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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Philosophin Hipparchia (334 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.10.2022 um 16:01 Uhr (Zitieren)
Diogenes Laertios VI 96 f.:
Auch Hipparchia, die Schwester des Metrokles, fühlte sich durch die Lehren dieser Schule [sc. der Kyniker] angezogen.

Sie stammten beide aus Maroneia. Sie schwärmte für des Krates Lehren und Lebensweise, völlig unzugänglich für die Bewerbungen ihrer Freier und völlig gleichgültig gegen ihren Reichtum, ihre hohe Geburt, ihre Schönheit. Mit Leib und Seele gehörte sie nur dem Krates. Sie drohte sogar ihren Eltern, selbst Hand an sich zu legen, wenn man sie ihm nicht gäbe [καὶ δὴ καὶ ἠπείλει τοῖς γονεῦσιν ἀναιρήσειν αὑτήν, εἰ μὴ τούτῳ δοθείη].

Krates, von den Eltern aufgefordert, das Mädchen von ihrem Vorhaben abzubringen, gab sich die erdenklichste Mühe. Schließlich, als es ihm nicht gelang sie zu überreden, erhob er sich, legte alles, was er bei sich trug, vor ihren Füßen nieder und sagte: „Hier steht dein Bräutigam, dies ist seine Habe, danach fasse denn deinen Entschluß“, denn er würde nicht mit ihr in Gemeinschaft treten, wenn sie nicht seine Lebensweise völlig mit ihm teile. Das Mädchen entschied sich alsbald, legte die gleiche Kleidung an wie er, zog mit ihm herum, wohnte ihm im Freien bei und ging mit ihm zu den Mahlzeiten.

So beteiligte sie sich auch an einem Gastmahl beim Lysimachos, wo sie den Theodoros, den sogenannten Gottesleugner [Ἄθεον], durch folgendes Sophisma abführte: Was Theodoros tut, ohne dafür eines Unrechts geziehen zu werden, das kann auch Hipparchia tun, ohne dabei eines Unrechts geziehen zu werden; Theodoros aber tut nicht unrecht, wenn er sich selbst schlägt, also tut auch Hipparchia nicht unrecht, wenn sie den Theodoros schlägt.

Dem setzte er keine Gegenrede entgegen, hob aber ihren Mantel in die Höhe. Allein Hipparchia ließ sich dadurch nicht in Schrecken oder Verwirrung bringen, wie es sonst Weiberart ist. Und als er sagte:

ἡ τὰς παρ‘ ἱστοῖς ἐκλιποῦσα κερκίδας;

Wer ist sie, die vom Weberschiffchen sich entfernt? (1)

sagte sie: „Ich bin’s, Theodoros; aber du glaubst doch nicht etwa, daß ich mir selbst übel gedient habe, wenn ich die Zeit, die ich auf den Webstuhl hätte verwenden sollen, einer tüchtigen Geistesbildung zugute kommen ließ?“ So gibt es noch zahllose andere Sprüche dieser Philosophin.

(1) Euripides, Bakchen 1228
Re: Die Philosophin Hipparchia
Γραικύλος schrieb am 27.10.2022 um 16:55 Uhr (Zitieren)
 
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