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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine kopierte Kriegslist und ein Regenwunder (74 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.06.2021 um 14:11 Uhr (Zitieren)
Polyainos, Strategika (VII 12 f.) berichtet eine doppelte bzw. kopierte Kriegslist:
SIRAKES

Dareios [I.] unternahm einen Zug gegen die Saker. Deren Könige Sakesphares, Amorges und Thamyris beratschlagten an einem einsamen Ort über ihre gegenwärtige Lage. Zu ihnen trat Sirakes, ein Pferdezüchter, und bot an, das persische Herr zu vernichten, wenn sie einen Kindern und Nachkommen Häuser und Geld unter Eid zusichern würden. Sie gaben ihm das eidliche Versprechen.

Nun zog er sein Messer, schnitt sich Nase und Ohren ab und verstümmelte auch andere Teile des Körpers auf entsetzliche Weise; hierauf ging er als Überläufer zu Dareios und sagte aus, das alles sei ihm durch die Könige der Saker widerfahren. Dareios glaubte ihm angesichts der Größe seines Unglücks.

Indem Sirakes das unsterbliche Feuer und das heilige Wasser [πῦρ ἀθάνατον καὶ ἱερὸν ὕδωρ] anrief, sagte er: „Mein Vorhaben ist, mit Hilfe der Perser Rache zu nehmen; dies kann so geschehen: Die Saker wollen gerade in der nächsten Nacht aufbrechen; wenn wir auf einem kürzeren Weg die Gegend, in die sie ziehen, vorher erreichen, können wir sie alle wie in einem Netz fangen. Als Pferdezüchter kenne ich die ganze Gegend und werde euch den Weg zeigen; wir wollen aber Speise und Trank für sieben Tage mitnehmen.“

Er wies ihnen nun den Weg, und indem er das Heer sieben Tage lang immer vorwärts führte, brachte er es mitten in eine dürre Wüste; Wasser und Proviant waren zu Ende gegangen. Der Chiliarchos (1) Ranosbates fraget ihn: „Was fiel dir denn ein, einen so großen König und ein so großes Heer der Perser zu betrügen und in eine wasserlose Gegend zu führen, wo wir weder einen Vogel noch ein wildes Tier sehen und weder vorwärts noch rückwärts ziehen können?“
Da klatschte er in die Hände und sagte laut auflachend: „Ich habe gesiegt [ἐγὼ νενίκηκα], denn ich wollte die Saker, meine Landsleute, dadurch retten, dass ich die Perser durch Hunger und Durst zugrunde richte.“ Sogleich schlug ihm der Chiliarch den Kopf ab.

Nun bestieg Dareios einen erhabenen Hügel, hängte seinen Mantel und seine Tiara an sein Szepter, band das königliche Diadem daran, steckte ihn in die Erde und flehte – es war gerade Sonnenaufgang – zu Apollon, wenn die Perser gerettet werden sollten, könne er Wasser vom Himmel senden. Der Gott erhörte ihn[,] und der Regen ergoss sich in Strömen. Die Perser fingen das Wasser in Tierfellen und Gefäßen auf und erreichten so glücklich den Fluss Baktros, dem Gott für ihre Rettung dankend.

Wenn der Betrug des Pferdezüchters erfolgreich gewesen wäre, so wären alle verloren gewesen. Ihn ahmte später Zopyros nach, der durch Verstümmelung seines Gesichts die Babylonier täuschte und deren Unterwerfung herbeiführte.


ZOPYROS

Dareios belagerte Babylon, war aber lange nicht imstande, die Stadt einzunehmen. Zopyros, einer seiner Satrapen, verstümmelte sein Gesicht, ging als Überläufer in die Stadt und gab vor, er habe all das von Dareios erlitten.

Die Babylonier glaubten ihm, da sie ihn so elend zugerichtet sahen, und vertrauten ihm die Verteidigung der Stadt an; er aber öffnete in der Nacht die Tore.

Nachdem Dareios sich Babylons bemächtigt hatte, sagte er jene glanzvollen Worte: „Ja, lieber wollte ich 20 Babylons nicht einnehmen, wenn ich dafür den Zopyros nicht in einem solchen Zustand sehen müsste [ἀλλ‘ οὐδὲ εἴκοσι Βαβυλῶνας ἑλεῖν ἐβουλόμην ἂν, ἐφ‘ ᾧτε ὁρᾶν τοιαῦτα παθόντα Ζώπυρον]!“

(1) Befehlshaber der königlichen Garde

Die zweite Episode findet bei Herodot III 153 f. eine ausführlichere Darstellung.

Vgl.:
https://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=6577
 
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