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supinum

Inhaltsverzeichnis

Supinum

Die beiden Supina sind indefinite (nicht an Personen gebundene) Formen des Verbums. Es handelt sich hier im Falle des Supinums I um einen zur Formel erstarrten Akkusativ (Directionalis) auf die Frage „mit welchem Ziel oder Zweck?“ und im Falle des Supinums II um einen zur Formel erstarrten Dativ oder Ablativ auf die Frage „wenn was geschieht?“, beide von einem Verbalsubstantiv der u-Deklination.

Anmerkung: Wie in u-Deklination ausgeführt sind Substantive der u-Deklination sehr häufig von einem Verb abgeleitet und beschreiben das Ergebnis einer Handlung. Die Formenbildung der Supina ist daher nicht zufällig.

Die Supina sind sehr selten anzutreffen. Man findet sie fast nur von bestimmten Verben und in bestimmten formelhaften Zusammenhängen.

Supina werden von der Stammform gebildet, von der auch das Partizip Perfekt und/oder das Partizip Futur gebildet wird. Als Entschädigung für ihre spärliche Verwendung werden sie dadurch geehrt, dass diese Stammform „Supinstamm“ genannt wird.

Beispiele: amare, PPP amatus,-a,-um, Supinum I amatum, Supinum II amatu
dicere, PPP dictus,-a,-um, Supinum I dictum, Supinum II dictu
audire, PPP auditus,-a,-um, Supinum I auditum, Supinum II auditu
usw.

Supinum I

Die finale Bedeutung (die Angabe von Ziel und Zweck) wird im Deutschen meist mit „um zu …“ wiedergegeben. Das Supinum I wird eingesetzt
1. nach Verben, die eine Bewegung ausdrücken, für das Ziel dieser Bewegung: appropinquo adiuvatum „ich komme, um zu unterstützen“.
Es kann ein Objekt haben:
appropinquo te adiuvatum „ich komme, um dich zu unterstützen“

Verben der Bewegung in diesem Sinne sind etwa mittere „schicken“, venire „kommen“, ire „gehen“ mit vielen Redewendungen der Art cubitum ire „sich zur Ruhe begeben“, dare „geben“ (nuptum dare „zur Ehe geben“)

2. in einem speziellen Fall: Supinum I + der Infinitiv Passiv iri ist die Umschreibung für den Infinitiv Futur Passiv, wörtlich also „gegangen werden um zu …“
auditum iri „gehört zu werden werden“.

Wichtig hierbei ist, dass das Supinum ja unveränderlich ist und sich daher nicht nach dem Genus oder Casus irgendeines Bezugswortes richtet. In einem AcI findet man also etwa Camillam auditum iri necesse est „Es ist nötig, dass Camilla gehört werden wird“ im Gegensatz zu Camillam auditam esse necesse est „Es ist nötig, dass Camilla gehört wurde“ mit Partizip.

Supinum II

Das Supinum II kommt praktisch nur als Ergänzung bestimmter Adjektive vor. Die konditionale Bedeutung (die Angabe der Bedingung „wenn…“) wird im Deutschen meist mit „zu …“ wiedergegeben: horribile auditu est… „es ist schrecklich zu hören…“ (= es ist schrecklich, wenn man hört…)
Man hat hier
horribilis „schrecklich“, mirabilis „wunderbar, seltsam“, facilis „leicht“, difficilis „schwierig“, incredibilis „unglaublich“, iucundus „erfreulich“, optimus „sehr gut, am besten“ usw.
und ausnahmsweise die Substantive
fas „Recht“: fas est memoratu „es ist Recht zu berichten; man darf berichten“
nefas „Unrecht“: nefas dictu esset… „es wäre nicht rechtens gewesen zu sagen…“

Das Supinum II selbst wird gebildet fast ausschließlich von den Verben
auditu „zu hören“, dictu „zu sagen“, factu „zu tun“, inventu „zu finden“, cognitu, „zu erkennen“, memoratu „zu berichten“. intellectu „einzusehen“, visu „zu sehen“, aspectu „anzusehen“, dilucidatu „deutlich zu machen“ usw.

Ob das Supinum II in alter Zeit ein Ablativ oder ein Dativ war (oder beides; möglich ist ja, dass zwei gleichlautende Formen zusammenflossen), ist nicht ganz geklärt. Ein Dativ würde sich herleiten lassen vom Dativus finalis auf die Frage „wozu?“, ein Ablativ hätte ausgehend von einem Instrumentalis oder Temporalis einen Weg gemacht wie auch der Ablativus absolutus, der ja ebenfalls Umstände vom Typ „wenn…eintritt“ beschreiben kann.
Die meisten Anwendungen des Supinums II sprechen ja für einen Ablativ, aber bei Plautus kommt tatsächlich einmal die Dativendung „-ui“ vor: …lepida sunt memoratui „…sind nett zu erwähnen“ (Bacchides 62)

supinum.txt · Zuletzt geändert: 2015/08/15 19:11 (Externe Bearbeitung)