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GRAMMATICA VESTRA

QVARTA PARS

An die Wortschatzübungen schließt sich als wichtigstes der Teil über Satzanalysen an (ab LXXIV). Bei Eile und beim ersten Durchgang sollte dieser Teil unbedingt vorgezogen werden. Der Rest ist dann was für lauschige Stunden.

LXI. Grundwortschatz, u, v

Vokabel Bedeutung Vokabel Bedeutung
ultimus unda
unus urbs
usus uxor
valere varius
vehemens veni
ventus verbum
versus verus
vestis vetus
via victor
victoria videre
videri viginti
villa vinculum
vindicare violare
vir virgo
virtus vis
vita vitare
vitium vivus
vocare voluntas
voluptas vulnerare
vultus

LXII. Sprachgefühl beim Vokabellernen, Substantive

Jede Sprache hat Möglichkeiten, aus vorhandenen Worten neue mit verwandter Bedeutung zu bilden. Im Deutschen sind z.B. Substantiva auf -heit und -keit wie „Schönheit“ oder „Fröhlichkeit“ von Adjektiven abgeleitet und stellen also personifizierte Eigenschaften dar.

Wer diese Bildungsmöglichkeiten im Lateinischen kennt, kann sich viel Arbeit beim Vokabellernen sparen, weil die Kenntnis einer Bedeutungswurzel die Bedeutung mehrerer damit gebildeter Vokabeln erschließt.

Die Kenntnis von servus erschließt z.B. sofort die Bedeutung von serva, servare, servitus.

Die in dieser Übung und den folgenden erschlossenen Vokabeln sollen natürlich nur zur Darstellung der Prinzipien dienen und sind nicht Lehrstoff (obwohl Vokabelkenntnis nie stört!). Die Prinzipien sind wohlgemerkt nicht mehr als eben nur Prinzipien; oft bestätigen Ausnahmen die Regel. Das Ganze ist eben eine Sache des Gespürs.

Vergleiche die Bedeutungen von avaritia, avarus; audacia, audax; clementia, clemens; constantia, constans; divitiae, dives; gratia, gratus; sapientia, sapiens!

Von was für Worten sind Substantive auf -ia also häufig abgeleitet? Was bedeuten sie? …….

Da die Vokabeln concordia, contumelia, diligentia, eloquentia, industria, memoria, misericordia, modestia, scientia, superbia vermutlich bereits vorkamen, müssen die folgenden Adjektive nicht mehr gelernt werden! Man kann also die Bedeutung angeben, ohne dass die Vokabeln bisher vorkamen!

Adjektiv Bedeutung Adjektiv Bedeutung
concors contumeliosus
diligens eloquens
industrius memor
misericors modestus
sciens superbus

Was heißt also, bedenkt man adulescens, atrox, molestus, prudens

Substantiv Bedeutung Substantiv Bedeutung
adulescentia atrocia
molestia prudentia

LXIII. Weitere Substantive I

Die Substantive auf -ia sind also von Adjektiven abgeleitet und entsprechen darin etwa deutschen Substantiven auf -heit, -keit.

Eine zweite Gruppe solcher Substantive sind die auf -tudo: fortitudo / fortis, magnitudo / magnus, multitudo / multi. -tudo-Wörter und -ia-Wörter sind im Gebrauch praktisch gleichwertig, der feine Unterschied besteht höchstens darin, daß -tudo nicht so sehr „die Eigenschaft an sich“, sondern mehr „die Menge an der Eigenschaft“ beschreibt. magnitudo ist also „die Größe“, nicht „das Großsein“, fortitudo das Maß an Tapferkeit, das jemand besitzt (in Wendungen wie „von großer Tapferkeit beseelt sein“), weniger das Tapfersein als abstrakter Begriff.

Was heißt also

Substantiv Bedeutung Substantiv Bedeutung
beatitudo claritudo
longitudo latitudo
necessitudo (necessarius!) pulchritudo

LXIV. Weitere Substantive II

Eine dritte bedeutungsverwandte Gruppe umfaßt die Substantive auf -tas. Diese neigen wieder mehr zur „Eigenschaft an sich“, zum „So-sein“ (im Deutschen also -keit, -heit, -schaft). Oft kommen sogar mehrere Substantive nebeneinander vor, wie z.B. necessitudo und necessitas (bedeutet? …….).

Vermutlich bekannt sind die Paare crudelis / crudelitas, cupidus / cupiditas, liber / libertas, verus / veritas, pius / pietas.
Mit Kenntnis von aeqitas, difficultas, potestas (posse!), was heißt

Adjektiv Bedeutung Adjektiv Bedeutung
aequus difficilis
potis

und was

Substantiv Bedeutung Substantiv Bedeutung
unitas tranquilitas
paupertas qualitas
quantitas raritas
rusticitas antiquitas
asperitas atrocitas
bonitas brevitas
calliditas caritas
celeritas claritas
communitas densitas
diversitas duritas
felicitas humanitas
immanitas immortalitas
mortalitas*) maiestas (von maior)
integritas iucunditas
novitas parvitas

*) was dürfte nämlich mortalis bedeuten, selbst wenn das vermutlich noch nicht auftauchte?

Aus difficilis kann man auch facilis und damit facultas ableiten: …….

Nicht alle Substantive auf -tas stammen von Adjektiven ab; eben kamen als Basiswort schon unus, qualis, quantus vor, die keine reinen Adjektive sind. Möglich sind aber auch Substantive und (selten) sogar Vertreter anderer Wortarten, wie bei auctoritas (vom Substantiv auctor). …….

civitas kommt vom Substantiv civis. Das wiederum hat das Adjektiv civilis, von dem civilitas bekannt ist. Bedeutungen? …….

Was bedeutet wohl

societas (von socius) …….

das Adverb volup (voluptas!) …….

das Verb velle (voluntas!) …….

das Substantiv aevum (aetas! Die deutsche Vokabel für aevum kommt vom gleichen Stamm!)

Kleines Detektivspiel: Wie hängen tempestas und tempus zusammen?
Von diesem Stamm vermutlich schon vorgekommen sind auch tenere und temptare. Um das Maß voll zu machen, gibt es auch noch das „Teekesselchen“ tempus,-oris n. „die Schläfe“! Gibt es eine Assoziation, die alle diese entfernten Bedeutungen verbindet?

…….

LXV. Weitere Substantive III

Was hat es mit amare, amor; augere (auxi, auctus!), auctor; clamare, clamor; errare, error; imperare, imperator; scripsi, scriptor; terrere, terror; timere, timor auf sich? Was bedeuten also solche Substantive auf -or? Was die auf -tor? …….

Bedenkt man aequare, dictator, docere, mercator, praetor, victor, was heißt also

Vokabel Bedeutung Vokabel Bedeutung
aequator dictare
doctor mercari (im Deutschen Aktiv)
praeire*) vincere (vixi)*)

*)ja, ja, ich weiß, dass die Besonderheiten dieser Verben noch nicht dran waren!

LXVI. Weitere Substantive IV

Die Substantive auf -tio (oder Konsonant + -sio) sind ebenfalls mit Verben verbunden. Während die auf -tor aber den Urheber einer Handlung bezeichnen, bezeichnen diese ……. (Vergleiche: oratio, orare; seditio, sedere).

Bedenkt man admiratio, coniuratio, factio, heißt also

Vokabel Bedeutung Vokabel Bedeutung
admirari (im Deutschen Aktiv) coniurare
facere

Und was heißt demzufolge (um Himmelswillen nicht pauken, nur rasch durchgehen; die Verben dazu sollte man allerdings kennen!)

Substantiv Bedeutung Substantiv Bedeutung
aedificatio aequatio
agitatio amatio
appellatio cautio (cavere)
certatio comparatio
conservatio curatio
damnatio declaratio
declinatio delectatio
demonstratio desideratio
desparatio disputatio
domatio dubitatio
enumeratio explicatio
iactatio illustratio
imploratio invitatio
laudatio liberatio
mansio (manere) mutatio
navigatio negatio
observatio occupatio
optio (oder optatio) possessio (possidere)
praedicatio reversio (reverti)
saltatio suasio
temptatio vacatio
vastatio vindicatio
vituperatio vocatio

Das Ganze artet also durchaus in eine vexatio aus, nicht wahr?

LXVII. Weitere Substantive V

Eine dritte Gruppe von Substantiven, die sich von Verben herleiten, sind die Substantive auf -men und -mentum. In der Bedeutung gleichen sie den Substantiven auf -io mit folgendem Unterschied: Die Substantive auf -io (siehe voriges Kapitel) beschreiben das Tun, die Tätigkeit. Die Substantive auf -men(tum) rücken vom Handeln ab und haben eine abstraktere, übertragene Bedeutung, die nicht mehr so eng an das Handeln gebunden ist. Im Deutschen ist Kennzeichen solcher abstrakten Bedeutung oft die Endung -ung.
Vergleiche die direkte und die vom Tun abgerückte Bedeutung bei „versuchen“: der Versuch / die Versuchung oder „rufen“: der Ruf / die Berufung oder „fließen“: das Fließen / der Fluss.

Wegen dieses Einsatzes in übertragener, abstrakter Bedeutung sind alle lateinischen Substantive dieser Gruppe dem Geschlechte nach …….

Zum Ableiten aus der Bedeutung des zugehörigen Verbs braucht man daher mehr Phantasie und Scharfsinn als bei den übrigen Wortgruppen, es ist also nicht sonderlich schlimm, hier einmal danebenzuliegen. Dazu kommt, daß im Lateinischen ein feiner Bedeutungsunterschied zwischen den Substantiven auf -men und denen auf -mentum gemacht wird:
Die Substantive auf -mentum bezeichnen eher alltägliche Dinge, sie werden darum auch häufiger verwendet. Die Substantive auf -men haben für lateinische Ohren dagegen einen etwas altehrwürdigen Klang. Oftmals werden daher erhabene, wichtige, machtvolle, nicht alltägliche Dinge auf -men benannt. Dieser Unterschied ist besonders dann zu merken, wenn beide Vokabeln, auf -men und auf -mentum, vorkommen. Als Nebeneffekt sind übrigens einige Vokabeln, wie zum Beispiel omen, so ehrwürdig, dass man das Verbum dazu gar nicht mehr kennt!

Bekannt sind bisher vermutlich die Paare agmen / agitare (agere kommt sicher noch), certamen / certare, nomen / nominare, carmen / cantare (canere kommt sicher noch), monumentum / (ad)monere.

Was könnte heißen (wie gesagt, nicht immer leicht!)

fluere, bedenkt man flumen …….

lucere, bedenkt man lumen (lux!) …….

nuere, bedenkt man die Grundbedeutung von numen „Neigung“ (des Kopfes der Gottheit) …….

fundare, bedenkt man fundamentum …….

instruere, bedenkt man instrumentum …….

criminare, bedenkt man crimen (gleiche Wurzel wie deutsch „Schrei“; das Opfer schreit) und discrimen …….

Bei limen muss man schon Fachmensch sein (lime ire „quer verlaufen“), aber was könnte bedeuten

armamenta (plur.tant.) von armare …….

augmen von augere (in der Musik gibt's auch augmentum) …….

momen und momentum von movere …….

documen und documentum von docere …….

LXVIII. Weitere Substantive VI

Eine vierte Gruppe von Substantiven, die mit Verben zusammenhängen, ist wieder einfacher zu erfassen. Nachdem „Urheber der Handlung“ (-tor), „die Handlung“ (-or), „das Tun“ (-io), „die Handlung abstrakt“ (-men(tum)) abgegrast sind, bleibt für die Substantive auf -ium noch der Bedeutungsraum …….
(vergleiche aedificium / aedificare, imperium / imperare, gaudium / gaudere, auxilium / augere, vitium / vitare, studium / studere)

Was bedeutet daher

incendere (incendium) …….

exulare (exilium) …….

odi (im Deutschen Präsens, odium) …….

commercari (im Deutschen Aktiv, commercium) …….

inire (initium) …….

navigium (navigare) …….

beneficere (beneficium) …….
ist ein Kompositum des Verbs facere, -ficere, das uns sicher bald beschäftigen wird und das auch mit ficare (aedi-ficare!) zusammenhängt. officium ist ebenso von opes facere herzuleiten. Im Deutschen wie auch im Englischen taucht dies Verbum bekanntlich in einer sehr eingeschränkten Bedeutung wieder auf.

flagitare ist ein Reinleger, weiß man nicht, daß flagitium ursprünglich das „Anschreien, Angreifen, Prügeln“, dann die Beschimpfung und die Ursache der Beschimpfung war und erst später über Schande, Schandtat zu Tat wurde …….

LXIX. Weitere Substantive VII

Die meisten Nominalformen auf -tus gehören zur o-Deklination (legatus, -i) oder zur konsonantischen Deklination (litus, -oris), sind Adjektive oder, besonders häufig, Participia (amatus o.ä.).

Es gibt aber noch die Gruppe der Substantive auf -tus (oder -sus), die zur u-Deklination gehören. Diese werden auf eine von zwei Arten gebildet, deren erste durch Paare wie exercitus / exercere, habitus / habere, servitus / servare, sonitus / sonare belegt ist.

Was beschreiben diese Substantive also? …….

Was bedeuten demnach die Verben

Verbum Nomen Bedeutung Verbum Nomen Bedeutung
strepere strepitus tumere tumultus
vertere versus currere cursus
impetare impetus

Die zweite Art gehört ins „Amtslatein“. Das Amt, das von einem Beamten bekleidet wird, kann in seiner Bezeichnung von der des Beamten abgeleitet werden, etwa nach magistratus / magister oder senatus / senex (wobei „senex“ also „Ältester“ und „senatus“ „Ältestenrat“ meint). Hierher gehört auch

consulatus (consul) …….

dominatus (dominus) …….

Wie es zu diesem Spezialfall kam, sieht man an scriptus:

Dieses Wort ist nach der zweiten Art von scriptor abzuleiten und bedeutet daher …….

Es gibt aber auch ein Verb scribere, von den bisher vermutlich mindestens das Perfekt scripsi vorkam. …….

Ähnlich ist es bei ductus. Insbesondere im militärischen Sprachgebrauch leitet es sich von dux ab und bedeutet daher …….

Es gibt aber auch ein Verb ducere mit der Bedeutung ……., das auch als Basis für ductus dienen kann. Dann bedeutet ductus was? (aquaeductus!!) …….

Ein weiterer Fall tritt bei Collegien auf. Für spezielle Aufgaben wurden in Rom Collegien aus zwei, drei, vier … Beamten gebildet, die einfach nach dar Anzahl ihrer Mitglieder benannt wurden, so daß diese Beamten duumvir, triumvir, quattuorvir, quinquevir usw. hießen. Bekannt sind zum Beispiel die zehn Beauftragten zur schriftlichen Fixierung des römischen Rechts 451 bis 449 v.Chr., die also wie hießen? …….

Und wie hieß ihr Amt? …….

Die Politiker Antonius, Octavianus und Lepidus erreichten es am Ende der Republik, IIIviri rei publicae zu werden, also ein Collegium für Verfassungsfragen darzustellen. Wie hieß ihr Amt? …….

LXX. Sprachgefühl beim Vokabellernen, Adjektive

Die am einfachsten zu deutende Endung bei Adjektiven dürfte -eus,-ea,-eum sein, bedenkt man ferrum / ferreus.

Daher sollten

Adjektiv Bedeutung Adjektiv Bedeutung
argenteus aureus
corneus (cornu!) pulvereus (pulvis!)
saxeus flammeus
arboreus

keine Schwierigkeiten bereiten.

Was nennt der Augenarzt cornea, -ae f.? …….

Hat sich eine römische Braut auf eine „weiße Hochzeit“ gefreut? flammeum, -i n. ist der Brautschleier …….

Was ist aqua fluminea? …….

Ein anderer einfacher Fall tritt bei -ficus, -fica, -ficum auf. Der Stamm trat ja in aedificium, aedificare, facilis, difficilis, facinus, factum, beneficium usw. und im Perfekt feci so oft auf, dass das untegelmäßige und daher vermutlich bisher noch unbekannte Grundverb facere in der Bedeutung klar sein sollte. Daher ist der Zusammenhang mirificus / mirus oder magnificus / magnus offenkundig. Was heißt daher

iustificus (zu iustus) …….

beneficus (zu bonus / bene) …….

LXXI. Weitere Adjektive I

Betrachtet man terribilis / terrere, nobilis / novi, ahnt man die Bedeutung von -bilis als Bezeichnung der Möglichkeit, deutsch -bar wie in „furchtbar“, „machbar“, „ruchbar“. nobilis heißt demzufolge eigentlich „den man kennen kann“. Aus admirabilis und incredibilis sind daher

admirari (im Deutschen Aktiv) …….

und credere …….

zu erschließen.

Die Adjektive auf -lis wie mortalis / mors, fatalis / fatum, fas, facilis / factum, factio können bei gleicher Bedeutungsgruppe offenbar auch von Substantiven, nicht wie die -bilis von Verben, abgeleitet werden.

Man sollte sich daher nun an folgenden Adjektiven versuchen können:

Adjektiv Bedeutung Adjektiv Bedeutung
aequabilis agitabilis
amabilis cogitabilis
commemorabilis comparabilis
curabilis damnabilis
disputabilis delectabilis
possibilis dubitabilis
formalis habitabilis
ignorabilis mutabilis
observabilis superabilis
difficilis

LXXII. Weitere Adjektive II

Man sieht an periculosus / periculum, perniciosus / pernicies und auch an formidulosus / forma, was es mit -osus auf sich hat. (Im letzten Falle lautet die Grundbedeutung formidulosus „gespenstisch“ zu forma „Gestalt“). Vergleiche mit der Bedeutung von -eus! …….

Und daher:

Adjektiv Bedeutung Adjektiv Bedeutung
generosus (gens) otiosus
animosus (animus) bellicosus
clamosus copiosus
fabulosus factiosus
famosus fumosus
gloriosus laboriosus
luxuriosus morosus (mos)
officiosus pretiosus
prodigiosus religiosus
sententiosus studiosus
tumultuosus umbrosus
ventosus

Nicht sehr iocosus, oder?

Die Adjektive auf -imus dagegen haben in den meisten Fällen etwas mit Superlativen zu tun, weil die Superlativendung bekanntlich -issimus, -illimus oder so lautet. So sind maximus, minimus, optimus, pessimus, ultimus, plurimus, primus erklärlich.
Die übrigen Adjektive auf -imus stammen von Substantiven oder Numeralia ab: finitimus / finis, maritimus / mare, septimus / septem, decimus / decem.

Wie steht's daher mit

legitimus (lex) …….

millesimus …….

centesimus …….

Die Adjektive auf -idus dagegen fußen auf Verben, die eine geistige Haltung oder Gemütsbewegung ausdrücken wie timidus / timere.

Was heißt also

cupere (cupidus) …….

callere (callidus) …….

LXXIII. Vorsilben

Ebenso wie die Endsilben, die in den vorigen Kapiteln geübt wurden, kommt auch den Vorsilben wie im Deutschen eine sinntragende Bedeutung zu. Versuche, aus den bisher vorgekommenen Vokabeln mit Vorsilben, den Composita, die Vorsilbenbedeutung zu erkennen! Mitunter kommt die Vorsilbe auch als eigene Partikel vor. Manchmal wird die Vorsilbe auch aus sprachlichen Gründen etwas verändert, wie bei adcusare > accusare.

ad; accusare, adeo, adhibere, adhuc, adiuvare, admirabilis, admiratio, admonere, adversarius (versus!), apparere, appellare, assiduus (sedere!)

addere (dare) …….

admigrare …….

ante; antea, ant-iquus (aequare!)

antehabere …….

antemeridianus,-a,-um (zu meridies) …….

cum; co-, con-; coërcere, collocare, commemorare, comparare, concordia (cor ist das Herz), conservare, constare

concertare …….

computare …….

cognomen …….

de; declarare, deinde, demonstrare, desperare (spes!)

dearmare …….

decertare …….

di-, dis-; difficultas, discrimen, disputare, dissimulare (simul!)

didere (dare) …….

dilaudare …….

dimovere …….

e, ex; egregius (grex ist die Herde), emigrare, expugnare, exspectare

exagitare …….

exclamare …….

excursus …….

in; einerseits incredibilis, ignorare, ingratus, inimicus, iniustus, immortalis, andererseits instare, impetus, implere, initium, intentus

immodestia …….

impietas …….

importare …….

incursus …….

ne; nefas, negotium, nemo (ne homo)

nescire (scientia) …….

neve (von vel, vergleiche nisi)

non; nondum, nonnumquam, nonnulli

nonnihil …….

nonnemo …….

ob-, obs-; observare, obstare, occupare

obiacere …….

obrogare …….

per; pertinere (tenere), perturbare (turba)

peracer …….

peramans …….

post; postea, postquam, postridie

posthabere …….

postscripsi …….

prae-; praebere (prae habere), praeclarus, praestare

praecavere …….

praedives …….

pro; prohibere, prodigium, provincia (victor)

proavus …….

procursus …….

re-; reditus, respondere, reverti, restare

reclamare …….

redhibere (habere) …….

- Bei den übrigen Wortgruppen (Verben, Adverbien usw.) gibt es eine Fülle weiterer Zusammenhänge zwischen Vokabeln gleichen Stammes. Bisher mangelt es allerdings an Beispielen, so dass nun als nächstes Stoffgebiet, das endlich zum wesentlichen Gebiet lateinischer Sprache (nämlich dem Satzbau, der Syntax) hinzielt, die typischen Anwendungen der grammatischen Formen geübt werden sollen, die nun mit so vieler Mühe rekapituliert wurden.

LXXIV. Die Satzteilfragen

Ein sehr wichtiges Hilfsmittel bei der Analyse von Sätzen ist das System an Fragen, mit denen man die einzelnen Satzteile anspricht, wie zum Beispiel

Der Bauer pflügt heute mit seinem Pferd seinem Sohn das Feld.

Subjekt: Wer oder was tut etwas? Der Bauer

Praedikat: Was tut er/was geschieht? Der Bauer pflügt

Direktes Objekt, Akkusativobjekt: Wen oder was? das Feld

Mittelbares Objekt, Dativobjekt: Wem? seinem Sohn

Adverbielle Bestimmung der Art und Weise: Wie? mit seinem Pferd

Adverbielle Bestimmung der Zeit: Wann,seit wann,wie lange? heute

Da ja zu jedem Satzteil typische Konstruktionen gehören (zum Beispiel die Verwendung typischer Casus), ist die Kontrolle darauf, ob jedes Wort eines lateinischen Satzes nach grammatischer Form und Stellung korrekt mit dem Satzteil übereinstimmt, als den man es übersetzt hat, eine gute, aber fast die einzige Methode, um sicherzustellen, daß eine Übersetzung stimmt. Übersetzungen, die nur auf der Bedeutung der Vokabeln und dem vermuteten Satzsinn beruhen, führen zu Fehlern und scheitern spätestens dann, wenn geübte Redner kunstvoll lange Sätze so formuliert haben, daß aus Stilgründen die Wortstellungen und Wortbedeutungen eben nicht die normalen, anfangs erwarteten (und dem Römer langweiligen) sind. Da hilft nur die Analyse!
In den folgenden Kapiteln über die Verwendung der Grammatikformen wird bei der Verwendung lateinischer Formen jeweils auch die zugehörige Satzteilfrage behandelt; wegen des Zusammentreffens von Satzfunktion und Grammatikform (z.B. Nominativ für Subjekte) kennt man diese oft auch als „Formfrage“ (z.B. „wer“ als Frage nach einem Nominativ, obwohl es doch eigentlich die Frage nach einem Subjekt ist), aber das sollte nicht verwirren.

Die Bezeichnungen für die Satzteile usw. „sitzen“??? Sonst sind die Übungen vom Anfang des ersten Teils zu wiederholen!

Wir gehen systematisch in die Satzteilübung. Zunächst der Hauptsatz. Frage nach Subjekt und Prädikat!
Hauptsätze gibt es in drei Arten, erkennbar am abschließenden Satzzeichen. Bei welcher Art scheint ein Satzteil (welches?) manchmal zu fehlen? …….

Unterstreiche passend! Was für ein Satzteil tritt in einigen der folgenden Sätze zusätzlich auf? …….

a) Der Bauer pflügt.

b) Der Bauer pflügt das Feld.

c) Der Bauer ist dem Händler böse.

d) Der Bauer gibt dem Kind einen Apfel.

e) Wer kommt?

f) Wem gehört der Ball?

g) Gibt der Bauer dem Kind einen Apfel?

h) Arbeite!

i) Otto, arbeite!

j) Igitt, es stinkt!

Man sollte jetzt folgendes erkannt haben:

Es gibt Aussagesätze (mit Punkt), Fragesätze (mit ?) und Ausrufe, zu denen auch die Befehlssätze gehören (mit !).

Bei Ausrufen und Befehlen kann das Subjekt fehlen, weil die angesprochene Person unausgesprochen feststeht (h).
Sonst enthält jeder Hauptsatz Subjekt und Prädikat. Das Prädikat ist eine finite Verbform oder eine Hilfsverbform mit Prädikatsnomen ©. Es können direkte oder mittelbare Objekte hinzutreten (unterscheidbar am Casus). Eine Frage kann auf einzelne Satzteile zielen (e, f) oder als sogenannte Satzfrage den ganzen Komplex in Frage stellen (g; erkennbar an der Umstellung der Satzteile, vergleiche mit d).

Es ist noch festzuhalten, daß Vokative nicht als Subjekt eines Satzes gelten, sondern wie Interjektionen grammatisch nicht zum Satzgefüge zählen. Im Deutschen erkennt man das daran, dass sie mit Kommata abgetrennt werden (i, j).

LXXV. Erweiterungen

Jedes Nomen im Satz kann durch Attribute erweitert werden. Einen Spezialfall des Attributs nennt man Apposition, welchen? …….

Gib an, wo Attribute oder Appositionen vorkommen und welcher Satzteil erweitert wird. Die Frage nach Attributen ist was für ein?

a) Der fleißige Bauer pflügt sein Feld.

b) Bauer Kurt pflügt das hangseitige Feld.

c) Erik der Rote schenkt Freya Sigmundstochter einen juwelenbesetzten Reif, die Verlobungsgabe.

d) Die Schulterstücke der Uniform eines Berliner Polizisten tragen goldene Rangsterne.

Man erkennt: Appositionen werden im Deutschen mit Komma abgetrennt, wenn sie nicht als Namenbestandteil gelten oder selbst unbetonter Name sind. Das ist im Lateinischen nicht so! Da ein Attribut Nomina enthält, kann ein Attribut durch ein anderes Attribut seinerseits weiter erklärt werden usw. (In welchem Satz kam das vor? …….)

Welche Typen des Attributs kommen vor? Gibt es einen typischen Casus (so wie Nominativ für Subjekt oder Dativ/Akkusativ für Objekt)? …….

Die im Prädikat liegende Aussage kann ebenfalls erweitert werden, indem die Umstände der Handlung angegeben werden. Diese Umstandsbestimmungen oder adverbiellen Bestimmungen können sehr vielgestaltig sein, typisch ist das Auftreten von Adverbien oder Präpositionen (vergleiche das Ende von Übung XI!).

Mitunter teilt man die adverbiellen Bestimmungen nach der Art des Umstands näher ein, z.B. in solche des Orts (loci, Fragen wo, woher, wohin?), der Zeit (temporis, Fragen wann, seit wann, bis wann?), des Grundes (causae, Fragen weswegen, warum?), der Art und Weise (modi, Fragen wie, auf welche Weise, wodurch, womit?, auch des Maßes wie groß, stark, viel usw., um wie viel?), des Ziels (finalis, Fragen wofür, zu welchem Zweck?), der Folge (consecutiva, Fragen mit welcher Folge, mit welchem Ergebnis?), der Einräumung (concessiva, Frage trotz was?), der Bedingung (conditionalis, Fragen wenn was, sobald was, sooft was?), des Zusammentreffens (coincidentiae, Frage indem was?) und alle, die ich hier etwa vergessen habe aufzuführen.

Diese Einteilung hat einen gewissen Wert, weil in dem Fall, daß an die Stelle einer Umstandsbestimmung ein Nebensatz tritt, Fragen des korrekten Tempus und Modus im Nebensatz mit dem Satzzweck verbunden sein können. Sie ist aber bei weitem nicht eindeutig, zumal es oft in dem Wunsche des Redenden liegt, feine Bedeutungsabstufungen oder Mehrdeutigkeiten auszudrücken:
Wenn ich komme, gestehe ich dir doch meine Zuneigung.
Ja, ist das zeitlich (zu der Zeit, wenn ich komme), als Bedingung (nur wenn ich komme oder auch sollte ich kommen), koinzidell oder modal (indem ich komme; dadurch, dass ich komme) oder gar konzessiv (obwohl ich komme) gemeint?

Probieren wir's mit (gib den Typ an)

Der Bauer arbeitet
auf dem Feld …….

bis zum Mittag …….

heute …….

oft …….

schwer …….

so oft wie möglich …….

trotz des schönen Wetters …….

wegen seiner Schulden …….

für wenig Geld …….

Die Bestimmung kann auch Thema eines Fragesatzes sein:

Wieso arbeitet der Bauer?
Wann
Wie lange
Wo
Um wieviel
usw.

Gibt es typische Casus im Latein, deren Auftreten mit/ohne Praeposition den Verdacht auf eine adverbielle Bestimmung nährt? …….

LXXVI. Hauptsatz, Latein

Die Satzteile Subjekt, Praedikat, Objekt und die Erweiterungen Attribut/Apposition und adverbielle Bestimmung kommen im Latein genauso vor wie im Deutschen. Analysiere die folgenden Hauptsätze entsprechend! Erinnere dich, dass Konjunktionen (wasndas?) nicht zu Satzteilen gezählt werden müssen. Manchmal hilft auch die Wortstellung: In normalen Aussagesätzen steht das Subjekt am Anfang, das Prädikat am Ende, das Objekt vor dem Prädikat, ein Attribut hinter dem Bezugswort.

Puer clamat.

Etiam Claudius frater clamat.

Sed Sextus fratrem clamat.

Claudia filia Camilli consulis saepe in horto suo cum amicis caris noctis claris signis caeli delectatur. (doch! Analyse sollte auch das knacken!)

Geballte Nominative (Subjekt? Praedikatsnomen? Attribut? Apposition?)
Publius Cornelius Scipio Aemilianus Africanus minor imperator praeclarus victor admirabilis erat multis de certaminibus.

Im Satz eben weicht eine Attributstellung von der oben angegebenen Regel ab. Welche? Wann tritt dieses Stilmittel auf?

LXXVII. Satzgefüge

Es gibt viele Arten, einen Satz komplizierter zu gliedern, als dies bisher im einfachen Hauptsatz gezeigt wurde.

Einen Fall stellt die Aufzählung dar. Jeder Satzteil kann unverbunden (im Deutschen also mit Komma angeschlossen) oder mit Konjunktionen verbunden mehrfach auftreten. Damit wird trotz der eventuellen Kommata der Satz noch nicht verlassen!

Welcher Satzteil oder welche Erweiterung wird im Folgenden durch Aufzählung dargestellt?

Hans und Fritz gehen baden.

Sie prusten und plantschen.

Hans, der verständigere und umsichtigere, warnt Fritz und die anderen Spielkameraden vor den Gefahren des Herumtobens, ermahnt sie eindringlich und weist zuletzt alle Verantwortung von sich.

Er geht daher wütend und mit sich unzufrieden nach Hause.

Der zweite Fall ist der der unverbundenen Sätze. Mehrere Hauptsätze mit engem inhaltlichen Bezug können zusammengestellt werden. Typischer Einsatz eines Semikolons, von Klammern oder Gedankenstrichen!

Hans ist großgewachsen, Fritz ist dagegen recht klein.

Das Essen stand auf dem Tisch (die Mutter hatte es bereits gerichtet), Claudia legte sich jedoch wegen ihrer Kopfschmerzen sofort hin.

Dieser Fall kann daran erkannt werden, daß jeder einzelne Satz für sich grammatikalisch vollständig ist, insbesondere Subjekt und Prädikat und die Wortstellung eines Hauptsatzes hat und im Allgemeinen keine Bezüge (z.B. Relativpronomina) auftauchen. Jeder Satz kann dann einzeln analysiert werden.

Der dritte Fall, der häufigste und komplizierteste, ist der der Subordnung: Jeder Satzteil eines Satzes kann durch einen Nebensatz ersetzt oder ergänzt werden. Da sich dies auch auf Nebensätze bezieht, können auch Nebensätze zweiten Grades usw. auftauchen. Gib im Folgenden an, welche Satzfunktion des Hauptsatzes der Nebensatz wahrnimmt und ob eine Ergänzung oder eine Ersetzung vorliegt (im letzteren Fall fehlt der Satzteil im übergeordneten Satz vollständig, im ersteren findet sich mindestens ein Bezugswort).

Wer das liest, ist doof! …….

Derjenige, der das liest, ist kein Analphabet! …….

Ich gehe schwimmen, obwohl das Wasser kühl ist. …….

Den, der mir die Reifen zerstach, möchte ich zwischen die Finger kriegen! …….

Wem ich das Geld geliehen habe, weiß ich nicht mehr. …….

Ich wünsche mir einen Freund, der zu mir hält. …….

Der Wunsch seiner Mutter war, dass er ein anständiger Mensch wird. …….

Sätze, die eine Schachtelung, die für denjenigen, der sie liest, kaum auflösbar ist, enthalten, sind eine Zumutung.

…….

Der vierte Fall ist der der Konstruktionen: An der Stelle eines Nebensatzes oder eines sonstigen Teils eines Satzes kann in gewissen Fällen ein Ausdruck stehen, der z.B. mit infiniten Verbformen, also Infinitiven, Partizipien oder ähnlichem, mit Casus in besonderer Bedeutung oder dergleichen gebildet wird.
Welche Konstruktionen es gibt und unter welchen Bedingungen sie angewendet werden dürfen, ist sprachentypisch. Für uns heißt dies, dass die Konstruktionen des Lateins als solche erkannt und dann in die oft durchaus andersartigen Konstruktionen des Deutschen umgesetzt werden müssen.

Eine typische deutsche Konstruktion ist zum Beispiel die Infinitivkonstruktion statt eines Nominativs als Subjekt:

Ihn zu lieben erfreut mich sehr.

Die wörtliche Übertragung ins Latein ergibt zwar auch Sinn:

Eum amare valde me delectat.

Aber die Betroffenheit bei Anfängern ist meist sehr groß, wenn sie erkennen, dass diese lateinische Konstruktion eine andere Bedeutung hat als die deutsche! Die deutsche würde nämlich zum Nebensatz aufgelöst etwa heißen: Es erfreut mich sehr, dass ich ihn liebe, die lateinische aber: Es erfreut mich sehr, dass er liebt !

Die bisher vermutlich angetroffenen lateinischen Konstruktionen kommen in den folgenden Übungen im Zusammenhang vor.
Es sind dies vor allem: Abweichende Auffassung über transitiven/intransitiven Gebrauch von Verben,
der doppelte Akkusativ,
besondere Anwendungsfälle des Genitivs, Dativs, Akkusativs ohne Präposition und generell des Ablativs (den es ja im Deutschen nicht gibt).
In den ersten zwei Jahren sind meist nicht viel mehr Konstruktionen vorgekommen, die hohe Zeit des Akkusativs mit Infinitiv, des Nominativs mit Infinitiv, weiterer Partizipialkonstruktionen usw. kommt noch.}} Nicht zu den Konstruktionen im eigentlichen Sinne gehört außerdem der oft abweichende Gebrauch der Tempora und Modi der Verbformen, deren einiges auch schon vorkam.

LXXVIII. Nebensatzanschlüsse

Nebensätze, die die Funktion einer adverbiellen Bestimmung im übergeordneten Satz haben, lassen sich genauso typisieren, wie dies in LXXV mit den Bestimmungen selbst geschah. Das kann uns dazu dienen, einige Typen und Bezeichnungen kurz zu üben:

Lokalsatz: Er warf sein Werkzeug hin, wo er stand.
wohin es fallen mochte.
woher er es geholt hatte.
Temporalsatz: als …
bevor …
nachdem …
immer dann, wenn …
Kausalsatz: weil …
da er ja …

- Denkt euch selber ein paar passende Konjunktionen aus! LXXV mag eine Hilfe sein.

Modalsatz:

Finalsatz:

Konsekutivsatz:

Konzessivsatz:

Kondizionalsatz:

Koinzidenzsatz:
indem er …
dadurch, dass er …

LXXIX. Der Ernstfall

Um einen kleinen Vorgeschmack auf das zu geben, was Römer so unter schlichter Prosa verstehen, seien hier einige Sätze verschiedener berühmter „Gaiusse“ in möglichst getreuer Übersetzung wiedergegeben. Analysiere das Gefüge von Haupt- und Nebensätzen usw. (Was ist Hauptsatz? Welche Aufgabe im jeweils übergeordneten Satz haben die Nebensätze und etwa vorkommende Konstruktionen? Wie werden Aufzählungen eingesetzt? Sind die Konjunktionen beiordnend - verbinden gleichartige Sätze oder Satzteile - oder unterordnend? Beispiele für Konjunktionen dieser Typen ersehe aus XLVI !)

Gaius Iulius Caesar, bellum Gallicum, erster Satz:

Gallien in seiner Gesamtheit wird eingeteilt in drei Teile, deren ersten die Belgier bewohnen, den zweiten die Aquitaner, den dritten, die sich selbst Kelten nennen, von uns aber Gallier genannt werden.

Diese schlichte Militärprosa führt bekanntlich dazu, daß das Bellum Gallicum praktisch überall erste Lektüre im Unterricht wird. Sein Adoptivsohn formulierte in seinem Rechenschaftsbericht:

Gaius Iulius Caesar Octavianus Augustus imperator, res gestae, Abschnitt 12:

Als ich aus Spanien und Gallien, nachdem ich in diesen Provinzen siegreiche Taten vollbracht hatte, im Konsulatsjahr des Tiberius Nero und des Publius Quintilius nach Rom zurückkehrte, beschloss der Senat zum Dank für meine Rückkehr einen Altar des Augustusfriedens zu weihen, und zwar beim Marsfeld, wo die Beamten, die Priester und die Vestalinnen jedes Jahr auf Geheiß des Senats ein Opfer darbringen sollten.

Das ist schon etwas stärker durchkomponiert.

Der Verwaltungsbeamte Gaius Plinius Caecilius Secundus minor beschäftigte sich in seiner Freizeit unter anderem mit dem Verfassen von stilistisch gefeilten Briefen, so z.B. aus einem an Minicius Fundanus:

Fragt man einen: „Was hast Du heute getan?“, so wird er sagen: „Ich gab jemandem das Geleit zur feierlichen Anlegung der Männertoga, ich war bei einer Verlobung oder bei einer Hochzeit, man bat mich zu einer Testamentsversiegelung oder um meinen Beistand vor Gericht oder um Abgabe eines Rechtsgutachtens.“; das alles findet man an dem Tage, da man es tut, für unumgänglich notwendig, aber für nichtig, wenn man bedenkt, dass man sich tagtäglich mit dergleichen befasste, und erst recht gewinnt man diesen Eindruck, wenn man zurückgezogen auf dem Lande lebt.

Das ist eben bereits ein Text aus der Kaiserzeit, Generationen nach Caesar. Dem stilistisch verwandter (und Zeitgenosse) war ein Historiker:

Gaius Sallustius Crispus, Catilinae coniuratio, Vorwort, Abschnitt 4:

Als ich dann aus vielen Leiden und Fährnissen heraus zur inneren Ruhe gefunden hatte und es für mich feststand, dass ich mein weiteres Leben fern von der Politik verbringen müsse, da war es nicht meine Absicht, bei tatenlosem Herumsitzen die schöne Zeit der Muße zu vertrödeln, und erst recht nicht, in der Beschäftigung mit Ackerbau oder Jagd, den Aufgaben von Sklaven, mein Leben hinzubringen, vielmehr kehrte ich zur selben Unternehmung und Bestrebung zurück, von der mich die leidige Ehrsucht abgehalten hatte, und beschloss, die Geschichte des römischen Volkes auszugsweise, wie mir jeweils einzelne Abschnitte der Überlieferung wert schienen, genau niederzuschreiben, und zwar um so mehr, als ich mich von Erwartung, Furcht und parteipolitischen Interessen innerlich frei wusste.

Das ist lang, aber kaum geschachtelt. Ich hoffe, man begreift dennoch, weswegen das Original sich nur denjenigen erschließt, die sich neben Vokabelkenntnissen den Überblick über die Gliederung einer Satzperiode bewahren können.

LXXX. Casus; Nominativ

Die Verwendung des Nominativs gleicht der im Deutschen, so dass kaum Schwierigkeiten auftreten sollten. Bis auf wenige Fälle übernimmt er auch die Aufgaben des Vokativs.

In welchen Satzfunktionen kann ein Nominativ auftreten? …….

Die Satzteilfrage lautet bekanntlich: wer oder was?

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