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fachvokabular

Vokabular der Sprachlehre

Dies ist noch gedrängter als auf der Site Zur lateinischen Grammatik eine Sammlung sprachwissenschaftlicher Fachbegriffe. Sie werden nicht notwendig nur bei der Untersuchung der lateinischen Sprache angewendet!

Fachsprachen haben ihr Fachvokabular. Dies dient der kurzen und präzisen Benennung eines Sachverhalts, der ohne diese Begriffe nur unscharf oder umständlich zu bezeichnen wäre: Der „Palstek“ des Seemanns, die „Schwitze“ des Kochs, die „Wendeltreppe“ des Architekten, das „Korotkoff-Geräusch“ des Arztes sind ohne Verwendung dieser Wörter nur mit Aufwand zu bezeichnende Dinge.
Es ist nützlich, wenn diese Fachwörter nicht auch in der Alltagssprache eine Bedeutung haben, weil sonst bei jedem Gebrauch mitgeteilt werden müsste, ob die Fachbedeutung oder die Alltagsbedeutung gemeint ist. Das ist ja die Quelle des „Diebstahls im juristischen Sinn“ oder des „Arzneimittels in der Definition des Arzneimittelgesetzes“ oder dergleicher Konstruktionen bei Mehrfachverwendung eines Begriffes. Oft sind Fachbegriffe daher Fremdwörter.
Für die Sprachen, die zur Gruppe der indoeuropäischen Sprachen gehören, ist es üblich, Grammatiken nach dem Muster der lateinischen Grammatik aufzustellen, denn Latein war für lange Zeit Gelehrtensprache, es hat bereits in der Antike Fachleute gegeben, die sich mit seiner Grammatik beschäftigten, und Latein ist eine typische westindoeuropäische Sprache.
Für Deutsch bedeutet dies, dass die lateinischen (und griechischen) Fachbegriffe viel häufiger verwendet werden als die deutschen, weswegen Grammatik mitunter in Vokabelpaukerei ausartet. In einigen seltenen Fällen stammen Begriffe auch aus anderen Sprachen (meist derjenigen, die ein besonders treffendes Beispiel für den Sachverhalt enthält - Siehe z.B. ↑ dwandwa).
Gelegentlich ist die deutsche Bezeichnung die meistverwendete.
Die Fachwörter sollen in folgender Form eingeführt werden:

deutscher Begriff Fachbegriff in der Einzahl Fachbegriff in der Mehrzahl
Herkunft des Begriffs

Erläuterung oder Beispiel

Beispiel:

Rechtschreibung die Orthographie Orthographien
gr. orthos „aufrecht, richtig” und graphein „ritzen, schreiben“

„Rechtschreibung“, die Lehre vom regelrechten Schreiben, ist also eine wörtliche Übersetzung von „Orthographie“

Dabei bedeutet neben den üblichen Abkürzungen
gr. griechisch
lat. lateinisch
dt. deutsch
Kursive fremdsprachliche Wörter in der Originalform (allerdings durchweg in lateinischen Buchstaben)
↑ Verweis auf andere Stichwörter
1), 2), 3) beziffert mehrere gleichlautende Begriffe oder Bedeutungen

1 Einteilung der Sprachlehre

Sprachlehre 1) die Grammatik Grammatiken
(Lehre von einer bestimmten Sprache und ihrem Aufbau) gr. gramma „Geritztes, Schrift, Buchstabe” und
gr./lat. –ikos, icus „gehörig zu“

„Grammatik“ ist wörtlich also die Lehre von der geschriebenen Sprache, meint aber die gesamte Sprache und ihren Aufbau. Sprachlehre als wissenschaftliches Fach (und nicht notwendig einer bestimmten Sprache) ist ↑ Linguistik

Sprachlehre 2) die Linguistik Linguistiken
(das wissenschaftliche Fach) lat. lingua „Zunge, Sprache” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“

Zu unterscheiden von der Lehre einer bestimmten Sprache und ihrem Aufbau, der ↑ Grammatik

Lautlehre die Phonologie Phonologien
gr. phone „Stimme” und logios „gelehrt“
Rechtschreibung die Orthographie, Orthografie Orthographien, Orthografien
gr. orthos „aufrecht, richtig” und graphein „ritzen, schreiben“

„Rechtschreibung“, die Lehre vom regelrechten Schreiben, ist also eine wörtliche Übersetzung von „Orthographie“. Bekanntlich kann man die Rechtschreibung sogar durch Gesetz ändern, ohne dass das die Sprache selbst beeinflussen müsste – insofern ist Orthographie nach mancher Lehre kein Teil der Sprachwissenschaft. Immerhin gibt es auch Sprachen ohne Schrift, damit ohne jede Orthographie…

Formenlehre die Morphologie Morphologien
gr. morphe „Gestalt” und logios „gelehrt“

Lehre von den Wortformen. Beispiel: Im Deutschen sind „habe“, „hast“, „hat“, „haben“, „habt“, „hatte“, „hattest“, „hattet“, „hatten“, „gehabt“ usw. Wortformen des einen Tätigkeitswortes mit der Nennform „haben“.

Satzlehre die Syntax Syntaxeis, Syntaxen (beides ungebräuchlich!)
gr. syntatto „ich stelle zusammen, ich stelle in Ordnung auf”

Lehre vom Satzaufbau und den Funktionen im Satz. Beispiel: In „der Bauer pflügt“ ist „der Bauer“ nach der Wortart ein Hauptwort, nach der Morphologie (Formenlehre) ein Nominativ (erster Fall), nach der Syntax aber der Satzgegenstand (Subjekt)

Bedeutungslehre die Semantik Semantiken
gr. sema „Signal, Zeichen” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“

Lehre von der Bedeutung eines Sprachelements. Beispiel: Das Sprachelement „-chen“ in Kleidchen, Schiffchen drückt eine Verniedlichung aus.

Verwendungslehre die Pragmatik Pragmatiken
gr. pragma „Handlung” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“

Lehre von den Stilmitteln zur Darstellung eines gewünschten Effekts. Wie kann man mit Sprache behaupten, drohen, warnen, versprechen…?

Texterschließung 1) die Interpretation Interpretationen
(Verfahren der Analyse eines Textes) lat. interpretatio „Deutung”

Für die Lehre von der Erschließung siehe ↑ Hermeneutik.

Texterschließung 2) die Hermeneutik Hermeneutiken
(das wissenschaftliche Fach) gr. hermeneus „Dolmetscher, Deuter” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“

Hermes ist der in alles eindringende, jedes Geheimnis enträtselnde Gott. Für das Verfahren der Erschließung siehe ↑ Interpretation.

Verslehre die Metrik Metriken
gr. metron „Maß” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“

Da in der klassischen Antike wenig mit Reimen gearbeitet wurde, war das metron der Längen und Kürzen wichtigstes Versmerkmal. Siehe auch ↑ Prosodie.

Betonungslehre die Prosodie Prosodien
gr. prosodos „dazuklingend, harmonierend“

Die Lehre vom Silbengewicht (lang – kurz oder betont – unbetont). Siehe ↑ Metrik

2 Wortarten

Die Wortarten werden in drei Gruppen eingeteilt, nämlich die Wortarten der wie ein Hauptwort beugbaren Wörter, die der wie ein Tätigkeitswort beugbaren Wörter und die der nicht veränderbaren Wörter.
Innerhalb dieser drei Gruppen finden wir dann die Wortarten selbst und bei diesen eventuell noch Unterarten oder Abteilungen der Arten.
Das Dumme ist, dass es das Fachwort „Nomen“ gibt. Dieses Fachwort wird manchmal zur Benennung der ersten Wortartgruppe verwendet, manchmal jedoch zur Benennung einer der Wortarten innerhalb der Gruppe, manchmal schließlich zur Benennung einer Unterart dieser Wortart. Je nachdem, welche der drei Bedeutungen in einem bestimmten System dieser Begriff hat, müssen für die anderen beiden Einteilungsebenen andere Fachwörter verwendet werden!

2.1 Erste Wortartgruppe: Deklinierbare Wörter

„deklinierbares Wort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Nomen 1) Nomina
lat. nomen „Name”

„Nomen“ ist hier also eine Bezeichnung der Wortartgruppe, zu der die gleich aufgezählten Wortarten „Hauptwort“, „Eigenschaftswort“, „Geschlechtswort“ usw. gehören
oder:

das Deklinabilium Deklinabilia
lat. deklinare „beugen” und abilis „fähig zu“

Dieser Begriff ist ungebräuchlich, aber erforderlich, falls „Nomina“ in einer anderen Bedeutung verwendet wird.

2.1.1 Substantiv

Hauptwort, Dingwort, Sachwort das Nomen 2) Nomina
lat. nomen „Name”

„Nomen“ ist hier also eine Bezeichnung der Wortart. Mit Wörtern dieser Art werden Dinge und Sachverhalte mit Namen versehen: „Tisch“, „Stuhl“ …
oder:

das Substantiv Substantive, Substantiva
lat. substare „bestehen aus” (substantia „Substanz“) und eine Endung -tivus, die „Zugehörigkeit“ anzeigt.

„Substantiva“ sind also die Wörter, mit denen Substanzen (also Materialien, Stoffe) und greifbare Gegenstände („substantiell vorhandene Dinge“) benannt werden.

Diese Wortart hat als Unter-Wortart

Namenwort, Eigenname das Nomen 3) Nomina
lat. nomen „Name”

„Nomen“ ist hier also eine Bezeichnung der Unterwortart. Wörter dieser Art sind Bezeichnungen für eine bestimmte Person oder einen individuellen Sachverhalt: „Max“, „Griechenland“, „Alpen“, „Nil“
oder:

das Nomen proprium Nomina propria
lat. nomen „Name” und proprium „zum Eigentum gehörig, Eigen-“

„Nomen proprium“, also wörtlich „Eigenname“ ist zu verwenden, wenn man „Nomen“ in einer der anderen Bedeutungen gebraucht.

2.1.2 Adjektiv

Eigenschaftswort das Adjektiv Adjektive, Adjektiva
lat. adjectivum „herangeworfenes, beigefügtes”

Adjektive bezeichnen Eigenschaften von Nomina: rotes Dach, der Himmel ist blau

2.1.3 Artikel

Geschlechtswort der Artikel Artikel
lat. articulum „gegliedertes”

Artikel bezeichnen das (grammatische) Geschlecht: der Tisch, die Blume, das Fass…
Artikel kommen in zwei Gruppen vor, die bestimmten und die unbestimmten. Daher gibt es zwei Unterwortarten:

bestimmtes Geschlechtswort der definite Artikel definite Artikel
lat. articulum „gegliedertes”, definitum „eingegrenztes“

der Tisch, die Leute, den Häusern

unbestimmtes Geschlechtswort der indefinite Artikel indefinite Artikel
lat. articulum „gegliedertes”, indefinitum „uneingegrenztes“

ein Tisch, einige Leute, einigen Häusern

2.1.4 Pronomen

Fürwort das Pronomen Pronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”

Diese Wörter stehen für ein Nomen (also für ein Substantiv oder Adjektiv) : Der Bauer…, er…. Das blaue Auto, mein Auto

Fürwörter gibt es in vielen Unterarten, die zudem danach eingeteilt werden, ob die Pronomina ein Substantiv oder ob sie ein Adjektiv vertreten. Wir finden hier

persönliches Fürwort das Personalpronomen Personalpronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, personale „persönliches“

ich, du, er, sie, es, wir, ihr, mir, mich, dir, dich …

besitzanzeigendes Fürwort das Possessivpronomen Possessivpronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, possessivum „besitzbezogen“ (zu possessio „Besitz“)

mein, dein, sein, ihr, meines, meinem, unserer …

hinweisendes Fürwort das Demonstrativpronomen Demonstrativpronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, demonstrativum „hinweisendes“ (zu demonstrare „vorzeigen“)

dieser, jene, derselbe, diejenigen …

bezügliches Fürwort das Relativpronomen Relativpronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, relativum „beziehungsbezogenes“ (zu relatio „Rückführung auf, Bezug“)

(der Bauer), derWer das liest, ist … Welche Entscheidung richtig ist, das …

fragendes Fürwort das Interrogativpronomen Interrogativpronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, interrogativum „fragebezogenes“ (zu interrogatio „Befragung“)

wer? was? welche Dinge? Das sind im Deutschen, Lateinischen, Englischen… die gleichen Wörter wie die Relativpronomina! (Aber am Satzende steht „?“)

unbestimmtes Fürwort das Indefinitpronomen Indefinitpronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, indefinitum „uneingegrenztes“

jemand, einer, etwas, ein gewisser, jeder, irgendwer, niemand, nichts, keiner …

wechselbezügliches Fürwort das Korrelativpronomen Korrelativpronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, correlativum „wechselbeziehungsbezogenes“ (zu correlatio „gegenseitiger Bezug“)

Im Deutschen nicht vorhanden (wohl aber in vielen anderen Sprachen); gemeint sind Pronomina mit der Bedeutung „so - wie“, „so ein - wie“, „so viele - wie“

rückbezügliches Fürwort das Reflexivpronomen Reflexivpronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, reflexivum „zurückgebeugt“

er selbst, sich, ihrer selbst

verallgemeinerndes Fürwort das generalisierende Pronomen generalisierende Pronomina
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, generalis „allgemein“

Im Deutschen nicht vorhanden (wohl aber in vielen anderen Sprachen) und mit Standardfloskeln umschrieben:
wer auch immer; alle, die; welche auch immer …

„fürwörtliches Eigenschaftswort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Pronominaladjektiv Pronominaladjektive
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, adjectivum „herangeworfenes, beigefügtes”

Eigenschaftswort auf der Grenze zum unbestimmten Fürwort: der eine, der andere, ein anderer, ein ganzer, mancher …
Die Abgrenzung zum Indefinitpronomen ist etwas willkürlich.

2.1.5 Numerale

Zahlwort das Numerale Numeralia
lat. numerale „zur Zahl gehörig” (zu numerus „Zahl, Nummer”)

Zahlwörter sind eine Wortart, die nach der Wortbedeutung gebildet wurde, nicht nach dem grammatischen Bezug.
Abgesehen davon, dass die Wörter Zahlen, Anzahlen und Nummern bezeichnen, wären sie ansonsten nämlich zwanglos Substantive („Dutzend“), Pronomina („ein“), Adjektive („drei Dinge“), Adverbien („viertens“). Sie werden mehr aus Verlegenheit als letzte Wortart zu den Nomina gezählt, weil einige Vertreter beugbar sind.

Auch Numeralia kennen viele Unterarten:

Grundzahl die Kardinalzahl, das Cardinale Kardinalzahlen, Cardinalia
lat. cardinale „vorzüglich, Haupt-“ zu cardo „Scharnier, Türangel”

Ja, kaum verständlich. Die Schutzgottheit des Familienwesens war die Cardea: Wer die Tür schützt, schützt vor üblem Eindringen. Und „Tür“ wurde langsam ein übertragener Begriff für „Besitz/Familie“ und „Hauptsache“.
eins, zwei, drei …

Ordnungszahl die Ordinalzahl, das Ordinale Ordinalzahlen, Ordinalia
lat. ordinale „zur Ordnung gehörig, Ordnungs-”

erster, zweiter, dritter …

Einteilungszahl die Distributivzahl, das Distributivum Distributivzahlen, Distributiva
lat. distributivum „verteilendes”, zu distribuere „verteilen“

einzeln, paarweise, je drei …

Vervielfältigungszahl das Multiplicandum Multiplicanda
lat. multiplicandum „zu vervielfältigendes” zu multiplicare „vervielfältigen“

einfach, doppelt, dreifach …

Umstandszahl (selten gebrauchter Begriff!) das Numeraladverb Numeraladverbien, Numeraladverbia
lat. numerale „zur Zahl gehörig”, ad verbum „zum Wort“ (d.h. „zum Zeitwort gehörig“; siehe ↑ Adverb)

Gibt es kardinal: einmal, zweimal, dreimal … und ordinal: erstens, zweitens, drittens … Spätestens diese Zahlwörter sind nicht beugbar und daher an sich keine Nomina - aber mitgefangen, mitgehangen (siehe ↑ Numerale)

Bruchzahl das Fraktionale Fraktionalia
lat. fractionale „zum Bruch gehörig”, zu fractio „Bruch“

Hälfte, Drittel, Viertel …

unbestimmtes Zahlwort das Indefinitnumerale Indefinitnumeralia
lat. numerale „zur Zahl gehörig”, indefinitum „uneingegrenztes“

Praktisch jede der Unterarten des Numerales kann indefinit auftreten, aber die häufigsten Beispiele dürften aus der Reihe: „zuerst, dann, danach, schließlich, zuletzt“ der indefiniten Ordinaladverbien stammen (siehe ↑ Numeraladverb). Andere wie „manch“, „kein“, „(irgend)ein“ werden meist den ↑ Indefinitpronomina oder ↑ Pronominaladjektiven zugeordnet.

2.2 zweite Wortartgruppe: konjugierbare Wörter

Tätigkeitswort, Zeitwort das Verb, Verbum Verben, Verba
lat. verbum „Wort”

Die Verben bilden die einzige Wortart in der zweiten Wortartgruppe, die der nach Personen und Zeiten beugbaren Wörter. Sie einfach Verba (also „Wörter“) zu nennen - als ob es nicht noch andere Wörter gäbe - hängt damit zusammen, dass die Nomina Dinge bezeichnen und dort Ding und Bezeichnung nicht immer scharf getrennt werden; Tätigkeiten sind aber „undinglich, ungreifbar“ und das über-sie-Reden ist vom Durchführen deutlich getrennt.
In der modernen Grammatik wird die Wortart danach unterteilt, wie viele Elemente (meist mit Nomina gebildet) zum Bilden eines sinnvollen Satzes dem Verb hinzugefügt werden müssen. Es gibt danach:

zweiwertiges Zeitwort das bivalente Verb, Verbum bivalente Verben, Verba
lat. verbum „Wort”, bis valere „zweimal wert sein“

Verben mit zwei erforderlichen Ergänzungen. Beispiel „ist“ mit Tom ist Bauer oder „fertigt“ mit Der Schmied fertigt einen Pflug.

dreiwertiges Zeitwort das trivalente Verb, Verbum trivalente Verben, Verba
lat. verbum „Wort”, tris valere „drei wert sein“

Verben mit drei erforderlichen Ergänzungen. Beispiel „gibt“ mit Er gibt ihm den Ball.

einwertiges Zeitwort das univalente Verb, Verbum univalente Verben, Verba
lat. verbum „Wort”, uni valere „ein wert sein“

Verben mit einer erforderlichen Ergänzung. Beispiel „läuft“ mit Er läuft.

Es gibt gelegentlich auch noch:

keinwertiges Zeitwort das nilvalente Verb, Verbum nilvalente Verben, Verba
lat. verbum „Wort”, nil valere „nichts wert sein“

Verben ohne erforderliche Ergänzung. Beispiel „regnet“ mit Es regnet. Die offensichtliche Ergänzung „es“, die ein einwertiges Verb vortäuscht, ist ein ↑ Dummy.

Die klassische Grammatik betrachtet die Arten der Ergänzungen näher. Eine der Ergänzungen pflegt ja immer der Satzgegenstand, das (handelnde) Subjekt zu sein (selbst wenn dies ein Dummy-es ist). Dazu tritt dann eventuell Weiteres:

„objektregierendes Zeitwort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das transitive Verb, Verbum transitive Verben, Verba
lat. verbum „Wort”, transire „hinübergehen“

Transitive Verben haben eine Ergänzung im vierten Fall (Akkusativ) auf die Frage „wen oder was?“ Beispiel: „werfen“ ist transitiv: Du wirfst den Ball.

„doppelt objektregierendes Zeitwort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das ditransitive Verb, Verbum ditransitive Verben, Verba
lat. verbum „Wort”, di- „zwei-“ transire „hinübergehen“

Ditransitive Verben haben zwei Ergänzungen im vierten Fall (Akkusativ) auf die Frage „wen was?“ (oder „wen wen?“ usw.) Beispiel: „nennen“ ist ditransitiv: Du nennst ihn einen Lügner

„nicht objektregierendes Zeitwort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das intransitive Verb, Verbum intransitive Verben, Verba
lat. verbum „Wort”, in- „un-“, transire „hinübergehen“

Intransitive Verben haben keine Ergänzung im vierten Fall (Akkusativ) auf die Frage „wen oder was?“ Beispiel: „laufen“, „helfen“ sind intransitiv; du läufst , er hilft ihm (nicht Akkusativ!)

Hilfszeitwort das Auxilliarverb Auxilliarverben, Auxilliarverba
lat. auxilium „Hilfe“, verbum „Wort”

Verben mit einer Ergänzung im ersten Fall (Nominativ) oder mit einer ↑ infiniten Verbform als Ergänzung. Beispiel: „ist“, „wird“, „pflegt“, „hat“ in „Peter ist ein Bauer“, „Anja wird Ärztin“, „er pflegt zu spielen“, „sie hat gearbeitet“

2.3 dritte Wortartgruppe: nicht beugbare Wörter

„unveränderliches Wort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Partikel Partikel
lat. particulum „Teilchen”

„Partikel“ ist die Bezeichnung der Wortartgruppe, zu der die gleich aufgezählten Wortarten mit (meist) unveränderbaren Wörtern gehören

2.3.1 Adverb

Umstandswort das Adverb Adverbien, Adverbia}
lat. ad verbum “zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)

Adverbien beschreiben die Umstände einer Handlung. Sie kommen vor als „eigentliche“ Adverbien wie „jetzt“, „oben“, „nie“, als besondere Form oder Ableitung der ↑ Adjektive („sie spielt schön“ mit „schön“ als Adverb zu „spielt“, abgeleitet vom Adjektiv „der/die/das schöne“), als ↑ Numeraladverbien und als …

fürwörtliches Umstandswort das Pronominaladverb Pronominaladverbien, Pronominaladverbia
lat. pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, ad verbum „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)

Pronominaladverbien gibt es in fast so vielen Unterarten wie ↑ Pronomina:

bezügliches fürwörtliches Umstandswort das Relativpronominaladverb Relativpronominaladverbien, Relativpronominaladverbia
lat. relativum „beziehungsbezogenes“ (zu relatio „Rückführung auf, Bezug“), pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, ad verbum „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)

wo ich bin, wohin ich gehe, wie ich lebe, wann ich komme …

fragendes fürwörtliches Umstandswort das Interrogativpronominaladverb Interrogativpronominaladverbien, Interrogativpronominaladverbia
lat. interrogativum „fragebezogenes“ (zu interrogatio „Befragung“), pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, ad verbum „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)

wo bin ich? wohin gehe ich? wie lebe ich? wann komme ich? Wie bei den ↑ Relativ- und ↑ Interrogativpronomen: gleicher Wörterbestand mit und ohne „?“

hinweisendes fürwörtliches Umstandswort das Demonstrativpronominaladverb Demonstrativpronominaladverbien, Demonstrativpronominaladverbia
lat. demonstrativum „hinweisendes“ (zu demonstrare „vorzeigen“), pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, ad verbum „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)

hier, dorthin, daher, daselbst …

unbestimmtes fürwörtliches Umstandswort das Indefinitpronominaladverb Indefinitpronominaladverbien, Indefinitpronominaladverbia
lat. indefinitum „uneingegrenztes“, pro nomine „statt eines Namens/Nomens”, ad verbum „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)

irgendwo, überall, anderswohin …

2.3.2 Präposition

Verhältniswort die Präposition Präpositionen
lat. präpositio “Davorstellung“ zu präponere “davorstellen”

an, auf, hinter, in, mittels, bei, seit, um …

2.3.3. Konjunktion

Bindewort die Konjunktion Konjunktionen
lat. coniunctio “Verbindung“ zu coniungere “verbinden”

und, oder, dass, als, auch …

2.3.4. Interjektion

Ausrufewort die Interjektion Interjektionen
lat. interiectio “Dazwischenwurf“ zu intericere “dazwischenwerfen”

au! he! Himmikreuzsackerment! …

3 weitere Fachbegriffe

Formalwort das Dummy Dummies
englisch dummy “Attrappe”

Wort ohne Bedeutung, das aus rein grammatischen Erfordernissen benötigt wird. Beispiel: „Es“ in unpersönlichen Ausdrücken wie „es regnet“ oder bei vorgezogener Satzaussage: „Dass das so ist, ist gut“ wird mit Dummy zu „Es ist gut, dass das so ist“.

„Doppelzwei“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Dwandwa Dwandwas
sanskrit dwandwa “zweierzwei”

Darstellung eines Begriffes durch zwei Wörter, deren jedes einzeln nicht für die Beschreibung ausreichen würde, aber ohne Koppelung mit „und“ oder dergleichen. Beispiel: Schleswig-Holstein. Siehe ↑ Hendiadyoin, ↑ Tautologie

„Einsdurchzwei“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Hendiadyoin Henesdiadyoin
gr. hen dia dyoin “eins durch zwei”

Darstellung eines Begriffes durch zwei nebeneinandergestellte Wörter. Beispiel: „Besitz“ als Haus und Hof. Entweder wird das Hendiadyoin als Oberbegriff der Verdoppelungen aufgefasst – dann sind z.B. ↑ Dwandwa, ↑ Tautologie Unterbegriffe - oder das Hendiadyoin meint den (dt. sehr seltenen) Spezialfall, bei dem die zwei nebeneinanderstehenden Begriffe sonst nicht gleichberechtigt wären – Beispiel: „vom Silberteller essen“ („Silber“ ist Befügung zu „Teller“) im Hendiadyoin als „von Silber und Teller essen“ (Beiordnung)

„Sinnverdoppelung“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) die Tautologie Tautologien
gr. tauto legein “dasselbe sagen”

Darstellung eines Begriffes durch zwei nebeneinandergestellte gekoppelte Wörter, die einzeln bereits den Begriff beschreiben. Beispiel: Art und Weise. Siehe ↑ Pleonasmus, ↑ Dwandwa, ↑ Hendiadyoin

„überflüssige Beifügung“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) der Pleonasmus Pleonasmen
gr. pleonazein “überflüssig sein”

Darstellung eines Begriffes durch zwei Wörter, deren eines die Beifügung zum anderen ist, aber keine neue Bedeutung einbringt. Beispiel: weißer Schimmel. Siehe ↑ Tautologie

fachvokabular.txt · Zuletzt geändert: 2015/08/15 19:10 (Externe Bearbeitung)