Patroklos schrieb am 15.06.2026 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Fremdchen!
(Aufschlussreich ist „Don‘t sir me.)
Re: Worte brauchen Stärke
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 15.06.2026 um 16:08 Uhr (Zitieren)
Wir haben doch auch das drohende "Freundchen!"
Re: Worte brauchen Stärke
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 15.06.2026 um 17:14 Uhr (Zitieren)
ὦ ξένε dürfte hier wohl mit dem Unterton von "mein lieber Freund und Kupferstecher!", also herablassend bis despektierlich, zu verstehen sein.
Re: Worte brauchen Stärke
Γραικύλος schrieb am 15.06.2026 um 17:26 Uhr (Zitieren)
Und "used plain words" mit: sprach vollmundig?
Re: Worte brauchen Stärke
βροχή schrieb am 15.06.2026 um 17:36 Uhr (Zitieren)
Ist das nicht eher eine Reaktion auf despektierliche Aktionen? Im Sinne von, hör besser mal auf damit.
Re: Worte brauchen Stärke
Patroklos schrieb am 15.06.2026 um 17:39 Uhr (Zitieren)
„Kupferstecher“ hängt wohl zusammen mit Papiergeldfälschen bzw. Stechen von Gemälden.
Re: Worte brauchen Stärke
βροχή schrieb am 15.06.2026 um 19:20 Uhr (Zitieren)
... ganz genau, ein Fälscher
abgekupfert=unerlaubter weise nachgeahmt
Re: Worte brauchen Stärke
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 15.06.2026 um 19:25 Uhr (Zitieren)
'in plain words' verstehe ich als noch gröber/derber als "vollmundig".
Mir steht bei diesem Ausdruck einer der Farmer, auf dessen Grund das berühmte Woodstock Festival stattfand (und dann im Matsch der Regenfluten fast untergegangen wäre), vor Augen, der das Chaos mit "in plain English: a shitty mess!" bezeichnete (in einer, ich weiß nicht mehr welcher, ausführlichen Filmdokumentation). Die 'plain words', die sich Lysander von dem Megariten anhören mußte, waren wohl ohne jegliche Zurückhaltung und bis zur Derbheit direkt. Nicht minder direkt (und drohend) ist die Antwort, aber eben mit einer Anrede, die nach meinem Verständnis hier von Herablassung nicht frei ist.
Es wäre schön zu wissen, wie das 'in plain words' im Original lautet.
Re: Worte brauchen Stärke
Γραικύλος schrieb am 15.06.2026 um 23:18 Uhr (Zitieren)
in plain words: παρρησία χρησαμένου
Re: Worte brauchen Stärke
Γραικύλος schrieb am 15.06.2026 um 23:20 Uhr (Zitieren)
Koreektur: παρρησίᾳ
Re: Worte brauchen Stärke
Γραικύλος schrieb am 15.06.2026 um 23:21 Uhr (Zitieren)
Korrektur: Korrektur
Re: Worte brauchen Stärke
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 16.06.2026 um 02:19 Uhr (Zitieren)
Bukolos schrieb am 16.06.2026 um 05:20 Uhr (Zitieren)
In der Anrede ὦ ξένε liegt zunächst einmal keine Abwertung (vgl. Passow s. v. ξένος: "Dab[ei] ist von Hom[er] an die Anrede für Einen, dessen Namen man nicht kennt, od. nicht nennt, ὦ ξένε (ξεῖνε), mein Freund, mein Lieber"). Die Assoziationen, die sich an das deutsche mein Freund knüpfen lassen, besitzen für den im Text vollzogenen Sprechakt wohl eher geringe Relevanz.
Infrage stellen könnte man allerdings Babbitts Übersetzung von πόλεως δέονται, dem ja eher lack als need a city entspräche. Zur Zeit von Lysanders Kommando am Ende des Peloponnesischen Krieges ist Megara bereits derart unbedeutend, dass die Stadt, in deren Auftrag der Gesandte spricht, diese Bezeichnung in Lysanders Augen nicht mehr verdient.
Dass Parrhesie, ein Ideal demokratischer Verhältnisse, im Umgang mit der dominierenden Kriegspartei wenig Geltung hat, erzeugt den Doppelsinn der Replik Lysanders. "Deinen Worten fehlt eine Polis" heißt eben auch: Solche Reden gehören in eine Volksversammlung, hier zeugen sie von mangelnder Einsicht in die Machtverhältnisse.