnisgewinnung nicht beweisbar ist.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 09:16 Uhr (Zitieren)
Aber von den Bibelstellen mit der genauen Angabe geht doch dieser ganze Thread aus!
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 09:28 Uhr (Zitieren)
@στρουθίον οἰκιακόν
Deiner Interpretation kann ich mich anschließen. Wir sind frei, zu interpretieren.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 09:33 Uhr (Zitieren)
Mal abgesehen davon, daß Jesus, wie ich stark annehme, den hier stark strapazierten Rahner kaum verstanden hätte: was machst Du mit Mt 10, 5-7? Was mit seiner Rede von Gericht und Verdammnis?
Anders ausgedrückt: Was machst Du mit all dem, das ihn als Juden seiner Zeit charakterisiert?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 09:36 Uhr (Zitieren)
Ja. Und besonders frei ist man, wenn man bestimmte Textstellen einfach unberücksichtigt läßt.
Leider ist das nicht state of art in der Hermeneutik.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 09:48 Uhr (Zitieren)
Was ist so besonderes daran, dass er Jude seiner Zeit war?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 10:03 Uhr (Zitieren)
Es gab einen realen Jesus, eine konkrete Person, der man durch historische Forschung auf die Spur zu kommen bemüht ist.
Die spezielle Bedeutung liegt darin, daß sich viele Gläubige auf diese Person berufen. Zu Recht oder zu Unrecht?
Wenn diese Person sich - ich habe die Textstelle genannt - ausdrücklich nur an Juden gerichtet hat, die betreffende Religion aber Weltmission betreibt, dann hat das doch eine Fragwürdigkeit.
Wenn diese Person sich ganz normal, wie jeder Mensch, geirrt hat - ich habe die Überzeugung, der Messias werde bald kommen, genannt -, und wenn diese Person sich keinesfalls selbst für den Messias gehalten hat, die betreffende Religion ihn aber als Gott/Messias verehrt, dann ist auch dies eine kritische Frage wert.
Mich beeindruckt, wie hier der mühsam erarbeitete Stand der historischen Forschung relativiert und im Grunde beiseite geschoben wird.
Das macht man ja nicht so bei Alexander dem Großen oder Nero usw., da wird der Stand der Forschung in allen Ehren gehalten - als das Beste, was wir derzeit wissen können.
Nein, dieser Forschungsstand stört nur bei Jesus (und vielleicht beim Auszug der Juden aus Ägypten). Er stört, weil er traditionelle Glaubensannahmen infrage stellt, die für manche Menschen die Grundlage ihrer spirituellen Existenz bilden. Sowas gibt man doch nicht aufgrund von so trivialen Dingen wie Argumenten auf!
Dabei habe ich den Verdacht, daß manche der hiesigen Gesprächsteilnehmer vor diesem Gespräch den Stand der Forschung nicht einmal kannten. Aber das ist lediglich ein Verdacht!
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 10:18 Uhr (Zitieren)
der "historische Jesus" wird gegen den mythischen Jesus in Stellung gebracht.
Der "historische Jesus" wird benutzt, um "Glaubenssgrundlagen" nicht nur zu hinterfragen, sondern zu negieren.
Das ist es was stört. Ausserdem funktioniert es nicht.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 10:33 Uhr (Zitieren)
Der historische Jesus ist ein Befund der Forschung. Wenn dieser Befund bestimmten Glaubensannahmen (dem "mythischen Jesus") widerspricht, dann ist das so. Darauf darf man hinweisen, ohne unsauberer Absichten verdächtigt zu werden.
Vielleicht, vielleicht hat sogar der Atheismus recht? Darüber kann man sprechen, kann man Argumente austauschen.
Doch dies ist hier unter dem Stichwort Parusieverzögerung nicht das Thema.
Hier geht es darum, daß Jesus sich in einer wichtigen Annahme geirrt hat.
Es steht ja auch so, daß die frühen Christen fest daran geglaubt haben, das "Ende der Zeiten" stehe kurz bevor. Sie lebten in eschatologischer Naherwartung.
Die heutige Form des Christentums ist erst später entstanden, als diese Erwasrtung enttäuscht worden war.
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 26.01.2026 um 10:41 Uhr (Zitieren)
Dazu sagt GEMINI:
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 26.01.2026 um 10:58 Uhr (Zitieren)
Dazu wäre zu bedenken, was GEMINI zu Lk 17,21 sagt:
Ich glaube nicht, dass Jesus so naiv war zu glauben, dass das Reich Gottes (= der Liebe) so
schnell kommen werde, eher dass er an dessen
Vollendung erst im Jenseits glaubte, wenn Gott
alle Tränen abtrocknen wird.
„Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Apk 21,4)
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 10:59 Uhr (Zitieren)
Wenn es bei diesem Hinweis bliebe, wäre nichts "unsauberes".
Solcherlei Wertungen, sh.
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 17:52 Uhr
sprechen eine andere Sprache.
Re: Parusieverzögerung
Moderator schrieb am 26.01.2026 um 11:01 Uhr (Zitieren)
KI-Beitrag 10:41 Uhr enthält keine Eigenleistung.
Wird das nicht bis heute 14 Uhr behoben, wird der Beitrag gelöscht.
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 26.01.2026 um 11:12 Uhr (Zitieren)
Und so sieht es Drewermann nach GEMINI:
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 11:20 Uhr (Zitieren)
Oh, wenn der KI-Beitrag von 10.41 Uhr gefährdet ist, will ich zumindest dies retten:
So verstehe auch ich den Stand der Forschung.
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 26.01.2026 um 11:45 Uhr (Zitieren)
Es ist m.E. ein wichtiger Hinweis und Denkanstoß.
Ihn anderweitig zu suchen ist zu aufwendig.
Ich denke, dass man dieses Problem berücksichtigen sollte.
Für solche Zwecke ist KI ein sehr brauchbares Instrument.
Zudem war es als Antwort auf eine Aussage von Graeculus,
die ich für wichtig halte.
Da ich kein Fachexeget bin, aber sehr wohl mit Exegese vertraut bin,
hole mir so schnell
Infos, um sie zur Diskussion stelle.
Ich halte diese Diskussion für hochinteressant.
Man kann nicht genug Zusatzinfos liefern um
die Dimension des Problems auszuleuchten.
Daher bitte ich diesen Aspekt nicht zu unterschätzen.
Auch unbeteiligte Mitleser könnte das interessen.
In dubio pro re!
Daher bitte ich um eine differenzierte Sichtweise,
Und Infos beschaffen ist eine Leistung, die Zeit erfordert,
für die es keine Gegenleistung gibt
außer die Zulassung solcher Infos.
Ich glaube nicht, dass der Forumbetreiber
etwas gegen solche Sachinfos hat.
PS: Das Forum hat keine einsehbaren Regel, wie
es im Lateinforum der Fall ist.
Auch wird KI diesem Forum nicht schaden im Gegensatz zu anderen Foren,
die massiv an Bedeutung verlieren (z.B. Mathe-Foren wie mathelounge und andere)
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 11:46 Uhr (Zitieren)
Ich finde das schwer mit verschiedenen Aussagen Jesu, vor allem in der Bergpredigt und in seinen Gleichnissen in Einklang zu bringen. Das mäßte man im Detail prüfen.
Das riecht nach einem Mantra, nach Beschwörung. Da geht bei mir die rote Warnlampe an. Das ist mehr als Habermas' Aussage, er sei religiös unmusikalisch - es ist Mißtrauen gegenüber Verheißungen, die "zu schön sind, um wahr zu sein".
Daß dort, wo auf Erden die Hölle ist, sich Menschen diese selbst bereiten, ist falsch. Der in Genesis geschilderte paradiesische Urzustand, bevor dann Menschen gesündigt haben, hat ja - die Evolutionstheorie zeigt es - nie existiert; diese Natur war von Anfang an eine, in welcher der struggle for life das Selektions- und Evolutionsprinzip war.
Fünf Große Auslöschungen gab es in der Erdgeschichte, bevor überhaupt Menschen entstanden sind.
Daß Menschen da noch einiges drauflegen können, was natürlicherweise nicht nötig wäre - das stimmt.
Die Hölle ist nicht nur eine von Einsamkeit und Verschlossenheit, und Haß ist - als Pendant zu Liebe - eine Komponente des Yin und Yang, ein notwendiger Bestandteil des Ganzen. Der Mensch liebt, und damit haßt er, was diese Liebe gefährdet und zerstört.
Der Haß eines Menschen (oder anderen Lebewesens) auf Menschen (oder andere Lebewesen), die seine Lieben ermordet haben, erscheint mir ganz natürlich.
Vielleicht kann er krankhafte Züge annehmen, mit denen es dann der Psychotherapeut zu tun bekommt, als den Drewermann sich versteht.
Aber eine universelle Liebe (Yin) ganz ohne Haß (Yang) halte ich für illusorisch.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 12:22 Uhr (Zitieren)
Ja, βοχή, ich diskutiere scharf; dessen bin ich mir bewußt. Das provoziert Widerspruch, und das soll es auch.
Ich teile Nietzsches Einschätzung vom Wert eines guten Feindes. Er bringt uns dazu, alle unsere geistigen Kräfte anzuspannen und zu entwickeln, zu lernen und unseren Standpunkt zu verbessern.
Aber ich diskutiere niemals ohne Argumente. Und ich selbst bin ein Lernender.
Re: Parusieverzögerung
βοχή schrieb am 26.01.2026 um 12:40 Uhr (Zitieren)
hahaha, das wäre dann doch zuviel, ich bin nicht dein Feind.
Ich ziehe manchmal Grenzen der Akzeptanz von Behauptungen und Meinungen. Fakten akzeptiere ich. Manchmal behaupte ich auch selber etwas, nicht immer richtig.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 12:51 Uhr (Zitieren)
Feind oder nicht Feind - vielleicht spricht man im Gesprächsrahmen besser von Kontrahent.
Jedenfalls sind wir beide sehr lebhaft geworden und haben uns kräftig ins Zeug gelegt.
Wären wir einer Meinung, hätten wir das nicht getan.
Entwicklung entsteht aus dem Aufeinandertreffen von Gegensätzen, oder, antik mit Heraklit gesprochen: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge."
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 12:57 Uhr (Zitieren)
Vielleicht sollten wir hier ein Gegenstück zu einem Usus im asiatischen Kampfsport einführen: Die Verbeugung vor dem Gegner nach dem Kampf.
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 26.01.2026 um 13:18 Uhr (Zitieren)
Dann musst du zwangsläufig in Probleme geraten,
wenn es um Glaube und Wissenschaft geht.
Oder wie denkst du das zusammen?
Die Bibel kann man nur als Glaubensbuch retten
voller Metaphern und interessengeleiteter, fragwürdiger Historisierungen.
Dennoch bleiben entscheidende Fragen offen wie
diese: Warum ist etwas und nicht nichts?
Wie ist die praeprimordiale vor dem Urknall zu denken?
Kann es ein absolutes Nichts geben?
Und anthropologisch mit Kant:
Woher komme ich, wer bin ich, wohin gehe ich,
was ist der Mensch bzw. ein möglicher Gott?
Ich denke gerade an das Buch vonTeihard de Chardin: Der Mensch im Kosmos https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbild_(Pierre_Teilhard_de_Chardin)
Und noch etwas:
Ich halte Graeculus für einen absolut seriösen, umfassend
gebildeten und immer sachlich argumentierenden Diskussionspartner
ohne jede Verletzungsabsicht und Intoleranzen.
Sein Wohlwollen ist für mich immer spürbar
und sein Bemühen um maximale Rationalität.
Ohne ihn wäre das Forum nicht, was es ist:
eine Plattform für hochinteressante Themen und
Diskussionen, deren praktischer Nutzen freilich
sehr begrenzt ist. Doch um den geht es nicht.
Hoffen wir, dass das Forum keine Durchökonomisierung erfährt wie soviele Bereiche
in unserer Gesellschaft mit z.T. sehr negativen Folgen für Mensch und Natur,
wo Reformen von Reformen wenig Nutzen bringen oder zu weiteren
unerwünschten Effekten führen.
Re: Parusieverzögerung
βοχή schrieb am 26.01.2026 um 13:38 Uhr (Zitieren)
witzige Idee, dann müsste man es allerdings vorab planen, nicht ungeplant starten
Re: Parusieverzögerung
βοχή schrieb am 26.01.2026 um 13:52 Uhr (Zitieren)
Das denke ich nicht zusammen, Wissenschaft und Religion sind 2 verschiedene Planeten, metaphorisch gesagt.
Die Bibel ist ein Glaubensbuch, was denn sonst.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 14:01 Uhr (Zitieren)
Also kein historischer Bericht über die Tatsache einer Auferstehung, zum Beispiel?
Dann sind wir uns insoweit ja so gut wie einig. Und die Leben-Jesu-Forschung nickt dazu.
Re: Parusieverzögerung
βοχή schrieb am 26.01.2026 um 14:05 Uhr (Zitieren)
Nein, ist sie nicht.
Umso verwunderlicher, dass die Leben-Jesu-Forschung darauf zurückgreift. Es wäre besser, diese Forschung würde sich auf andere Quellen stützen. Von denen gibt es bedauerlicherweise nur wenige.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 14:38 Uhr (Zitieren)
Nun, die Leben-Jesu-Forschung: entstanden im 19. Jhdt., als man die Bibel noch für Gottes Wort hielt, hat sie gezeigt, daß sie - entsprechend auch der Tanach - ein von Menschen verfaßtes Buch ist. Dabei ist u.a. aufgefallen, daß manches daran historisch nicht wahr sein kann, etwa die Geburtsumstände Jesu.
Das ist ein Verdienst, welches dann im 20. Jhdt. zur "Entmythologisierung" in der Theologie geführt hat, d.h. zu einer anderen Art der Lektüre des Textes. Aber halt auch zu einer Vorstellung dessen, was Jesus als historische Person eigentlich war. (Als Historiker erscheint mir Letzteres interessant.)
Die außerbiblischen Quellen sagen dazu in der Tat wenig und beziehen sich nicht auf religiöse Glaubensinhalte - zumal das sog. "Testamentum Flavianum" (von dem jüdischen Autor Flavius Josephus) als spätere christliche Interpolation erkannt worden ist.
Immerhin wissen wir von daher, daß Jesus unter Pontius Pilatus hingerichtet worden ist und es danach in Rom unter Juden zu Auseinandersetzungen gekommen ist: War Jesus der Messias (Christos) oder nicht? Diese Unruhen führten zu Reaktionen der römischen Obrigkeit.
Dieser Umstand macht deutlich, daß sich die Glaubenslehre - nicht ganz friedlich - entwickelte: von Jesus zu Christus.
Re: Parusieverzögerung
βοχή schrieb am 26.01.2026 um 14:51 Uhr (Zitieren)
Typische Glaubenssache. Das soll man den gläubigen überlassen. Die Geister von Juden und Christen scheiden sich daran. Jeder geht seinen Weg. Probleme entstehen doch nur, wenn Gruppendruck auf die Glaubenssphäre der anderen gemacht wird.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 14:59 Uhr (Zitieren)
An sich ja. Aber nicht, wenn man sich dabei auf die Autorität der historischen Person Jesu beruft. Und damals gab es ja noch etliche, die ihn selbst kennengelernt hatten (wenn auch der so wichtige Paulus nicht zu ihnen gehörte).
Das wäre so, als hätten wir beide jahrelang Umgang miteinander gehabt, und nach Deinem Tode würde jemand etwas über Dich behaupten, von dem ich sagen müßte: "Das hat sie doch nie über sich selbst gesagt! Ich kenne sie, so war sie nicht!"
Re: Parusieverzögerung
βοχή schrieb am 26.01.2026 um 15:22 Uhr (Zitieren)
als mythische Gestalt müsste ich dann ein paar Influenzern als Vision erscheinen und die Leviten lesen ...
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 26.01.2026 um 15:41 Uhr (Zitieren)
Eine post-mortem Invokation scheint mir als Antizipation sehr bedenklich, auch indezent. Wenn den Foristen die Unsterblichkeit in ihrer Zwiespältigkeit kaum zuteil werden wird, so darf man zumindest auf Langlebigkeit hoffen (vgl. Cato). Das gilt seit 14.59 Uhr insbesondere für βοχή.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 16:25 Uhr (Zitieren)
@Patroklos
Danke der munteren Langlebigkeit, deine Antizipation ist natürlich angenehmer, wenigstens für mich.
Zur mythischen Gestalt habe ich sowieso kein Talent.
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 26.01.2026 um 18:10 Uhr (Zitieren)
Der damalige Patroklos war nicht langlebig, sondern zu hybrid. Ob ihm das pompöse Grabdenkmal gefallen hat? Kompensation? Wenig langlebiger war sein Pendant Hektor. Sein „Grabdenkmal“ war die Auslösung durch Priamos bzw Achill.
Mögen alle Foristen langlebiger als diese sein.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 26.01.2026 um 19:11 Uhr (Zitieren)
Dito
Re: Parusieverzögerung
Aurora schrieb am 27.01.2026 um 07:05 Uhr (Zitieren)
Dazu müsste man genau definieren, worin seine Messianität konkret besteht.
Γραικύλος schrieb am 27.01.2026 um 10:44 Uhr (Zitieren)
[quote]Dazu müsste man genau definieren, worin seine Messianität konkret besteht.[/quote
Um darüber zu streiten, muß man das nicht genau definieren. Man könnte als übergeordnetes Thema dieser Auseinandersetzungen vermuten: Wer war das eigentlich, die Jesus? Hat er über seinen Tod hinaus noch eine Bedeutung?
Über den Inhalt dieser innerjüdischen Streitigkeiten zur Zeit des Kaisers Claudius sagen die Quellen nichts genaues.
Das ist m.E. deshalb wichtig, weil es dazu verschiedene Auffassungen gibt.
Die Kirchen beanspruchen das Deutemonopol und
liegen vlt. nicht richtig bzw. klammern wichtige Aspekte in ihren Leerformeln aus.
Wofür steht der Nazarener? Worin hebt er sich
vom Glauben seiner Mitjuden ab?
Was ist das Novum bei ihm?
Worin besteht seiner Erlöserkraft und-mission?
Womit hat er Massen begeistert und für sein Gottesbild gewonnen,
das andern zu weit ging?
Woher bezieht er seine Legitamation, die auch
eine Anmaßung sein könnte?
Was machte ihn glaubwürdig?
Was meint er mit seinem leichten Joch?
Warum er und kein anderer vor und nach ihm?
Man könnte die Liste beliebig fortsetzen.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 27.01.2026 um 11:07 Uhr (Zitieren)
Deutung, wie das Wort schon sagt, handelt es sich dabei um Interpretation, nicht um Fakten.
Da ist ein vielleicht automatisch enthalten.
Welchen Sinn soll es haben, darüber zu streiten?
Jeder darf seine eigene Interpretation mit dem dazugehörigen vielleicht daneben stellen.
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 27.01.2026 um 12:51 Uhr (Zitieren)
Fehlinterpretationen erkennen und nachweisen
und naive Eisegese zu entlarven.
Irgendwo hört auch hier das Spaß = Unsinn auf.
Dazu neigen viele Prediger. Es gäbe unzählige Beispiele,
wie Bibelstellen falsch ausgelegt wurden und werden
(u.a. Bibelfundamentalisten)
Absicht darf man dabei nicht ausschließen.
Nihil fit sine causa, v.a. dann nicht
wenn man davon materielle Vorteile hat und
Macht ausüben kann.
Manche predigen, als ob es die historisch-kritische
Methode nie gegeben hätte.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 27.01.2026 um 13:10 Uhr (Zitieren)
... solange keiner vergisst, dass bei allen Glaubensfragen ein vielleicht implementiert ist, gibt es keine Probleme
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 27.01.2026 um 14:23 Uhr (Zitieren)
Es wird nachweislich weitertheologischer Unsinn in
Predigten verzapft, z.T. haarsträubender.
Ich verweise auf die Pseudepigrafie, die immer noch verschwiegen wird
und die Behauptung von naturwissenschaftlichen Unmöglichkeiten
(Brotvermehrung, Gang übers Wasser, Verwandlung von Wasser in Wein u.ä.)
Da gibt es kein VLT. Die Naturgesetze gelten seit dem Urknall überall im Kosmos,
auch im Nanokosmos der christlichen Kirchen.
Auch zu Jesu Zeiten hat sich die Erde um die Sonne gedreht und
ging man unter, wenn man im See aus dem Boot stieg.
Irgendwo muss es Grenzen geben, abgesehen davon, dass Wunder
für das Glauben-Können irrelevant sind und die meisten psychologisch auflösbar
und erklärbar sind wie alle oben genannten.
Wer Wunder für seinen Glauben braucht, hat für mich ein echtes Problem.
PS:
Was wäre anders, wenn Jesus eines natürlichen Todes gestorben wäre? Meine klare Antwort:
NICHTS.
Sogar Ratzinger hat das einmal eingeräumt, als er
noch als progressiver Konzilsberater galt.
Zusatzinfo am Rande: (GEMINI)
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 27.01.2026 um 14:26 Uhr (Zitieren)
PS:
Zum Vorwurf der Wortklauberei:
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 27.01.2026 um 14:35 Uhr (Zitieren)
Ich lese gerade in einem Buch über altägyptische Geschichtsschreibung:
(Donald Redford)
Gut, gut, sofern man das hübsch auseinanderhält und nicht über diesen Unterschied einen Tarnschleier deckt, wenn man von der Auferstehung Jesu o.ä. redet.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 27.01.2026 um 15:45 Uhr (Zitieren)
@meine Meinung
Glaubensfreiheit hat 2 Seiten
1# du bist frei zu glauben was du möchtest
2# das gleiche gilt auch für andere
Teil 2 ist nicht immer leicht zu akzeptieren, aber notwendig für Teil 1
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 27.01.2026 um 15:57 Uhr (Zitieren)
Welche Rolle spielt der Austausch von Argumenten dabei?
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 27.01.2026 um 16:20 Uhr (Zitieren)
... man kann sie austauschen, selbstverständlich.
Es besteht kein Anspruch darauf, dass ein Argument übernommen wird.
Glauben bitte nicht mit wissen verwechseln. Eine Verwechslung der Kategorien ist die Falle, in die man gerne reintappt.
Jeder beackere sein Feld.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 27.01.2026 um 16:35 Uhr (Zitieren)
... es besteht auch kein Anspruch darauf, dass ein Argument aufgegeben wird
Die Entscheidung, was jmd. glaubt oder nicht glaubt, liegt sowieso bei ihm, immer.
Wenn man jmd. gegen sein Empfinden einen Glauben aufdrängen oder verbieten will, ist das Ergebnis maximal ein Lippenbekentnis. Was hättest du davon, Lippenbekenntnisse einzusammeln?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 27.01.2026 um 16:46 Uhr (Zitieren)
Von einem Verbot des Glaubens ist hier nicht die Rede.
Das Argument, das Habermas als "zwanglosen Zwang" charakterisiert, tut seine eigene Wirkung - nicht durch Verbote (vielmehr zwanglos), aber doch durch seine Kraft, der man nur schwer entgeht.
Ich habe schon Menschen, deren Ansicht man ein starkes Argument entgegengesetzt hat, in arger Verlegenheit erlebt ... und habe mich auch selbst schon in solcher befunden.
Das dann nicht einfach zu verdrängen, erscheint mir gleichsam als Ehrensache.
Re: Parusieverzögerung
Andreas schrieb am 27.01.2026 um 17:22 Uhr (Zitieren)
Aber es sollte ernst genommen werden und wenn es logisch
unwiderlegbar ist und das Gegenargument substanzlos oder
an den Haaren herbeigezogen ist, sieht die Sache anders aus.
Ich würde auch nie mit Naturwissenschaftlern streiten,
die eindeutige Beweise haben, deren Falsifizierbarkeit
höchst unwahrscheinlich bis unmöglich ist.
Dass es dunkle Materie und Energie geben muss,
ist ein Postulat von Messungen.
Auch wenn wir sie nie sollten messen können,
besteht kein Zweifel an deren Existenz.
Das auf die Existenz Gottes anzuwenden ist nicht möglich.
Über ihn gibt es keine physischen Messwerte, es sei denn, man vermutet ihn dort,
wo Rahner ihn verortet: Dort wo Menschen sich
liebevoll begegnen und sich nicht zum Objekt machen
könnte man sowas wie Heiligen Geist vermuten, eine Bewusstseinshaltung,
aus der heraus menschliches Leben gelingen kann.
Ich denke an den Philosophen Ulrich Hommes,
der sich mit der Sinnfrage beschäftigte.
Die Serie dazu lief Ende der 70er, Gast war u.a.
der Psychiater und Logotherapeut Viktor E.Frankl.
Er hatte als Einziger seiner Famiie Ausschwitz überlebt.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 27.01.2026 um 17:30 Uhr (Zitieren)
Wenn man trotz überreichtem unwiderstehlich duftenden Blumenstrauss einen Korb bekommt, erscheint es mir ehrenhafter, dies zu akzeptieren.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 27.01.2026 um 17:39 Uhr (Zitieren)
Die angesprochene Verwechslung von Glauben und wissen.
Wenn Gott so simpel per Naturwissenschaft wegzuargumentieren wäre, gäbe es keine Naturwissenschaftler, die an ihn glauben. Es gibt sie aber. Möchte die hier jmd. als ehrlos einstufen?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 27.01.2026 um 18:22 Uhr (Zitieren)
Wer keine Argumente hören und prüfen will, der will seinen Glauben nicht riskieren und steht in der Gefahr, den bestmöglichen Wissensstand zu verfehlen.
Alle Gespräche/Diskussionen über Gott sollten damit beginnen zu klären, wovon man da eigentlich redet, d.h. eine Definition des Wortes zu geben.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 27.01.2026 um 20:54 Uhr (Zitieren)
Und wieder wird Glauben und Wissen sturköpfig verwechselt. Wozu das?
Sorry, niemand ist Rechenschaft ueber seine persönlichen subjektiven Glaubensinhalte schuldig.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 27.01.2026 um 21:11 Uhr (Zitieren)
Es ist möglich, auf aktuellem Wissensstand und ausserdem religiös zu sein.
Daran ist nichts unehrenhaftes.
Aber schuldet es zu erklären,worin sein Glaube besteht.
Unter Glauben verstehen nicht alle dasselbe.
Auch hier fehlt die Definition,was "religiös sein"
für dich bedeutet.
Auch islamistische Selbstmordattentäter halten sich für religiös.
Re: Parusieverzögerung
guter Rat schrieb am 28.01.2026 um 05:43 Uhr (Zitieren)
„Über Geld, Religion und Politik spricht man nicht.“
Herkunft und Bedeutung:
Ursprung: Das Sprichwort ist eine gesellschaftliche Etikette-Regel, die sich im 19. Jahrhundert festigte.
England (Religion & Politik): In der viktorianischen Ära galt es in der „feinen Gesellschaft“ (polite company) als unhöflich, Themen anzusprechen, die zu heftigem Streit führen könnten. Da Religion und Politik auf persönlichen Überzeugungen basieren, wurden sie zum Schutz des sozialen Friedens tabuisiert.
Deutschland (Geld): Der Zusatz „Über Geld spricht man nicht, man hat es“ wurzelt im preußischen Bürgertum. Es galt als protzig (neureich) oder beschämend (arm), Zahlen zu nennen. Reichtum sollte diskret im Hintergrund bleiben.
Zweck: Die Regel dient der Konfliktvermeidung und der Wahrung der Diskretion. Sie soll verhindern, dass Neid, Ausgrenzung oder unlösbare Wertedebatten die Harmonie einer Gruppe zerstören.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 28.01.2026 um 11:04 Uhr (Zitieren)
Wäre es ein echtes Tabu, gäbe es weder Politik noch Religion. Ich sehe das Tabu als sinnvoll an, soweit es den persönlichen Nahbereich betrifft.
Diese Themen stoße ich daher auch nicht von mir aus an, reagiere aber manchmal. Ich möchte dabei keine Glaubensrichtung bevorzugen (auch Atheismus ist Glaubenssache), sondern ein bisschen die goldene Regel verteidigen.
Mein Beitrag zur Glaubensfreiheit (am 27.01.2026 um 15:45 Uhr) ist ja bei Lichte besehen nichts anderes als die goldene Regel. Ein Freigeist weiß dann auch 2# zu schätzen.
@Γραικύλος
In diesem Sinne:
@Γραικύλος schrieb am 27.01.2026 um 16:46 Uhr
Leute absichtlich in Verlegenheit zu bringen, sie zu beschämen, ist eine Verhaltensweise. Du verwendest deine oft geteilten Glaubensinhalte (Gleichsetzung von Wissen und Glauben, Negation des christl. Gottes) dabei.
zum "zwanglosen Zwang"
Wenn mehrere Personen den "zwanglosen Zwang" ausüben, wird Gruppendruck aufgebaut. Wer nicht zustimmt, wird zum Außenseiter gemacht. Auch das ist eine Verhaltensweise.
Glaubensinhalte sollen m.E. nicht als Rechtfertigung für Verhaltensweisen dienen. Für Verhaltensweisen gibt es übergeordnete Regeln. (Dieser Punkt greift dann auch bei @νύξ schrieb am 28.01.2026 um 04:43 Uhr).
@Γραικύλος schrieb am 27.01.2026 um 18:22 Uhr
zum Ignorieren von Argumenten
Dem Phänomen des gläubigen Naturwissenschaftlers weichst du aus, indem du auf eine Definition von Gott verweist. Bei diesem Phänomen ist es auch nicht so leicht, die beiden mittlerweile bekannten Hebel „Ehrensache“ und "mentale Schwäche" anzusetzen.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 28.01.2026 um 12:04 Uhr (Zitieren)
"Jürgen Habermas spricht berühmterweise von einem zwanglosen Zwang des besseren Arguments. Das gnomische Orakel, das schon verbal die Form einer Katachrese, eines offenbaren Widerspruchs, annimmt, reiht sich ein in eine ehrwürdige Tradition.
...
Hinzu kommt die verstörende Beobachtung gerade auch von französischen Intellektuellen wie Michel Foucault, dass die Einforderung vernünftigen Denkens immer auch so klingt, als sollten Leute, die unsere Argumente nicht anerkennen, als unfähig, unwillig oder böswillig ausgezeichnet und also ausgesondert werden."
(Pirmin Stekeler-Weithofer, Lexikon der offenen Fragen)
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 28.01.2026 um 12:11 Uhr (Zitieren)
(Max Planck)
Planck wusste noch nichts vom Quantenvakuum, oder?
(Werner Heisenberg)
Das ist eine Leerformel.
Auch Heisenberg schuldet eine Gottes -und Atheismusdefinition.
Die Metapher musst erklärt werden.
Sie erinnert an das abgespacete, oft emotional aufgeladene Geschwafel
vieler Theologen und Kirchenleute, zu denen bei solchen Aussagen immer wieder
auch der hochgelobte Josef Ratzinger gehört, und anderer Päpste und vieler Inhalte christlicher Dogmen gehören, wie u.a. der hier schon erwähnte Heinz Werner Kubitza gezeigt hat (Der Dogmenwahn),
Nur weil etwas als Dogma verkündet und als zu glauben unter der Anathema-Androhung aufoktroyiert wird, muss dessen Inhalt sinnvoll sein und verständlich ist er für einfache Gläubige ohnehin nicht.
Ceterum censeo: JEDES Dogma ist sprachlich der Zeit anzupassen, in der es zu glauben ist,
Dazu muss es reformuliert und mit einer neu zuschaffenden Sprache nachvollziehbar erklärt werden. Sonst ist es das Papier nicht wert, auf dem es weiterhin gedruckt wird - mit dem kirchlichen IMPRIMATUR.
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 28.01.2026 um 12:31 Uhr (Zitieren)
Re: Parusieverzögerung
Persephone schrieb am 28.01.2026 um 13:35 Uhr (Zitieren)
Dafür, dass ihr dieses Thema eigentlich begrenzen wolltet, denn mit der Antike hat die Diskussion schon lange nichts mehr zu tun, legt ihr euch aber mächtig ins Zeug … Nicht zum Vorteil für dieses Forum, wie ich finde.
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 28.01.2026 um 13:55 Uhr (Zitieren)
Bislang fehlt in der Diskussion die säkulare Variante der Parusie, der Kommunismus. Die Parusieverzögerung der klassenlosen Gesellschaft ist nach wie vor ein Kümmernis für viele.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 28.01.2026 um 14:02 Uhr (Zitieren)
@Patroklos
... hatte ich als Facette schon mal erwähnt,
wurde abgeschmettert weil nicht antik
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 28.01.2026 um 14:04 Uhr (Zitieren)
Es kommt ja nicht in allen Threads vor.
Es wurde zudem ein ganz spezielles Thema tangiert,
das in der Altphilologie keine große Rolle spielt.
Ich kenne einen Prof. für Latinistik, der, weil
auch alsTheologe promviert, ein Hauptseminar über Tertullian hielt.
Kirchenväter werden gewöhnlich bei Patrologen gelesen.
Re: Parusieverzögerung
Patroklos schrieb am 28.01.2026 um 14:16 Uhr (Zitieren)
Den Rückblick nach vorn hat Hans Blumenberg fein formuliert:
Was war es, was wir erhoffen durften?
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 28.01.2026 um 14:52 Uhr (Zitieren)
Das Konzept eines monotheistischen Schöpfergottes geht immerhin auf die Antike zurück; in solchen Fällen plädiere ich dafür, nicht kleinlich zu sein.
Für den Marxismus gilt das eindeutig nicht.
Insgesamt stimme ich Persephones Kritik zu.
Re: Parusieverzögerung
Persephone schrieb am 28.01.2026 um 15:06 Uhr (Zitieren)
Das Problem ist in meinen Augen nicht die ursprüngliche Thematik, sondern die sich öfter verselbstständigende Diskussion über Religion ohne direkten Bezug zu Antike, die schnell persönlich wird, sie ist viel zu prominent und geht auf Kosten der Vielfalt der Beschäftigung mit ihr.
Man darf, um sich ein Gesamtbild zu machen, nämlich nicht nur Threads zählen, muss sich schon ansehen, was in ihnen geschieht und wozu es andere ermuntert. Ein KI-Thread wie Fortschritt und Religion, der mit dem 8. Jahrhundert anfängt, und vom Mittelalter bis in die Gegenwart führt, würde vmtl. sonst nicht gepostet werden.
Es ist schon auch eine Frage der intellektuellen Disziplin, sich nicht thematisch und von seinen Vorlieben und Abneigungen beherrschen zu lassen und immer wieder dieselbe Debatte anzustoßen und dasselbe dazu vorzutragen, nur weil man so sozialisiert wurde.
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 28.01.2026 um 15:20 Uhr (Zitieren)
Ja.
Meine Feststellung - die Feststellung eines Faktums immerhin! -, daß das monotheistische Konzept in der Antike entwickelt wurde, als 1. ein geozentrisches Weltbild dominierte und es 2. noch keine Evolutionstheorie gab, möchte ich verstanden wissen als eine Aussage über die Antike und den Umstand, daß wir uns in dieser Hinsicht wesentlich von der Antike unterscheiden.
Hat dies Folgen für unser Verständnis von Religion? Sich diese Frage zu stellen, ist insofern auch die Frucht einer Beschäftigung mit der Antike. Dabei kann uns bewußt werden, wie fremd ihr Denken uns in manchen Hinsichten ist; in anderen zum Glück nicht.
Re: Parusieverzögerung
info schrieb am 28.01.2026 um 16:31 Uhr (Zitieren)
Hat m.E. definiiv, nur werden diese Folgen unterdrückt von den
herrschenden Religionen bzw. deren Führern.
Der Islam harrt immer noch seiner Aufklärung und auch
im Christentum gibt es reakionäre Strömungen, die die Aufklärung
für Teufelswerk halten, natürlich aus purem Eigeninteresse:
die Auklärung macht vieles obsolet und absurd, was als
heilsnotwendig verkauft wurde und wird.
Man schaue sich nur Sendungen auf KTV an mit
Messen aus dem Kloster Heiligenkreuz.
Was am Montagabend um 18Uhr abgezogen wird,
lieferte Diskussionsstoff ohne Ende.
Persephone schrieb am 28.01.2026 um 17:05 Uhr (Zitieren)
Zum Einfluss auf die Gegenwart: Ohne Parusieverzögerung wäre Warten auf Godot nie geschrieben worden. ;)
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 28.01.2026 um 17:15 Uhr (Zitieren)
Na, das wäre ein Verlust!
Obgleich Beckett geknurrt hat: "Wenn ich mit Godot Gott gemeint hätte, hätte ich Gott geschrieben!"
Re: Parusieverzögerung
meine Meinung schrieb am 29.01.2026 um 13:20 Uhr (Zitieren)
Ob er, wenn er Hildegard von Bingen gekannt hätte
("Gott hat nur unsere Hände"), das Stück gar nicht geschrieben hätte oder anders?
PS:
The bastard!! He (God) doesn't exist. (Endgame)
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 29.01.2026 um 16:49 Uhr (Zitieren)
Dazu berichtet Beckett in seinem Briefwechsel eine schöne Anekdote. Diese Passage war der englischen Zensur unangenehm aufgefallen und sollte nicht genehmigt werden.
Deshalb ist Beckett in Verhandlungen eingetreten und hat erreicht, daß statt "der alte Bastard" "das alte Schwein" akzeptiert wurde. Beckett: "Auch in der Blasphemie gibt es noch Abstufungen!"
Re: Parusieverzögerung
Γραικύλος schrieb am 29.01.2026 um 16:52 Uhr (Zitieren)
Aber dies hat jetzt wiederum nichts mit der Antike zu tun.
Wurde damals Blasphemie bestraft? Mir fällt nur die ablehnende Bemerkung des Kaisers Tiberius ein:
[Tacitus: Annalen I 73]
Das erscheint mir sehr vernünftig.
Re: Parusieverzögerung
Moderator schrieb am 29.01.2026 um 18:47 Uhr (Zitieren)
@info: sind die genannten Quellen verifiziert worden? Wenn (noch) nicht, ist Zeit bis 22 Uhr, dies nachzuholen. Anderenfalls wird dieser Beitrag als unkommentiert gelöscht.
Ich bin zufällig auf eine Schrift des Altphilologen
Ernst Heitsch (+2019) zum historischen Jesus gestoßen:
„Jesus aus Nazareth als Christus“
Im Sammelband:
H. Ristow / K. Matthiae (Hrsg.): Der historische Jesus und der kerygmatische Christus
1960 (Berlin, Evangelische Verlagsanstalt).
Seiten: 62–88.
Re: Parusieverzögerung
βροχή schrieb am 30.01.2026 um 07:48 Uhr (Zitieren)
@Persephone
Du bist ja erst ganz neu hinzugestossen,
Herzlich willkommen :)
Re: Parusieverzögerung
Persephone schrieb am 30.01.2026 um 22:35 Uhr (Zitieren)
Neu als stille Leserin nicht, als Schreiberin schon.
Vielen Dank auch Dir für die nette Begrüßung.