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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2 (2684 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 02.09.2019 um 15:07 Uhr (Zitieren)
Dieser Thread soll eine selbständige Fortsetzung des älteren, unübersichtlich gewordenen sein:

https://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=302#955
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 02.09.2019 um 15:29 Uhr (Zitieren)
Ich mache es so wie du, nämlich nicht so wie du, sondern so, wie ich es will.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 02.09.2019 um 15:30 Uhr (Zitieren)
Wenn wir noch eine Schlacht über die Römer gewinnen, werden wir ganz und gar verloren sein.

[Plutarch: Pyrrhos 21]
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 02.09.2019 um 20:45 Uhr (Zitieren)
Est igitur aliquid humilitatis miro modo quod sursum faciat cor, et est aliquid elationis quod deorsum faciat cor. Hoc quidem quasi contrarium videtur, ut elatio sit deorsum et humilitas sursum. Sed pia humilitas facit subditum superiori; nihil est autem superius Deo, et ideo exaltat humilitas quae facit subditum Deo.

Elatio autem, quae in vitio est, eo ipso respuit subiectionem et cadit ab illo quo non est quicquam superius, et ex hoc erit inferius et fit quod scriptum est: Deiecisti eos cum extollerentur. Non enim ait: Cum elati fuissent, ut prius extollerentur et postea deicerentur; sed cum extollerentur, tunc deiecti sunt. Ipsum quippe extolli iam deici est.

Quapropter quod nunc in civitate Dei et civitati Dei in hoc peregrinanti saeculo maxime commendatur humilitas et in eius rege, qui est Christus, maxime contrariumque huic virtuti elationis vitium in eius adversario, qui est diabolus, maxime dominari sacris litteris edocetur ...


Es gibt also merkwürdigerweise in der Erniedrigung (Demut) etwas, das das Herz erhebt, und in der Erhebung (Überheblichkeit) etwas, das das Herz erniedrigt. Das klingt nun freilich wie ein Widerspruch, dass die Erhebung (Überheblichkeit) nach unten, die Erniedrigung (Demut) nach oben führen soll. Aber fromme Erniedrigung (Demut) macht einem Höheren ergeben, und nichts ist erhabener als Gott; daher erhebt Erniedrigung (Demut), die Gott gegenüber Ergebenheit bewirkt.

Die Erhebung (Überheblichkeit) dagegen, die Tadel verdient, verweigert es von sich aus, unterworfen zu sein, und fällt von dem ab, der nichts Höheres über sich hat, und wird dadurch niedriger sein, und es erfüllt sich, was geschrieben steht: „Du hast sie herabgestürzt, da sie sich erhoben“ (Ps 72, 18). Es heißt nämlich nicht: „Da sie sich erhoben hatten“, als hätten sie sich zuerst erhoben und wären dann herabgestürzt worden, sondern indem sie sich erhoben, wurden sie herabgestürzt. Die Erhebung (die Überheblichkeit) selbst ist eben schon ein Herabgestürztwerden.

Daher ist nun im Gottesstaat und insbesondere dem Gottesstaat auf seiner irdischen Pilgerschaft die Erniedrigung (Demut) zu empfehlen und am allermeisten an ihrem Herrscher zu preisen, der Christus ist, während in der Heiligen Schrift deutlich gelehrt wird, dass das dieser Tugend entgegengesetzte Laster der Erhebung (Überheblichkeit) bei seinem Widersacher, dem Teufel, am deutlichsten ausgeprägt ist ...

Augustinus: De civitate Dei XIV, 13 - Übersetzung in Anlehnung an Alfred Schröders Übertragung.



Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 02.09.2019 um 21:34 Uhr (Zitieren)
Dass die Beschäftigung mit Paradoxien lebensgefährlich sein kann, dokumentiert folgende Kurzbiographie, die sich in der Suda, einem byzantischen Lexikon aus dem zehnten Jahrhundert, unter φ 332 findet:

Φιλήτας, Κῷος, υἱὸς Τηλέφου, ὢν ἐπί τε Φιλίππου καὶ Ἀλεξάνδρου, γραμματικὸς κριτικός· ὃς ἰσχνωθεὶς ἐκ τοῦ ζητεῖν τὸν καλούμενον Ψευδόμενον λόγον ἀπέθανεν. ἐγένετο δὲ καὶ διδάσκαλος τοῦ δευτέρου Πτολεμαίου. ἔγραψεν ἐπιγράμματα, καὶ ἐλεγείας καὶ ἄλλα.

Philetas, von Kos, Sohn des Telephos, lebte sowohl unter Philipp als auch Alexander. Grammatiker und Kritiker. Er starb ausgezehrt in Folge seiner Untersuchung des sogenannten Lügner-Paradoxons (Ψευδόμενον λόγον).
Er wurde auch Lehrer Ptolemaios' II. Er verfasste Epigramme, Elegien u.a.


Zu den Möglichen Quellen dieses Eintrags heißt es in der engl. Wikipedia:

A 2nd century AD Greek author, Athenaeus of Naucratis, wrote that Philitas studied false arguments and erroneous word-usage so intensely that he wasted away and starved to death, and that his epitaph read:

ξεῖνε, Φιλίτας εἰμί· λόγων ὁ ψευδόμενός με
ὥλεσε καὶ νυκτῶν φροντίδες ἑσπέριοι

St. George Stock analyzed the story as saying Philitas studied the Megarian school of philosophy, which cultivated and studied paradoxes such as the liar paradox: if someone says "I am lying", is what he says true or false? Stock wrote that Philitas worried so much over the liar paradox that he died of insomnia, and translated the epitaph as follows:

Philetas of Cos am I,
'Twas the Liar who made me die,
And the bad nights caused thereby.

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 03.09.2019 um 17:49 Uhr (Zitieren)
Wer übersetzt werden kann (ins Französische wenigstens), verdient nicht übersetzt zu werden.

Jean Paul: Ideengewimmel, Eichborn (1996), S. 57.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 03.09.2019 um 18:04 Uhr (Zitieren)
Immer wieder schön, diese Funstücke von Jean Paul. Bald bin ich vom Kauf überzeugt.

Nur ganz am Rande: Der Philetas-Hinweis hat mir gefallen; aber wird er in der Suda nicht Φιλητᾶς geschrieben?
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 03.09.2019 um 18:16 Uhr (Zitieren)
In dieser Kurzbiographie steckt allerdings der Plot eines pikaresken Philosophenromans.
Bei Φιλήτας bin ich der Loeb-Ausgabe Hellenistic Collection: Philitas. Alexander of Aetolia. Hermesianax. Euphorion. Parthenius (LCL 508, S.8) gefolgt.

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 03.09.2019 um 19:00 Uhr (Zitieren)
Stimmt, dort steht es so. Ich hab's in der Suda nachgeschaut. Nicht erheblich.

Den Plot mit Stoff (Handlung) zu füllen, stelle ich mir nicht ganz einfach vor. Ein Ansatz: Man könnte viele Situationen, wie sie in den hier gesammelten Paradoxien vorkommen, zur Grundlage nehmen - etwa ein Gerichtsverfahren in der Art des Euathlos, eine Ehe, in der die Partner einander immer wieder widersprechen, indem sie beahupten, sie widersprächen ja gar nicht usw.
Der gedachte Philetas stößt in seinem Leben, das ihn tragischerweise auch noch zum Philosophen hat werden lassen, immer wieder auf Parxadoxien. Durch sie und durch sein Nachdenken über sie gerät er in eine Krise. Diese erreicht ihren Höhepunkt angesichts eines Plastikstrohhalms (oder eines Barfußschuhs).

_____

A.: "Ich wußte nicht, was ich dir schenken soll. Deshalb bin ich mit der Zeitmaschine bis Weihnachen gereist und habe nachgesehen, was ich dir schenke."
B.: "Socken und ein Paradoxon! Danke."

(Josha Sauer)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 03.09.2019 um 20:06 Uhr (Zitieren)
Ich sehe auch im Übergang von der Entdeckung der Ubiquität des Paradoxen zur existenziellen Krise den erzählerischen Motor. Er müsste einen geradezu grotesken Kampf gegen die verschlingende Kraft führen, die für ihn von diesen Paradoxien ausgeht und alles wortwörtlich aufzufressen droht, am Ende ihn selbst, während alle Welt sonst damit anscheinend kein Problem hat. Das beträfe z.B. also nicht nur die Begrifflichkeiten von Wahrheit und Lüge überhaupt, sondern den sich in diesen Spiegelkabinetten verlierenden endlichen Denker in seiner physischen und geistigen Existenz, der immer weiter abmagert, dessen Blickfeld sich zusehends verengt, unfähig, sich von diesem sich immer weiter verwickelnden gordischen Knoten mit einem Denkakt zu befreien, der die Natur von Alexanders Schwerthieb besitzt. Dann auch das Elend eines Lehrers, der, nachdem ihm substanziell eigentlich nicht mehr zu lehren bleibt, den Lehrer für Ptolemaios spielen muss, der also sozusagen sein eigenes Paradoxon wird. Paradox wäre auch der notorisch unzuverlässige Erzähler anzulegen, von dem man von Seite zu Seite immer weniger zu sagen vermag, ob er lügt, wenn er zu erzählen behauptet, was Sache war, oder Wahrheiten als Lügen verkauft.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 03.09.2019 um 22:56 Uhr (Zitieren)
Den Erzähler entsprechend zu gestalten, ist eine gute Idee.
Der Leser müßte erleben, wie sein eigenes klares Weltbild zerbröselt, in einen Sog des Zweifels gerät.
(Ich finde ähnliches bei Philip K. Dick: "The Three Stigmata of Palmer Eldritch"; auch da weiß man am Ende nicht mehr, was real und wer man selber ist.)
Auch gefällt es mir, mich in Alexandria in der Zeit Ptolemaios' I. und II. zu bewegen.

Zunächst aber sammle ich Informationen über Philetas/Philitas und gerate dabei in die Lage, daß ich bei Athenaios nur auf relativ Belangloses stoße, außer 13.598e-f; aber auch dies ist nicht die Stelle, die Du zitiert hast - die finde ich überhaupt nicht, wenn ich nach dem Index der LCL-Ausgabe vorgehe.
Kannst Du die Stelle angeben?

DNP schreibt überhaupt nichts über seine Faszination für Paradoxien.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 03.09.2019 um 23:03 Uhr (Zitieren)
P.S.: Der Neue Pauly hat die Schreibweisen Φιλήτας und Φιλίτας, wobei er die letztere für die bessere erklärt; der Kleine Pauly lehnt die Schreibweise der Suda, Φιλητᾶς, explizit ab.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 04.09.2019 um 12:29 Uhr (Zitieren)
Der Erzähler ist also Kreter.

Die Kontrastierung der Mobilität in intellektuellen Biographien (wie kommt man an diese Stelle in Alexandria überhaupt?), die Verwandlung des Geistes durch Reisen usf. mit den überall auftauchenden Paradoxien, denen man nicht entkommen kann, die zur fixen Idee werden, könnte einen weiteren Punkt dieser Heldenreise in den Irrsinn bilden. Gibt es eigentlich antike Beschreibungen eines Verhungerns, Verzehrtwerdens, obwohl keine äußere Notwendigkeit besteht, man also vor vollen Schüsseln sitzt?

Zu den Quellen: Sämtliche Stellen, an denen P. bei Athenaios vorkommt, listet http://www.digitalathenaeus.org via http://www.digitalathenaeus.org/tools/OlsonIndex/superdigger.php?what[]=Name|Philetas/Philitas%20of%20Cos&onoffswitch=on
Oben erwähnte Kürzestbiographie und Epitaph finden sich in 9.64.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 04.09.2019 um 12:32 Uhr (Zitieren)
Mein liebster Feind.

Titel des 1999 entstandenen Dokumentarfilms von Werner Herzog über seine Beziehung zu Klaus Kinski.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 04.09.2019 um 12:55 Uhr (Zitieren)
Zu Philetas: Ah ja. Eigenartige Zählung; bei LCL 401e.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 05.09.2019 um 15:23 Uhr (Zitieren)
[Zur Gastronomie in Wien:]
Die Burenwürste sind mit nichts zu rechtfertigen, außer vielleicht mit viel Senf; aber es gibt schon auch noch anderes zu essen, und dabei erwähnen wir hier nicht einmal das Schnitzel.

[Stephan Löwenstein in der Frankfurter Allgemeine vom 5. September 2019]
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 05.09.2019 um 15:54 Uhr (Zitieren)
filix hatte das Paradox schon erkannt - jetzt ist es veröffentlicht:
1800 Zweifel an Bielefeld

Eine Million Euro für Beweis, dass es die Stadt nicht gibt


FRANKFURT, 4. September. Wer auf einer Party sagt, dass er aus Bielefeld kommt, erhält so gut wie immer als Antwort: „Bielefeld gibt es doch gar nicht.“ Viele Bielefelder können über diesen immer gleichen Dialog nicht mehr lachen, die meisten Nicht-Bielefelder finden ihn trotzdem lustig. Wieder andere nehmen die Verschwörungstheorie für bare Münze – die Stadt Bielefeld zum Beispiel.
Sie hat in einem Wettbewerb eine Million Euro für den ersten Einsender ausgelobt, der beweisen kann, dass die Theorie stimmt. In den offiziellen Wettbewerbsbedingungen heißt es: „Der Teilnehmer muss die Nichtexistenz beweisen. Hierzu ist eine erschöpfende Beweisführung erforderlich, die durch nichts und niemanden zu erschüttern ist.“
Die Resonanz ist enorm. „Die Zahl der Einreichungen sprengt unsere kühnsten Erwartungen“, sagt Jens Franzke, der Leiter des Teams Stadtwerbung und Kommunikation. Kurz vor Ende der Einreichungsfrist am Mittwoch um Mitternacht hatten bereits 1800 Menschen mitgemacht. Die meisten von ihnen kommen aus Deutschland, jeder fünfte Beweis aber wurde per Mail aus dem Ausland abgeschickt. Unter den Einsendern sind Menschen aus Weißrussland, Japan und Neuseeland, aus Kanada, Australien und Südamerika.
„Die Bandbreite der Beweise ist riesig“, sagt Franzke. Einige seien „richtig gut gemacht“. Die aussichtsreichsten Bewerber argumentierten mit der Erkenntnistheorie, die auf philosophischer Basis die Voraussetzungen für Erkenntnisgewinn hinterfragt. Andere Einreicher bemühten die Quantenphysik. Ein Mathematiker wiederum schickte eine zweiseitige Herleitung voller komplizierter Formeln. „Am Anfang hat er Bielefeld als Variable eingesetzt, die am Ende herausgekürzt wird“, sagt Franzke. „Als Laie haben Sie da keine Chance. Sie wissen nicht, wo er den Trick eingebaut hat.“
Um diesen und andere Beweise zu prüfen, wird die Marketingabteilung der Stadt in den kommenden Wochen wissenschaftliche Experten hinzuziehen. Anschließend entscheidet ein dreiköpfiges Gremium. „Sollte es jemandem gelingen, die Nichtexistenz zu beweisen, benachrichtigen wir schriftlich“, versichern die Teilnahmebedingungen, in denen der Rechtsweg ausgeschlossen wird.
Was aber, wenn sich jemand damit nicht zufriedengibt und mit seiner „erschöpfenden Beweisführung“ vor ein real existierendes Gericht zieht? Um das zu verhindern, hatte die Marketingabteilung im Vorfeld eine Anwaltskanzlei beauftragt, den Ausschreibungstext zu verfassen. „Wir gehen davon aus, dass unsere Teilnahmebedingungen gerichtsfest sind und wir nichts zu befürchten haben.“
Doch auch an den Fall der Fälle hat er gedacht: Sollte ein Gericht die Stadt anweisen, die Million auszubezahlen, ist das Geld vorhanden. Die Stadt hat nämlich 56 Sponsoren, die ihr jedes Jahr zusammen 330000 Euro für Werbeaktivitäten spenden. Sollte die Million also ausgezahlt werden müssen, wäre „nur“ der Werbeetat für drei Jahre weg, nicht aber das Geld der Steuerzahler. „Das Preisgeld steht zur Verfügung“, beteuert Franzke. Mit einer Einschränkung: „Wenn jemand beweisen kann, dass es uns nicht gibt – wer soll dann das Preisgeld zahlen?“

[Christoph Schäfer in der Frankfurter Allgemeine vom 5. September 2019]

Wenn das nicht der gute alte Fall des Euathlos ist, mit dem hier einst alles begann!
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 05.09.2019 um 15:55 Uhr (Zitieren)
Das hatte filix geschrieben:
filix schrieb am 21.08.2019 um 19:30 Uhr (Zitieren)
Kann die Stadt Bielefeld, die neuerdings durch ihre Marketingabteilung demjenigen eine Million Euro als Prämie verspricht, der einen Beweis der sogenannten Bielefeld-Verschwörung liefert, welche besagt, dass es diese Stadt gar nicht gebe, deren Existenz nur vorgetäuscht werde, die Auszahlung für den Fall, dass ein solcher Beweis, wie immer er aussehen mag, vorgelegt und anerkannt wird, mit der Begründung verweigern, dass ebenso wenig wie die Stadt auch ihre Verwaltung oder Marketingabteilung existiere?
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 08.09.2019 um 13:54 Uhr (Zitieren)
Wenn Psychologen Lügner an bestimmten Merkmalen (Sprachstil, Körpersprache usw.) erkennen, dann werden geschickte Lügner sich gerade bei diesen Merkmale verstellen. So gefährden die Kriterien für die Erkennbarkeit von Lüge deren Erkennbarkeit.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 08.09.2019 um 18:36 Uhr (Zitieren)
Was soll man auch von einer Stadt, die sich als kleine Großstadt sieht (https://tinyurl.com/y6ophhzq), die Irreführung schon heimlich im Namen trägt (Die Ortsnamen der Stadt Bielefeld, S. 41: ... als Billerfeld ‘Irrfeld’ nach Westfäl. Wb. i sp. 720 billeren ‘planlos umherirren’ bzw. Billerbene ‘Irrweg, Abweg’) und Wirkungsstätte eines der einflussreichsten Soziologen war, dessen Denken u.a. um den Beobachter, der sich selbst nicht beobachten kann, kreiste und in der Paradoxie die Orthodoxie einer Gegenwart sah, die alle Letztbegründung von den Prinzipien in unauflösliche Widersprüche verlegt hat (Luhmann: passim), schon erwarten? ;)


---

Die Frage ist, ob eine ars dissimulandi beliebig Zugriff auf diese Indizien entwickeln kann und ob sich nicht vielleicht immer sekundäre Indizien (sozusagen Lügensignale höherer Ordnung) einstellen.

In dem Zusammenhang fällt mir auch die paradoxie Strategie ein, die Baltasar Gracián in seinem sogenannten Handorakel analysiert, welche das Wechselspiel von Täuschung, Durchschauen und folgender Täuschungserwartung des Gegners wiederum zu Täuschungszwecken einsetzt, wobei Lüge und Wahrheit im zweiten Durchgang den Platz tauschen, erstere nun gerade dadurch, dass sie sich am Platz der vermuteten heimlichen Absicht findet, glaubhaft erscheint, während die Wahrheit die Stelle der Täuschung einnimmt, und dadurch unglaubwürdig wirkt.
Man erzähle also dem Gegenüber, das meint, einen zu durchschauen, die Wahrheit als Lüge und lasse ihn geschickt die Lüge, die man ihn glauben machen will, als heimliche Absicht dahinter entdecken, die er für die Wahrheit halten wird.


13. Bald aus zweiter, bald aus erster Absicht handeln.

Ein Krieg ist das Leben des Menschen gegen die Bosheit des Menschen. Die Klugheit führt ihn, indem sie sich der Kriegslisten, hinsichtlich ihres Vorhabens, bedient. Nie thut sie das, was sie vorgiebt, sondern zielt nur, um zu täuschen. Mit Geschicklichkeit macht sie Luftstreiche; dann aber führt sie in der Wirklichkeit etwas Unerwartetes aus, stets darauf bedacht ihr Spiel zu verbergen.

Eine Absicht läßt sie erblicken, um die Aufmerksamkeit des Gegners dahin zu ziehen, kehrt ihr aber gleich wieder den Rücken und siegt durch das, woran Keiner gedacht. Jedoch kommt ihr andrerseits ein durchdringender Scharfsinn durch seine Aufmerksamkeit zuvor und belauert sie mit schlauer Ueberlegung: stets versteht er das Gegentheil von dem, was man ihm zu verstehn giebt, und erkennt sogleich jedes falsche Miene machen.

Die erste Absicht läßt er immer vorüber gehn, wartet auf die zweite, ja auf die dritte. Indem jetzt die Verstellung ihre Künste erkannt sieht, steigert sie sich noch höher und versucht nunmehr durch die Wahrheit selbst zu täuschen: sie ändert ihr Spiel, um ihre List zu ändern, und läßt das nicht Erkünstelte als erkünstelt erscheinen, indem sie so ihren Betrug auf die vollkommenste Aufrichtigkeit gründet.

Aber die beobachtende Schlauheit ist auf ihrem Posten, strengt ihren Scharfblick an und entdeckt die in Licht gehüllte Finsterniß: sie entziffert jenes Vorhaben, welches je aufrichtiger, desto trügerischer war. Auf solche Weise kämpft die Arglist des Python gegen den Glanz der durchdringenden Strahlen Apollo's.

Baltasar Gracián y Morales: Gracian's Orakel der Weltklugheit - Übersetzung: Schopenhauer

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 08.09.2019 um 18:38 Uhr (Zitieren)
paradoxie paradoxe Strategie
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 08.09.2019 um 21:07 Uhr (Zitieren)
Man erzähle also dem Gegenüber, das meint, einen zu durchschauen, die Wahrheit als Lüge und lasse es geschickt die Lüge, die man es glauben machen will, als heimliche Absicht dahinter entdecken, die es sodann für die Wahrheit halten wird.



Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 08.09.2019 um 21:18 Uhr (Zitieren)
Mich nervt das Fehlen einer Möglichkeit, die Beiträge zu korrigieren, ungemein. Könntest Du, nachdem ich schon einmal ergebnislos einen Vorstoß unternommen habe, Albert für eine Implementation der im Lateinforum zur Verfügung stehenden Funktionen zu gewinnen versuchen? Als Gründungsmitglied, Chief Content Producer und überhaupt und sowieso.

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 08.09.2019 um 22:42 Uhr (Zitieren)
Sehr schön, das mit dem Gracián - und sogar in der Textform, die Schopenhauer ihm gegeben hat, nicht in der einer der zahlreichen Überarbeitungen.
Arthur Hübscher bietet sie in seiner Ausgabe des Handschriftlichen Nachlasses, Bd. IV/2.

***

Diese Funktion habe auch ich mir schon des öfteren gewünscht. Und Albert Martin hat auf Deinen Vorstoß nicht reagiert? Dann bin ich gespannt, ob & wie er auf meinen antwortet. Ich werde die Möglichkeit für Dich und mich beantragen. Ob man ihm dafür die E-Mail-Adresse mitteilen muß? Meine hat er ja dann, wenn ich ihm schreibe.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 08.09.2019 um 22:49 Uhr (Zitieren)
Abgeschickt. Abwarten.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 08.09.2019 um 22:58 Uhr (Zitieren)
Danke. Ich habe Albert Martin deswegen schon mindestens einmal kontaktiert, das ist aber mittlerweile gewiss mehr als zwei Jahre her. Er hat das Anliegen, sagen wir einmal, höflich ignoriert. Ich fände eine Ausrichtung der Funktionen am Lateinforum jedenfalls vorteilhaft, d.h. die "Registrierung" wäre optional und für das Verfassen keine Voraussetzung. Wer Beiträge ändern möchte, könnte dies über die Eingabe eines bei ihm beantragten Passworts im Eingabefeld "Name:" tun, das Pseudonym wäre dadurch auch geschützt.

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 08.09.2019 um 23:23 Uhr (Zitieren)
Aha, mit Registrierung & Paßwort.
Nun, beim letzten Anliegen hat er ja auf meine Anfrage reagiert - aber ich hüte mich vor Induktionsschlüssen.
Ich habe Dich als zweiten Interessenten genannt; ggfs. mußt Du Dich dann mit ihm in Verbindung setzen. Was ich weiß bzw. erfahre, werde ich hier hinterlegen.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 16.09.2019 um 12:40 Uhr (Zitieren)
Auch auf meine Anfrage habe ich keine Antwort erhalten. Ich werde nachhaken.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 18.09.2019 um 17:17 Uhr (Zitieren)
Im Herbst wird es abends immer früher spät.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 18.09.2019 um 22:26 Uhr (Zitieren)
Die einzige Tragödie ist, dass wir uns nicht als tragisch empfinden können.

Pessoa: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares (Fragment 107)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 18.09.2019 um 22:29 Uhr (Zitieren)
Der Webmaster hat nun reagiert: starke Arbeitsbelastung derzeit; Korrekturfunktion soll eingebaut werden, sobald er wieder etwas mehr Zeit für sein Webhobby hat.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 18.09.2019 um 22:35 Uhr (Zitieren)
Danke, auf der Titanic wird also noch repariert. Ich fürchte allerdings, dass dieses Forum die Folgen der EU-Urheberrechtsreform nicht überstehen wird.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 19.09.2019 um 18:39 Uhr (Zitieren)
In der Tiefgarage unseres Hauses standen Bauarbeiten an, weshalb mir die Hausverwaltung mitteilte, meine Frau müsse an dem betreffenden Tag, nämlich morgen, ihr Auto anderswo parken. Das habe ich ihr pflichtgemäß ausgerichtet: „Du mußt morgen dein Auto falsch parken, weil an deinem Stellplatz gebaut werden soll.“
Als sie am nächsten Morgen von einer mit dem Auto erledigten Besorgung heimkam, fragte ich sie besorgt: „Hast du auch falsch geparkt?“
„Ja“, beruhigte sie mich, „ich habe falsch geparkt.“
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 23.09.2019 um 13:33 Uhr (Zitieren)
Immer hatte der Leiter der Schule
In den verschiedenen Pausen kleiner und größerer Art
Sein Fenster mehrmals geöffnet
Und in den Hof hinuntergerufen:
"Ungezwungen, seid ungezwungen!
Kinder, seid ungezwungen, ungezwungen!"

Mehrmals am Tage habe
So Kastner
Der Leiter dieses Stück Wort in den Hof gerufen

Hanns-Dieter Hüsch: Hagenbuch und die Erziehung
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 23.09.2019 um 13:55 Uhr (Zitieren)
Sehr schön!
Als bibliographische Angabe habe ich gefunden:
Hanns-Dieter Hüsch: ... dass die Erziehung seiner Kinder eine völlig verfahrene war. Die Hagenbuch-Texte. Berlin 2015 (E-Book)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 23.09.2019 um 14:39 Uhr (Zitieren)
Ferner, der Niederrheiner weiß nix, kann aber alles erklären. Umgekehrt, wenn man ihm etwas erklärt, versteht er nichts, sagt aber dauernd: Ist doch logisch! Wenn man dann fragt: Wieso logisch?, antwortet er meist: Ja, wieso, weiß ich auch nicht. Wenn man dann fragt: Wieso sagst du dann dauernd "Ist doch logisch!"?, sagt er oft: Man wird doch noch mal etwas in Frage stellen dürfen!

Hanns-Dieter Hüsch: Am Niederrhein (1987)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 23.09.2019 um 14:55 Uhr (Zitieren)
Erkenne dich selbst, bedeutet nicht: Beobachte dich. Beobachte dich ist das Wort der Schlange. Es bedeutet: Mache dich zum Herrn deiner Handlungen. Nun bist du es aber schon, bist Herr deiner Handlungen. Das Wort bedeutet also: Verkenne dich! Zerstöre dich! also etwas Böses - und nur wenn man sich sehr tief hinabbeugt, hört man auch sein Gutes, welches lautet: "Um dich zu dem zu machen, der du bist".

Kafka: Die acht Oktavhefte in: Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem Nachlaß, S. Fischer (1980) S. 59
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 23.09.2019 um 15:19 Uhr (Zitieren)
Mein Omma väterlicherseits
war eine geborene Husmann Katharina,
das war die, die immer sagte:
"Geh ma auf de Bank sitzen."
In Homberg am Niederrhein,
da sagt man nämlich nicht: "Nimm Platz",
sondern da sagt man: "Geh sitzen",
in Homberg am Niederrhein,
wo mein Omma im Garten immer nach den Tomaten
und Stachelbeeren guckte
und wo Onkel Fritz der Lieblingsbruder von Tante Liese
auch mal Bürgermeister war
und wo der Rhein oft über die Felder bis ins Haus kam,
da sagt man: "Geh sitzen".
Die Engländer sagen ja auch:
"I am going to see",
das heißt: "Ich bin gehend am sehen".
Dat is von Egland über Holland
zu uns an den Niederrhein gekommen.
Und wenn meine Omma väterlicherseits sagte:
"Geh ma auf de Bank sitzen",
da wußte ich nie, wat ich machen sollte.
Ich bin dann immer erst drei Schritt auf de Bank gegangen,
un dann erst hab ich mich, plumps, hingesetzt.
Dat is zwar ein ziemlich krummes Deutsch,
geh ma auf de Bank sitzen,
aber sowat von gemütstief
kriegen se später nie wieder,
nie.

(Hanns-Dieter Hüsch: Mein Traum vom Niederrhein. Duisburg ²1997, S. 11-13)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 23.09.2019 um 15:24 Uhr (Zitieren)
Egland --> England
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Marcella schrieb am 24.09.2019 um 19:02 Uhr (Zitieren)
War die "repressive Toleranz" des Herbert Marcuse schon da? Ich bin nicht sicher,ob ich das für kritische Geister exakt genug erklären kann.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Marcella schrieb am 24.09.2019 um 19:02 Uhr (Zitieren)
War die "repressive Toleranz" des Herbert Marcuse schon da? Ich bin nicht sicher,ob ich das für kritische Geister exakt genug erklären kann.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 24.09.2019 um 22:44 Uhr (Zitieren)
Nein, "repressive Toleranz" gab's noch nicht. Überhaupt haben wir die Marxisten mit ihrer Dialektik bisher vernachlässigt.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 24.09.2019 um 23:21 Uhr (Zitieren)
Ich hab es in meine Sammlung übernommen. Danke für den Hinweis.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 27.09.2019 um 22:47 Uhr (Zitieren)
Eine Dame fragt in New York den Busfahrer: „Sind Sie Jude?“ Der verneint, sie läßt aber nicht locker, fragt noch mal und noch mal. Um die Sache zu beenden, sagt der Fahrer schließlich: „Wenn Ihnen so viel daran liegt, ja, ich bin Jude.“ Sie lehnt sich tief befriedigt zurück, mustert ihn noch einmal und meint: „Sie sehen nicht so aus.“

(Martin Grotjahn: Vom Sinn des Lachens; zitiert nach einem Leserbrief in der Frankfurter Allgemeine vom 27. September 2019)

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 29.09.2019 um 23:18 Uhr (Zitieren)
Ein Mensch kann abwesend anwesend sein, z.B. wenn sich den ganzen Abend lang das Gespräch um ihn dreht.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 30.09.2019 um 14:06 Uhr (Zitieren)
Ob der Untote, der Zombie, diese paradoxe Existenzform zwischen Tod und Leben, sich schon in der Sammlung findet, weiß ich nicht.
Ich habe aber bei Dante im letzten Gesang des Inferno einen schönen Beleg gefunden. Dante erblickt den im Eis eingefrorenen Satan:

Io non mori' e non rimasi vivo:
pensa oggimai per te, s'hai fior d'ingegno,
qual io divenni, d'uno e d'altro privo.

Ich starb nicht hin und blieb auch nicht lebendig;
denk dir's jetzt selber aus, wenn du ein Blättchen Phantasien hast,
was da aus mir wurde, wo ich den Tod nicht hatte,
und das Leben auch nicht.

(Inf. XXXIV, 25ff. - Übersetzung: Hartmut Köhler)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 30.09.2019 um 14:08 Uhr (Zitieren)
Die Ermahnung, sich nicht gehen zu lassen und nicht in Selbstmitleid zu versinken, quittierte er mit den Worten: Ich habe kein Selbstmitleid, ich bin einfach so arm!
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 01.10.2019 um 12:53 Uhr (Zitieren)
Geschenk des Lebens? Dankbarkeit? Gott hätte mich gefälligst erstmal fragen sollen, bevor er mich geschaffen hat!

***

Zu allen Zeiten haben die alten Leute über die jüngeren geschimpft und über den Verfall der Sitten. Aber wir sind die erste Generation, die recht damit hat!
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 01.10.2019 um 13:23 Uhr (Zitieren)
Kann das Problem, das jemand mit der Unzuverlässigkeit eines anderen hat, mit einem Versprechen von dessen Seite gelöst werden?
A: „Man kann sich auf deine Versprechen nicht verlassen.“
B: „Ich verspreche, daß ich mich bessern werde.“

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 02.10.2019 um 14:23 Uhr (Zitieren)
Die Tatsache, daß ich Paranoiker bin, bedeutet nicht, daß sie nicht hinter mir her sind.

(Philip K. Dick)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Marcella schrieb am 04.10.2019 um 10:15 Uhr (Zitieren)
Es gibt die "schöpferische Zerstörung" (creative destruction) des Kapitalismus (Schumpeter). Die Ergebnisse lassen sich rund um den Globus besichtigen.

Gandhi befahl seiner Frau, sich zu emanzipieren.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Marcella schrieb am 04.10.2019 um 11:17 Uhr (Zitieren)
Karoline von Günderode: Liebe

O reiche Armut!
Gebend seliges Empfangen!
In Zagheit Mut!
In Freiheit, doch gefangen.
In Stummheit Sprache.
Schüchtern bei Tage.
Siegend mit zaghaftem Bangen.

Lebendiger Tod,
In Einen sel´ges Leben.
Schwelgend in Not,
Im Widerstand ergeben.
Genießend schmachten,
Nie satt betrachten,
Leben im Traum und doppelt Leben.


WER TOPPT DAS?
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 04.10.2019 um 11:44 Uhr (Zitieren)
Mal Gedichte in Betracht zu ziehen, ist ein guter Einfall.
Und überhaupt: Liebe als Paradox!
Paul Fleming
(1609-1640)

LIEBESQUAL

Ist dieses nun das süße Wesen,
Nach dem mich so verlanget hat?
Ist dieses der gesunde Rat,
Ohn den ich konnte nicht genesen,
Und ist dies meiner Wehmut Frucht,
Die ich so emsig aufgesucht?

Wie unverwirrt ist doch ein Herze,
Das nicht mehr als sich selbst erkennt,
Von keiner fremden Flamme brennt,
Selbst seine Lust und selbst sein Schmerze!
Seit daß ich nicht mehr meine bin,
So ist mein ganzes Glücke hin.

Ich schlaf, ich träume bei dem Wachen,
Ich ruh und habe keine Ruh.
Ich tu und weiß nicht, was ich tu;
Ich weine mitten in dem Lachen.
Ich denk, ich mache dies und das;
Ich schweig, ich red und weiß nicht was.

Die Sonne scheint für mich nicht helle,
Mich kühlt die Glut, mich brennt das Eis.
Ich weiß und weiß nicht, was ich weiß.
Die Nacht tritt an des Tages Stelle.
Itzt bin ich dort, itzt da, itzt hier.
Ich folg und fliehe selbst vor mir.

Wie wird mirs doch noch endlich gehen?
Ich wohne nunmehr nicht in mir.
Mein Schein nur ist es, den ihr hier
In meinem Bilde sehet stehen.
Ich bin nun nicht mehr selber ich.
Ach Liebe, wozu bringst du mich!

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 05.10.2019 um 01:12 Uhr (Zitieren)
Dem Spott des französischen Volksmundes über die polytechniciens verdanken sich paradoxe Formulierungen wie C'est un homme qui sait tout et rien d'autre, die sich in viele Sprachen verbreitet hat. Zuletzt begegnet ist mir eine Variante in Roberto Begninis Huldigung an Dante ("Il mio Dante"), wo daraus ein angebliches Machiavelli-Zitat wird:

Ci sono persone che sanno tutto e questo è tutto quello che sanno.
Es gibt Leute, die alles wissen, und das ist alles, was sie wissen.

Damit verwandt ist die Selbstcharakterisierung des österreichischen Kabarettisten Günther "Gunkl" Paal als Experte für eh alles.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 05.10.2019 um 01:48 Uhr (Zitieren)
hat haben


---

Beckett: Yet I speak of an art turning from it in disgust, weary of puny exploits, weary of pretending to be able, of being able, of doing a little better the same old thing, of going a little further along a dreary road.

Duthuit: And preferring what?

Beckett: The expression that there is nothing to express, nothing with which to express, nothing from which to express, no power to express, no desire to express, together with the obligation to express.

Samuel Beckett: Proust and Three Dialogues with Georges Duthuit (Calder and Boyars, London (1965), S. 103

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Marcella schrieb am 08.10.2019 um 12:00 Uhr (Zitieren)
Less is more. Mies van der Rohe (glaube ich).
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 08.10.2019 um 13:20 Uhr (Zitieren)
Less is more. Mies van der Rohe (glaube ich)

More or less: https://de.wikipedia.org/wiki/Weniger_ist_mehr

Dort zu finden ist auch die Extrapolation durch Rem Koolhaas "If less is more, maybe nothing is everything".
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 08.10.2019 um 13:35 Uhr (Zitieren)
(Ein Zwischenstand: meine Sammlung, die nicht völlig, aber weitgehend gleich ist mit den beiden Threads hier, umfaßt inzwischen 481 Paradoxien.)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 08.10.2019 um 14:10 Uhr (Zitieren)
Sammelst Du auch visuelle und akustische Paradoxien (z.B. die auf Shepardtönen basierenden scheinbar unendlich an- oder absteigenden Tonfolgen: https://www.youtube.com/watch?v=OsBanpBQj0k)?
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 08.10.2019 um 14:35 Uhr (Zitieren)
Bilder ja, Escher und sowas. Aus dem Bereich der Musik habe ich bisher nur das schöne Grab des Komponisten Alfred Schnittke, von dem es bei Wikipedia eine Abbildung gibt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Schnittke

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 15.10.2019 um 00:14 Uhr (Zitieren)
Christus ist im Jahre 4 vor Christi Geburt geboren.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Johannes schrieb am 15.10.2019 um 09:21 Uhr (Zitieren)
"Nach Mt 2,1 ff. und Lk 1,5 wurde er zu Lebzeiten des Herodes geboren, der nach Josephus 4 v. Chr. starb. Demnach wurde Jesus wahrscheinlich zwischen 7 und 4 v. Chr. geboren."

Ganz genau kann man es also nicht sagen.

Dass Jesus eine literarische Fiktion ist, wird
auch heute noch behauptet.
Fakt ist, dass wir über den historischen Jesus
fast nichts wissen.

https://www.spin.de/forum/msg-archive/203/2010/03/19319
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 15.10.2019 um 12:18 Uhr (Zitieren)
Nein, genau kann man es nicht sagen, aber spätestens 4 v. Chr.
Die Paradoxie funktioniert auch mit Deiner Version, sofern man "Jesus" mit "Christus" erweitert und das "v. Chr." ausschreibt:
Demnach wurde Jesus Christus wahrscheinlich zwischen 7 und 4 vor Christus geboren.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Gast schrieb am 15.10.2019 um 12:56 Uhr (Zitieren)
Zum (Jesus) Christus wurde er erst n.Chr. durch seine Auferstehung (ca. 30 n. Chr.).
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 15.10.2019 um 13:13 Uhr (Zitieren)
Und doch rechnet man gemeinhin "ab/nach Christi Geburt" (post Christum natum), nicht ab der Auferstehung.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 15.10.2019 um 13:15 Uhr (Zitieren)
... und auch nicht ab Jesu Geburt (n. J.).
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Gast schrieb am 15.10.2019 um 13:34 Uhr (Zitieren)
Da man ihn im Nachhinein aufgrund seiner Anastasis als den Christus/Gesalbten Gottes identifizierte, wurden die Namen schnell verschmolzen und er firmiert seitdem vorwiegend
unter dem Doppelnamen.
Die Auferstehung wird theologisch auch als Bestätigung seiner Sendung durch Gott gesehen (Messias).
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 16.10.2019 um 22:23 Uhr (Zitieren)
Zwei Filmszenen im jüdischen Milieu ("Der letzte Komödiant" mit Billy Crystal):

I.
„Ein tolles Restaurant! Die haben sogar einen koscheren Schweinebraten. Ich weiß auch nicht, wie die das machen.“

II.
„Diese beiden Frauen, das waren eineiige Cousinen. Wie ist das möglich?“
„Haben die Deutschen nicht an sowas gearbeitet?“
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 22.10.2019 um 00:12 Uhr (Zitieren)
Beide Seiten müssen verlieren, damit eine Win-win-Situation entsteht.

Der amtierende serbische Präsident Vučić in einem Interview zu den Verhandlungen mit dem Kosovo über künftige Beziehungen. Der Standard, 21. Oktober 2019.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 27.10.2019 um 22:16 Uhr (Zitieren)
„Kleinmann, Sie sind völlig inkompetent.“
„Ich? Nein! Ich weiß gar nicht genug, um inkompetent zu sein!“

(Woody Allen in „Schatten und Nebel“, 1991)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 29.10.2019 um 12:59 Uhr (Zitieren)
Alle Laster sind zu etwas gut
Nur der Mann nicht, sagt Baal, der sie tut.
Laster sind was, weiß man was man will.
Sucht euch zwei aus: Eines ist zu viel!

Bertolt Brecht: Baal (Letzte Fassung 1955)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 29.10.2019 um 16:55 Uhr (Zitieren)
Ich, Borderliner

Hallo Claudia,

auf dein unfaires und gemeines Verhalten mir gegenüber in der vorigen Woche möchte ich kurz eingehen, auch wenn es mich im Grunde nicht trifft, weil du mir nämlich am Arsch vorbeigehst. Dass das, was du mit mir gemacht hast, unmöglich war, ist klar, da kannst du auch gerne Brigitte und Thorsten fragen. Die sehen das auch so, beide. Du denkst sicher, dass die mir nur schmeicheln wollen, aber da irrst du dich gewaltig. Das sind echte Freunde, nicht nur so falsche Schlangen wie du eine bist.
Wie du damals gesagt hast, ich hätte den Tisch falsch gedeckt, die Gabel auf die falsche Seite vom Teller gelegt, angeblich, da ist mir das klar geworden. Das habe ich dir nicht vergessen! Immer nimmst du dir irgendeine Kleinigkeit zum Vorwand, meinst aber eigentlich etwas ganz anderes. Schon wie du mich dabei angeschaut hast, habe ich gemerkt, dass du mich bloß fertigmachen willst und du deshalb irgendwas vorschiebst, um mir mal wieder das Gefühl zu geben, dass ich nichts richtig mache und zu nichts tauge.
Es tut mir Leid, wenn ich mal etwas falsch mache, obwohl ich die Gabel gar nicht auf die falsche Seite gelegt habe, denn rechts ist richtig, das Messer muss links. Aber natürlich mache ich manchmal Fehler. Du aber auch! Ich meine nur, dass es dir eigentlich gar nicht darum geht. Du kannst mich einfach nicht leiden, du hältst mich für unsympathisch, deshalb mache in deinen Augen alles falsch. Brigitte und Thorsten, die kennen mich besser, die mögen mich total.
Erinnerst du dich noch, wie du gesagt hast, dass es etwas wärmer sein könnte in der Wohnung? Klar erinnerst du dich. Was für eine hinterhältige Art mir zu sagen, dass ich zu geizig bin, um beim Essen mit Freunden die Heizung hochzudrehen! Aber das ist typisch für dich.
Nicht dass ich nachtragend wäre! Wenn du deine Fehler einsiehst und dich entschuldigst, dann können wir uns gerne wieder vertragen. Du darfst nur nicht glauben, dass ich darauf warte, dazu bist du mir viel zu unwichtig.
Ich bin überhaupt viel lieber allein, ich brauche keine anderen Leute, um mich toll zu fühlen. Ich weiß, daß ich Schwächen habe und nicht so ein Sympathiebolzen bin wie du. Deshalb hast du ja auch viel Erfolg bei anderen Leuten. Es kann halt nicht jeder so liebenswürdig sein wie du. Ich bin oft zu gereizt und empfindlich.
Aber manchmal bist du auch gemein, so wie bei dem Tischdecken. Dann solltest du einfach mal die Größe haben, dich zu entschuldigen.
Bei nächster Gelegenheit. Jetzt will ich erstmal meine Ruhe haben und niemanden sehen. Schon gar nicht dich. Du kommst mir sehr klein vor. Als Mensch, meine ich. Nie zeigst du Gefühle, niemals Wärme. Auf dich kann man sich einfach nicht verlassen!
Das musste ich dir mal sagen.
Barbara

***

Hallo Brigitte,

ich muss dir kurz sagen, dass ich dein Verhalten überhaupt nicht in Ordnung fand, als wir vorige Woche mit Claudia und Thorsten zusammen waren. Es ist mir zwar im Grunde egal, aber ...

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 29.10.2019 um 17:00 Uhr (Zitieren)
"Ich, Borderliner": Wolfgang Weimer, 2017
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Marcella schrieb am 03.11.2019 um 10:40 Uhr (Zitieren)
Gab es diesen Satz, Heraklit zugeschrieben, schon? "Die ohne Verstand hören, gleichen Tauben; die Redensart bezeugt es ihnen: Anwesend sind sie abwesend´" (...phatis autosi marturei: pareontas apeinai. Bei Clemes Alex.)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 03.11.2019 um 13:23 Uhr (Zitieren)
Es gibt hier, leider ziemlich versteckt, eine Suchfunktion (rechts oben bei geöffnetem Thread).


Don't trust what you know.

Von einem Priester empfohlene Klugheitsregel für das Überleben im Widerstand, die er einem Untergrundkämpfer auf den Weg durch die Nacht mitgibt. Ang Hupa (Lav Diaz, Philippinen 2019) - https://www.hollywoodreporter.com/review/halt-review-1212084.



Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 13.11.2019 um 12:57 Uhr (Zitieren)
Eine mäßig intelligente Handlung ihres Mannes kommentiert seine Frau: "Das kommentiere ich jetzt nicht."
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 13.11.2019 um 16:37 Uhr (Zitieren)
Das Auswahlparadoxon: Je mehr Wahlmöglichkeiten, desto schwieriger die Wahl.

[Quelle: Dynamische Wege aus dem Dilemma – Interview mit der Psychologin Katharina Voigt; in: Frankfurter Allgemeine vom 13. November 2019]
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Platon schrieb am 13.11.2019 um 17:22 Uhr (Zitieren)
Besser und unparadox bekannt als:

Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 13.11.2019 um 18:05 Uhr (Zitieren)
Wenn man es paradox(er) will: Je mehr Wahlmöglichkeiten (wegen Vielfalt), desto weniger Wahlmöglichkeiten (wegen Qual).
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 14.11.2019 um 00:19 Uhr (Zitieren)
quid velit et possit rerum concordia discors?

(Horaz, epist. I 12, 19)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 14.11.2019 um 12:26 Uhr (Zitieren)
Lebenspraktisches Paradoxon:

Wer weiß (i. S. v.: man wird schon sehen), wozu das Schlechte gut ist!
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 19.11.2019 um 23:05 Uhr (Zitieren)
Fati ista culpa est: nemo fit fato nocens.

[Seneca: Oedipus, V. 1019]
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 24.11.2019 um 23:21 Uhr (Zitieren)
Ich bete zu Gott und entschuldige mich bei ihm dafür, daß ich nicht an ihn glaube.

(Laura Karasek im WDR-Fernsehen am 24. November 2019)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 26.11.2019 um 13:46 Uhr (Zitieren)
Eine Vorliebe für Nahrung, an die eine Spezies eigentlich nicht angepasst ist, kommt im Tierreich so häufig vor, dass es dafür einen eigenen Begriff gibt: Liems Paradoxon. Der 2009 verstorbene Biologe Karl Liem von der Harvard University stieß in den 1980er Jahren im Norden Mexikos auf ein interessantes Phänomen: Der hier vorkommende Buntbarsch Herichthys minckleyi besitzt flache, kieselsteinartige Zähne, die sich hervorragend zum Aufknacken harter Schneckenhäuser eignen. Doch die Süßwas-serfische schwimmen an den Schnecken vorüber, wenn es weichere Nahrung gibt. Warum entwickeln sich in der Evolution Zähne, die auf weniger bevorzugtes, selten verzehrtes Futter spezialisiert sind? Solange diese Spezialisierung den Verzehr weicher Nahrung nicht behindert, stehen damit bei Bedarf mehr Möglichkeiten offen. Das Paradoxon besteht also weniger darin, dass ein Tier die Nahrung meidet, an die es angepasst ist, sondern dass eine spezialisierte Anatomie mit einer generalisierten Ernährung einhergehen kann.

(Quelle: Die wahre Steinzeitdiät; in: Spektrum der Wissenschaft 12.19, S. 37)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 28.11.2019 um 16:14 Uhr (Zitieren)
Ein Kurznachrichten-Wechsel zweier Vetter, Jacob und Tamir Bloch:
Was hat sich verändert?

Alles. Nichts.

Verstehe.

Wir sind nun mal, wer wir sind.
Dieses Eingeständnis stellt
die Veränderung dar.

Daran arbeite ich auch.

(Jonathan Safran Foer: Hier bin ich. Köln 2016, S. 654(
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 30.11.2019 um 13:53 Uhr (Zitieren)
Das gehört auch noch hier hinein:
τὸ κινούμενον οὔτ‘ ἐν ᾧ ἔστι τόπῳ κινεῖται οὔτ‘ ἐν ᾧ μὴ ἔστι.

Das sich Bewegende bewegt sich weder an dem Ort, an dem es ist, noch an dem, an dem es nicht ist.

(Zenon gem. Diogenes Laërtios IX 72)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 30.11.2019 um 14:44 Uhr (Zitieren)
Frauenfeindlich bin ich nicht. Das würde mir meine Frau auch gar nicht erlauben.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 04.12.2019 um 16:28 Uhr (Zitieren)
Ich bin der bekannteste unbekannte Schriftsteller der Welt.

(Ambrose Bierce)

I’m in the very first row of second class writers.

(W. Somerset Maugham)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Gast schrieb am 04.12.2019 um 18:36 Uhr (Zitieren)
bekannteste unbekannte Schriftsteller

Oxymoron, kein Paradoxon?
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 05.12.2019 um 16:30 Uhr (Zitieren)
Was ist denn da der Unterschied?
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 06.12.2019 um 18:31 Uhr (Zitieren)
Eine Busfahrerin im Streitgespräch mit einem weiblichen Fahrgast, der seinen Fahrschein nicht ohne weiteres vorzeigen wollte und extrem laut diskutierte:
Die Fahrerin: „Schreien Sie mich nicht so an!“
Die Frau: „Ich bin taub.“

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 07.01.2020 um 10:52 Uhr (Zitieren)
πᾶσαν μὲν οὖν φαντασίαν οὐκ ἂν εἴποι τις ἀληθὴ διὰ τὴν περιτροπήν, καθὼς ὅ τε Δημόκριτος καὶ ὁ Πλάτων ἀντιλέγοντες τῶι Πρωταγόραι ἐδίδασκον. εἰ γὰρ πᾶσα φαντασία ἐστὶν ἀληθής, καὶ τὸ μὴ πᾶσαν φαντασίαν εἶναι ἀληθῆ κατὰ φαντασίαν ὑφιστάμενον ἔσται ἀληθές, καὶ οὕτω τὸ πᾶσαν φαντασίαν εἶναι ἀληθῆ γενήσεται ψεῦδος.

Man kann nicht behaupten, daß jede Vorstellung wahr sei - weil sich der Satz umkehren läßt, wie Demokrit und Platon im Widerspruch gegen Protagoras gezeigt haben. Denn wenn jede Vorstellung wahr ist, dann ist auch der Satz, daß nicht jede Vorstellung wahr ist, wenn man sich seinen Inhalt vorstellt, wahr; und so wird der Satz, daß jede Vorstellung wahr ist, falsch.

[Überliefert von Sextus Empiricus VII 389; gr. Diels 55, 114; dt. Capelle 440, 122]
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 07.01.2020 um 10:52 Uhr (Zitieren)
Ich verspreche dir X [z.B.: dich zu besuchen], aber ich kann dir nicht sagen, ob ich dieses Versprechen auch halten werde.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 07.01.2020 um 10:53 Uhr (Zitieren)
Ich glaube, hilf meinem Unglauben.

[Jahreslosung der Evangelischen Kirche Deutschlands für 2020]
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 12.01.2020 um 03:07 Uhr (Zitieren)
Auf einem Spaziergang entdeckte ich neulich eine in die schwarz gestrichene Außenmauer einer Bar eingelassene chromglänzende Türklingel, darunter eine Plakette mit der Aufschrift: "This doorbell is only here to remind you to keep quiet while being outside. Never ring it." Die paradoxe Intervention gilt offensichtlich den vom Gesetz vor die Tür verbannten Rauchern, die sich nächtens dort versammeln.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 12.01.2020 um 03:14 Uhr (Zitieren)
Er hat die herzlosen Augen eines über alles Geliebten.

Elias Canetti (Die Provinz des Menschen, 1942) Geliehen unter anderem von Alexander Kluge.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικίσκος schrieb am 12.01.2020 um 18:47 Uhr (Zitieren)
ars est artem celare.

(mittelalterlichen Ursprungs)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 12.01.2020 um 19:48 Uhr (Zitieren)
Die Grammatik der Untoten

Heute ist Diner bei Flaubert: Théo [i.e.Théophile Gautier], Turgenjew und ich. [...] Théo, der, eine Hand auf seinem schmerzenden Herzen, mit leerem Blick und das Gesicht weiß wie die Maske eines Pierrots, die Treppe hinaufgestiegen ist, abwesend, stumm, taub, ißt und trinkt mechanisch, so wie man sich einen bleichen Schlafwandler vorstellt, der im Mondschein diniert ... Er hat schon etwas von einem Sterbenden, der kaum mehr erwacht und seinem traurigen und beschränkten Selbst nur entkommt, wenn er von Gedichten und Poesie sprechen hört. [...] Als wir uns vom Tisch erheben, läßt sich Gautier auf einen Diwan fallen und sagt: "Im Grunde interessiert mich nichts mehr, mir scheint, ich gehöre nicht mehr in diese Zeit. Ich bin gerne bereit, in der dritten Person von mir zu sprechen mit den Aoristen der zweiten Praeteriti [im Original unnachahmlich: avec les aoristes des prétérits trépassés] ... Mir ist, als wäre ich bereits gestorben!

Tagebuch der Gebrüder Goncourt, 2. März 1872
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
mitleser schrieb am 14.01.2020 um 20:44 Uhr (Zitieren)
Werte gewinnen an Wert, wenn sie an Wert verlieren.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 25.01.2020 um 16:38 Uhr (Zitieren)
Der Syrer Mustafa Khalifa wird in Syrien unter dem Vorwurf verhaftet, er sei Mitglied einer illegalen Organisation. Bei der Einlieferung ins Gefängnis wird Khalifa mit verbundenen Augen einer Bastonade unterzogen. Dabei kommt es zu folgendem Dialog:
„Bei Gott, beim Leben des Herrn, ich weiß nicht, wonach Sie fragen! Von welcher Organisation reden Sie?“
[...]
„Die Organisation der Schwuchteln wie du eine bist. Die Organisation der Muslimbrüder ... Kennst du deine Organisation etwa nicht?“
[...]
„Aber ich bin Christ, Sīdi ... ich bin Christ!“
„Was sagst du, du Hurensohn? Du bist Christ? Verdammte Scheiße ... Warum hast du das nicht vorher gesagt? Warum haben sie dich dann hergebracht? Du hast bestimmt ein ganz großes Ding gedreht! Ein Christ, sagt er?!“
„Sie haben mich ja gar nicht danach gefragt, Sīdi. Aber nicht nur das, ich bin nicht nur Christ, ich bin sogar Atheist ... ich glaube nicht an Gott!“
Bis jetzt habe ich keiner Erklärung für diesen Unsinn. Warum hatte ich diesem Ermittler gegenüber erklärt, ich sei Atheist? Ich weiß es nicht.1)
„Und Atheist sogar?!“ sagte er nachdenklich.
„Ja, wirklich. Bei Gott! Sehen Sie doch in meinem Reisepaß nach!“
Der Rotgesichtige schwieg eine Weile, die mir sehr lange vorkam. Ich hörte, wie sich seine Schritte entfernten. Dann sagte er deutlich:
„Atheist, sagt der! Also so was! Aber wir sind doch ein islamischer Staat! Ayyub ... mach weiter!“
Und damit setzte Ayyubs Rohrstock seine Arbeit fort.

[Mustafa Khalifa: Das Schneckenhaus. Bonn 2019, S. 14-16)[/i]

1) Mustafa Khalifa ist Atheist; aber es erweist sich in der Folgezeit seiner dreizehnjährigen Haft als katastrophaler Fehler, das in einem islamischen Land offen gesagt zu haben – sogar im Gefängnis eines islamischen Landes

Vgl. auch:
Five years after the Good Friday Agreement (GFA), I was in Belfast again for work. This time there was no border, no indignity and no fear.
Hearing my Dublin accent, a man in his sixties asked, “Are you Catholic or Protestant?”
“Neither, I’m atheist!” I said triumphantly.
“Yes, but are you a Catholic atheist or a Protestant atheist?”
Religion in Northern Ireland is like the Hotel California, I was told. You can check out, but you can never leave.


(Tess Finch-Lees: Anyone who thinks Brexit won’t bring back violence to Ireland doesn’t understand the Good Friday Agreement. The Independent, Tuesday 10 April 2018 - tinyurl.com/y9hazyr9)[/i]

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 26.01.2020 um 00:43 Uhr (Zitieren)
"Hotel California" ist ein Song von den Eagles, auf den hier angespielt wird.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 26.01.2020 um 12:32 Uhr (Zitieren)
STANDARD: Unter Ihren damaligen Bandkollegen gab es auch IM-Stasi-Spitzel (IM: Inoffizieller Mitarbeiter, Anm.). Sind Sie nicht wütend auf den repressiven Überwachungsstaat DDR?

Flake: Auf IM-Spitzel in den Bands bin ich nicht wütend. Denn die haben durch ihren IM-Status oft erst ermöglicht, dass die Bands überhaupt existieren konnten. Die Stasi hat ja nicht ihre eigenen Leute eingesperrt. Bestes Beispiel dafür ist die DDR-Band Die Firma. Die wurde von IM-Spitzeln gegründet. Der Gag bestand darin, dass "Die Firma" eigentlich ein Synonym für "Stasi" war. Von der Stasi gedeckt, haben die dann staatsfeindliche Texte gesungen. Fast schon wieder genial.

Aus einem Interview mit dem Rammstein-Keyboarder Flake in: Der Standard, 26. Jänner 2020
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 26.01.2020 um 18:21 Uhr (Zitieren)
Ich versuche, die Kursivschrift wegzubekommen. [/i]
Test
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 26.01.2020 um 18:21 Uhr (Zitieren)
Test
Test
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 26.01.2020 um 18:22 Uhr (Zitieren)
Nein, es funktioniert nicht.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 27.01.2020 um 00:18 Uhr (Zitieren)
Zitat von Γραικύλος am 25.1.20, 16:3825.01.2020 um 16:38 Uhr

Im abschließenden [/i] dieses Beitrags steckt offenbar der Übeltäter.

Wie bewerkstelligst Du in der Regel die typographischen Auszeichnungen (fett/kursiv/etc.)? Stimmt meine Vermutung: per manueller Eingabe der Steuercodes (Eckige Klammern + b/f/etc.)?

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 27.01.2020 um 13:39 Uhr (Zitieren)
Hier liegt der Fehler:
tinyurl.com/y9hazyr9)[/i]

Hätte ich eine Leerstelle vor [/i] lassen sollen?

Ich benutze die unter dem Eingabefeld genannten Codes. So sind sie wohl allgemein üblich.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 28.01.2020 um 14:34 Uhr (Zitieren)
Hätte ich eine Leerstelle vor [/i] lassen sollen?

Möglicherweise bis wahrscheinlich.

Du kannst Dir aber die Arbeit erleichtern (und die doch so manches Mal zu beobachtenden Fehler vermeiden), indem Du den auszuzeichnenden Text markierst (mittels Maus- oder Cursorbewegung bei gedrückter Hoch-Taste) und dann nur noch auf die gewünschte Auszeichnung klickst.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 28.01.2020 um 14:56 Uhr (Zitieren)
Das könnte ich mal versuchen. Danke für den Hinweis.
Schön wäre es auch, wenn der Webmaster sich gelegentlich mal ein bißchen um das Programm hier kümmern würde. Denn daß die Kursivschrift dann nicht mehr wegzubekommen ist, ist ja ein Programmfehler, oder?

Meine Bitte, hier wie im Lateinforum eine Korrekturfunktion einzurichten, ist schon ziemlich alt.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 28.01.2020 um 14:59 Uhr (Zitieren)
Der Fehler liegt wohl in der Programmierung, die nicht verhindert, dass stehengebliebener Code über die Grenzen eines Postings hinweg seine Wirkung entfaltet. Das ist schon öfter vorgekommen, wenn ich irre, hat die Entfernung des Codes, i.e. in diesem Fall des [/i], die Sache bereinigt. Vielleicht kann der Schattenadministrator von nebenan das ja erledigen.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 28.01.2020 um 15:00 Uhr (Zitieren)
Der unfreiwillige Voyeur.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 09.02.2020 um 14:20 Uhr (Zitieren)
Eine neue, in sich geschlossene Kultur bildete sich heraus, eine Kultur der Kopie ohne Original. [...] Das Original lügt. Diese Hauptidee der neuen Kunst besaß eine tiefere Grundlage, die aber verborgen blieb. [...] Wir sind die, denen wir ähneln. Ist es etwa so schwer, den Anschein zu erwecken, du wärest wohlhabend und gesund? Viel leichter, als tatsächlich Geld zu verdienen und tatsächlich gesund zu werden.

(Olga Slawnikowa: 2017. Berlin 2016, S. 208-210(
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 09.02.2020 um 17:53 Uhr (Zitieren)
Das Paradox des Lauten: Jeder, der brüllt, will auffallen, um gehört zu werden. Aber wenn alle brüllen, fällt niemand mehr auf, wird niemand mehr gehört.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 09.02.2020 um 18:17 Uhr (Zitieren)
Wir sind die, denen wir ähneln. Ist es etwa so schwer, den Anschein zu erwecken, du wärest wohlhabend und gesund? Viel leichter, als tatsächlich Geld zu verdienen und tatsächlich gesund zu werden.


Dazu passt die in gewisser Weise die Maxime unserer Tage "Fake it till you make it" - man soll also nicht bei der bloßen Vortäuschung stehenbleiben, sondern, indem man zunächst so tut als ob, sich langsam in das verwandeln, was man werden möchte. Wer z.B. kein Geld hat, so die Idee, es aber versteht, sich wie ein Reicher zu geben, kann eben dadurch Reichtum erlangen, indem sich ihm - des Matthäuseffekts wegen etwa - neue Einkommensquellen erschließen.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 19.03.2020 um 00:22 Uhr (Zitieren)
Die Empfehlung zur Krise um das Corona-Virus, ausgesprochen am 18. März 2020: eng beieinander stehen, indem wir Abstand voneinander halten.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 03.04.2020 um 13:59 Uhr (Zitieren)
Der fünfzehnjährige, hochintelligente Andreas Wolf ist von seinem Vater, einem Staatssekretär und Mitglied des ZK der SED in der DDR, wegen exzessiven Onanierens zum Psychiater geschickt worden.
[...] Dr. Gnel fragte ihn, ob er wisse, warum sein Vater ihn hergeschickt habe.
„Er ist vernünftig und auf der Hut“, sagte Andreas. „Wenn ich mich als Sexualstraftäter entpuppen sollte, wird in den Akten stehen, dass er etwas unternommen hat.“
„Du selbst siehst also keinen Grund, warum du hier sein solltest?“
„Ich wäre wesentlich lieber zu Hause, um zu onanieren.“
Dr. Gnel nickte und kritzelte etwas auf seinen Notizblock.
„Das war ein Witz“, sagte Andreas.
„Worüber wir Witze machen, kann aufschlussreich sein.“
Andreas seufzte. „Können wir gleich mal festhalten, dass ich viel intelligenter bin als Sie? Mein Witz war nicht aufschlussreich. Er bestand darin, dass Sie ihn für aufschlussreich halten würden.“
„Aber das ist an sich schon aufschlussreich, meinst du nicht?“
„Nur weil ich es darauf angelegt habe.“
[...]

(Jonathan Franzen: Unschuld. Reinbek bei Hamburg 2015, S. 176)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 03.04.2020 um 14:01 Uhr (Zitieren)
Dummheit hielt sich für Intelligenz, während Intelligenz ihre eigene Dummheit durchschaute. Ein interessantes Paradox.

(Jonathan Franzen: Unschuld. Reinbek bei Hamburg 2015, S. 204)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
mitleser schrieb am 03.04.2020 um 15:08 Uhr (Zitieren)
Wenn man sich die Hände zuoft nass macht, trocknen sie aus.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 09.04.2020 um 22:59 Uhr (Zitieren)
Erdmännchenweibchen
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 10.05.2020 um 15:50 Uhr (Zitieren)
2015: „Macht die Grenzen dicht!“
2016: „Macht die Grenzen dicht!“
2017: „Macht die Grenzen dicht!“
2018: „Macht die Grenzen dicht!“
2019: „Macht die Grenzen dicht!“
2020: „Alter, wieso sind die Grenzen dicht? Ich will in Urlaub fahren!“

(Sarah Bosetti)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 14.05.2020 um 18:41 Uhr (Zitieren)
das kleine Öfchen ist groß [magna est fornacula]

(Juvenal: Satiren X 82)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Marcella schrieb am 15.05.2020 um 15:54 Uhr (Zitieren)
Karikatur in der SZ, Ehepaar vorm Fernseher, er sagt:"Ist doch egal, ob er die Wahrheit sagt, kommt doch bloß darauf an, dass er Recht hat."
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 15.05.2020 um 16:43 Uhr (Zitieren)
Schön. Da ich Paradoxien sammle: Kannst Du mir den Tag der SZ-Ausgabe nennen?
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
mitleser schrieb am 19.05.2020 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Mein Sohn drückte mit drei Jahren einmal eine komplette Tube Zahnpasta auf dem Boden aus. Als ich entsetzt aufschrie: "Du machst ja alles schmutzig!", sah er mich mit großen Augen an: "Zahnpasta macht sauber!"

cf: https://www.zeit.de/zeit-magazin/2020-05/aufraeumen-kinder-erwachsene-ordnung-chaos-karlsson

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 21.05.2020 um 18:15 Uhr (Zitieren)
Danke, auch für die Angabe der Fundstelle.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 22.05.2020 um 14:58 Uhr (Zitieren)
Das Element des Nichtkönnens in der Ausübung höchsten Könnens unterscheidet den Sportler grundsätzlich vom Artisten. Der Artist ist ein Virtuose dessen, was er kann; er führt sein Können vor. Der Sportler hingegen ist ein Virtuose dessen, was er nicht kann. Er zelebriert sein Unvermögen.
Das Schauspiel, das sich dabei für den Betrachter bietet, und das Vergnügen , das der Zuschauer an diesem Schauspiel hat, sind ganz wesentlich an die Lust (und natürlich das Leid) gebunden , die die Sportlerinnen und Sportler bei ihrer riskanten Zurschaustellung erfahren.

Martin Seel: Ethisch-ästhetische Studien. Suhrkamp (Frankfurt am Main) 1996, S. 197


Das bringt mich zur Frage, ob das der Antike grundsätzlich fremd ist, schlechterdings modern: Nicht nur über andere siegen, sondern sich am Unmöglichen versuchen, an die Grenzen des Leistungsvermögens gehen und sie immer weiter verschieben als Schauspiel. Das erklärte auch das relative Desinteresse der alten Welt an Rekorden, die ja in dieser Perspektive ein universales Vergleichsmaß für diese Virtuosität des Unvermögens darstellen, während die Gegenwart ein hochtechnisiertes Spektakel daraus macht, z.B. den Marathon unter zwei Stunden zu laufen. Gegen die Uhr oder den eigenen Körper ist in der Antike niemand angetreten.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 22.05.2020 um 15:38 Uhr (Zitieren)
So ganz fremd scheint mir das Sich-Versuchen am Unmöglichen in der Antike nicht zu sein. Ich gebe einige spontane Gedanken dazu:

1. Viele dieser schier unmöglichen physischen Leistungen hat man auf die Heroen (Halbgötter) projiziert, was immerhin eine Freude daran indiziert.
2. Die sportliche Disziplin des Marathonlaufes bezieht sich ja immerhin auf ein historisches Ereignis, auch wenn es etwas verwirrend überliefert ist.
3. Es gab zudem den Berufsstand der Schnell- oder Tagesläufer (Hemerodromoi), und die werden ihren Ehrgeiz und ihren Preis gehabt haben, der sich nach ihren Fähigkeiten richtete.
4. Im Hellenismus erkenne ich eine Sucht des Immer-Größer, Immer-Höher (bei Schiffen, Schlachttürmen etc.), die sich am scheinbar Unmöglichen erprobt (Fünfzehnruderer). Auch Schnellsegler gab es.
5. Der Versuch des Tiberius, von Pannonien aus seinen in Germanien sterbenden Bruder Drusus noch lebend zu erreichen, galt schon in der Antike als Rekord an Schnelligkeit in der Bewegung, wurde entsprechend erwähnt und bestaunt. Die Uhr, gegen die Tiberius ritt, war in diesem Falle die Lebensuhr des Drusus.
6. Zu untersuchen wäre, inwieweit die Gladiatorenkämpfe mit ihren immer neuen, einander überbietenden Attraktionen (ich sage einmal, ohne diesen Programmpunkt konkret belegen zu können: Frau gegen Elephant), für eine Attraktivität von Steigerungen ins kaum Faßliche sprechen.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 22.05.2020 um 18:11 Uhr (Zitieren)
7. Vor allem in der Spätantike kam der Kult des Herakles stark in Mode, des Meisters schier unmöglicher Taten. Kaiser Commodus hat sich als Herakles darstellen lassen und soll in diesem Kostüm gar im Colosseum aufgetreten sein. Bestimmt hat er dabei Rekordtaten vollbracht, auch wenn es nur Show war.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 23.05.2020 um 13:03 Uhr (Zitieren)
Die Projektion unglaublicher Leistungen auf Heroen und sonstiges mythologisches Personal macht daraus aber noch kein Schauspiel der Virtuosität des Unvermögens. Mögen die Tagesläufer untereinander ihre kleinen, informellen Wettkämpfe, die sich an Rekorden orientierten, gehabt haben (gibt es dazu Stellen in der Literatur?), sie blieben eingespannt in ihre Tätigkeit und die war nicht die Darbietung ihres Versuchs am Unmöglichen. Citius, altius, fortius stammt auch nicht aus der Antike, sondern von einem Dominikanerpater der vorletzten Jahrhundertwende. Der moderne Marathonlauf überbringt keine andere Nachricht mehr als die von der Grenze des Leistungs(un)vermögens des menschlichen Körpers (wofür sogar ganze Straßenzüge neue asphaltiert werden).
Einzig bei den Gladiatoren könnte man vielleicht von einem exzedierenden Theater des ultimativen Scheiterns, für das eine Gesellschaft in die Arenen strömt und bereit ist, erhebliche Investitionen (Bauten, Ausbildung, Personal) zu tätigen, sprechen. Aber das ist vielleicht wieder nur eine neuzeitliche Projektion, ähnlich wie Camus' berühmte Neubewertung des zur unermüdlichen Arbeit am Scheitern verurteilten Sisyphos, die am Ende gleichsam alpinistische Züge annimmt: "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen."
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 24.05.2020 um 13:51 Uhr (Zitieren)
In einem Artikel der Rubrik Lifestyle über einen der letzten Kupferstecher Europas, der in einer aus der Zeit gefallenen Werkstatt ohne Internetanschluss mit Grabstichel, Pantograph und Handdruckpresse seiner Berufung nachgeht, erwähnt der Verfasser beiläufig, dass er von der Schönheit der Erzeugnisse betört, sich habe hundert Visitenkarten machen lassen. Gerade die hohe Qualität (nicht unbedingt der angemessene Preis) der Arbeit hindere ihn aber, sie ihrer Bestimmung gemäß unter die Leute zu bringen, keine einzige habe er noch überreicht. Es wäre zu schade, so liegen sie wohlverwahrt in einer edlen Schachtel.

Besitzen nicht viele Menschen solche Gebrauchsdinge oder Werkzeuge, die paradoxerweise gerade durch die Qualität ihrer Ausführung ihre Nutzung hemmen und sie zu Gegenständen der bloßen Betrachtung an der Grenze zu Kunstwerken machen?



Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 24.05.2020 um 14:01 Uhr (Zitieren)
Protect me from what I want.

Text einer 1982 von der Konzeptkünstlerin Jenny Holzer in riesiger Leuchtschrift über dem Times Square projizierten Arbeit.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 24.05.2020 um 18:46 Uhr (Zitieren)
Zur Kursivschrift: Wenn doch der Webmaster, statt nur täglich das Lateinforum zu entmüllen, wenigstens einmal pro Woche hier vorbeischauen würde und nach dem Rechten sähe!

***

Wenn ich mir Gegenstände zum Zwecke ihres Gebrauchs kaufe und sie dann für zu kostbar halte, um sie zu gebrauchen, dann sind das unbrauchbare (wenngleich nicht defekte) Gebrauchsgegenstände - das hat etwas Paradoxes.

Wenn ich eine zum Lesen geschriebene Buchrolle der Ilias bekäme, läse ich sie auf keinen Fall; aber ich hätte sie auch nicht zu diesem Zwecke erworben, sondern nur als Wertgegenstand. Das ist nicht paradox.

Wenn ich auf einer Auktion einen Denar aus der Zeit des Kaisers Tiberius ersteigere, der doch zum Bezahlen gedacht war, dann bezahle ich damit nichts, sondern lege ihn in eine Schatulle. Auch dies ist nicht paradox.

Es hängt also nicht davon ab, zu welchem Zweck das Objekt geschaffen wurde, sondern davon, zu welchem Zweck es erworben wird.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 24.05.2020 um 20:10 Uhr (Zitieren)
Ja, das Desinteresse an dieser Agora ist ärgerlich. Aber hat der Schattenadministrator von nebenab überhaupt die technische Möglichkeit hier einzugreifen?

***

Jein, ich denke nicht, dass sich die Paradoxie ganz auf die Ebene der Intentionen des Erwerbs verlegen lässt. Das paradoxe Hemmnis läge in dem speziellen Fall ja in der optimalen Gestaltung für den Verwendungszweck des Gegenstandes, die eine lähmende Schönheit jenseits eines Surplus an Design erzeugt, welches Hemmnis man in der Tat nur erfährt, wenn es in der Absicht, es wirklich zu nutzen, angeschafft wurde und nicht schon als Sammlerobjekt oder dergleichen. Ich schlösse aus dieser Paradoxie jedoch umgekehrt Fälle aus, wo davon unabhängig der hohe Anschaffungspreis etwa alleinige Ursache der absichtswidrigen Nichtnutzung wäre.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Marcella schrieb am 25.05.2020 um 18:12 Uhr (Zitieren)
Kant konnte nicht umhin, nach 20 Jahren Dienst seinen diebischen Kammerdiener Lampe zu entlassen. Das schmerzte ihn sehr, darum beschloss er, Lampe gänzlich zu vergessen. Um sich stets an diese Entscheidung zu erinnern, notierte er sich den Imperativ: "Lampe muss vergessen werden."
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 26.05.2020 um 12:26 Uhr (Zitieren)
Ich habe eigens die Suchfunktion bemüht - das hatten wir tatsächlich noch nicht, in keinem der beiden Threads.
Die Ankedote ist natürlich sehr schön. Ob Kant der Witz daran bewußt war?
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 26.05.2020 um 17:24 Uhr (Zitieren)
Es gibt einen Typus von Paradoxien durch zirkuläre Voraussetzungen. Das bekannteste Beispiel dürfte das aus dem „Hauptmann von Köpenick“ stammen (oder sogar aus der Behördenpraxis): Um eine Wohnung zu bekommen, muß man einen Arbeitsplatz nachweisen; um einen Arbeitsplatz zu bekommen, muß man eine Wohnung nachweisen.

Von dieser Art habe ich nun zwei Fälle erlebt:
• Im Zuge der Corona-Bekämpfung werden hier auf dem Lande keine Fahrscheine mehr im Bus verkauft. Fahrscheine kann man online kaufen oder – und jetzt folgt für diejenigen, die kein Smartphone bzw. nicht die App dazu besitzen, die Paradoxie – im Vorverkauf. Um mit dem Bus fahren zu dürfen, muß man im Vorverkauf einen Fahrschein erwerben. Um zur nächsten Vorverkaufsstelle zu kommen, muß man mit dem Bus fahren.
• Eine Bekannte wohnt im Elsaß und arbeitet in Baden. Nach der Grenzschließung, ebenfalls dank Corona-Maßnahmen, durfte sie von ihrer Wohnung nur noch mit der Bescheinigung ihres deutschen Arbeitgebers (systemrelevante Tätigkeit) nach Baden zu ihrer Arbeitsstelle einreisen; um aber die Bescheinigung zu bekommen, mußte sie nach Baden zu ihrer Arbeitsstelle reisen.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 26.05.2020 um 18:10 Uhr (Zitieren)
Noch zu Kant & Lampe:
Man muß bedenken, daß Kant um diese Zeit bereits dement war. Alle Details der Geschichte (das Hängen am Gewohnten, die Anrede des neuen Dieners mit dem Namen des alten, der Zettel) sind typisch für demente Menschen.

Es ist sehr traurig, wenn man in Kants "Opus postumum" oft merkt, daß er am Ende eines Satzes bereits nicht mehr weiß, wie er ihn grammatisch begonnen hat.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 03.06.2020 um 23:13 Uhr (Zitieren)
Der Autor hat ein langes Buch verfasst, für ein kurzes fehlte ihm die Zeit.

M. Reich-Ranicki (angeblich)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 04.06.2020 um 00:07 Uhr (Zitieren)
Das klingt nach einer Äußerung Goethes:
Entschuldige die Länge des Briefes, ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen.

Ich kann's allerdings nicht beschwören.
Daß MRR es gekannt & übernommen hat, wäre ihm zuzutrauen.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 04.06.2020 um 00:08 Uhr (Zitieren)
Vive la mort!

(Graffito, in "French Connection II" kurz zu sehen)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 04.06.2020 um 01:13 Uhr (Zitieren)
Entschuldige die Länge des Briefes, ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen.


Laut http://falschzitate.blogspot.com/2017/11/lieber-freund-entschuldige-meinen.html findet sich das Zitat weder bei Voltaire noch bei Goethe, Frau von Stein, Mark Twain oder Churchill, allesamt Kandidaten der letzten 20 Jahre, wohl aber ein sehr ähnliches bei Blaise Pascal im XVI. Brief der Lettres provinciales:

Je n’ai fait celle-ci (i.e. ma lettre) plus longue que parce que je n’ai pas eu le loisir de la faire plus courte.

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Marcella schrieb am 04.06.2020 um 01:13 Uhr (Zitieren)
Das verweist auf den kruden nekrophilen Schlachtruf der spanischen faschistischen Falange: "Muera la inteligencia, viva la muerte."
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
filix schrieb am 04.06.2020 um 01:42 Uhr (Zitieren)
Vive la mort!


Bei Baudelaire kommt das auch irgendwo vor. Es wunderte mich nicht, wenn das Publikum der Hinrichtungen zu Zeiten von La Terreur den Spruch als Gegenstück zur obsolet gewordenen Heroldsformel "Le roi est mort, vive le roi!" geprägt hätte, ist doch der Tod da der neue absolute Herrscher. In der in der Revolution angesiedelten Oper Andrea Chénier von Umberto Giordano eignet sich das Paar auf dem Weg zum Schafott die Formel als Schlusswort schließlich wieder an: Viva la morte insiem!
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 04.06.2020 um 12:53 Uhr (Zitieren)
Es hätte mich gewundert, wenn "Vive la mort" für ein Filmset kreiert worden wäre.
Danke für Eure Angaben zu den Hintergründen.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
mitleser schrieb am 05.06.2020 um 20:24 Uhr (Zitieren)
Interessant ist auch, wenn Beschlüsse das Gegenteil dessen bewirken, was sie eigentlich bewirken sollen.
Zwei Beispiele:

1.) Um mehr Sicherheit zu gewähren, soll man oft seine Passwörter wechseln. Wenn man aber oft seine Passwörter wechselt, wählt man einfachere Passwörter, um nicht durcheinander zu kommen und sie sich leichter merken zu können.

2.) Eine Linie zwischen Straße und Fahrradweg soll beide Straßen voneinander trennen und den Fahrradfahrern Sicherheit bieten. Untersuchungen haben aber ergeben, dass Autos näher an die Fahrradfahrer fahren, wenn es eine Linie gibt, als wenn es keine Linie gibt.

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #2
Γραικύλος schrieb am 06.06.2020 um 11:29 Uhr (Zitieren)
Die Paradoxie von Sicherheitsmaßnahmen kann man das wohl nennen.
 
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